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Wunderkind Emily Bölk : „Hey, Frauenhandball kann man sich angucken“

19 Jahre jung und hochbegabt: Emily Bölk. Bild: Picture-Alliance

Emily Bölk ist erst 19 Jahre alt und steht für die Zukunft des deutschen Handballs. Dass sie als „Wunderkind“ bezeichnet wird, ist kein großes Problem. Sie hat ihre ganz eigene Art, mit dem Trubel umzugehen.

          Wunderkind! Das hat Emily Bölk schon oft gehört. Eine Überhöhung, aber keinesfalls ein Problem, sagt sie. Sie empfindet es zwar als Privileg, so bezeichnet zu werden, weiß es allerdings auch einzuordnen. Und betont: „Ich bilde mir nichts darauf ein.“ In jedem Fall: eine Hochbegabte, zudem erst 19 Jahre alt – eine Kombination, die es in sich hat. Und die der Handballspielerin Emily Bölk nun auch den Weg zur Weltmeisterschaft im eigenen Land geebnet hat. Sie ist die Jüngste im Aufgebot von Bundestrainer Michael Biegler, und sie brennt auf ihren ersten Einsatz bei diesem Turnier. Bölk, in der Bundesliga für den Buxtehuder SV am Ball, steht an diesem Dienstag (18.00 Uhr bei Sport1) in Leipzig im Duell mit Serbien erstmals im WM-Aufgebot. Sie war angeschlagen, doch ihre Fußverletzung ist auskuriert. „Emily ist dank des Einsatzes der medizinischen Abteilung bereit für die WM. Wir werden sie jetzt behutsam heranführen. Im Rückraum haben wir damit eine weitere Option“, sagt DHB-Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld. Emily Bölk hoffe, sagt sie, bald wieder auf der Platte stehen zu können. Und ihr Können als Rückraumspielerin zu zeigen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der Name Bölk hat Klang im deutschen Handball. Andrea Bölk, Emily Bölks Mutter, war 1993 Weltmeisterin geworden mit dem deutschen Team. Und ein wenig erinnert die Tochter auch an die glorreiche Mama. „Wir kriegen oft gesagt, dass Bewegung, Laufart und Würfe ähnlich sind“, sagt Emily Bölk, die schon mit 16 in der Bundesliga debütierte. Für sie sei es, erzählt sie, in relativ kurzer Zeit schnell bergauf gegangen. Dass Biegler, dessen Mannschaft nach zwei Siegen dicht vor dem Einzug in das Achtelfinale steht, sie nun in seinen Kader geholt hat, war für Emily Bölk dennoch keine Selbstverständlichkeit. „Ich bin beiden sehr dankbar für den Mut, mich hochzuziehen“, sagt sie – und meint Biegler sowie Wolfgang Sommerfeld, den Sportdirektor des Deutschen Handballbundes. Sommerfeld behauptet, dass es gar kein Risiko gewesen sei, die aufstrebende Buxtehuderin für die WM zu nominieren. „Sie ist klar im Kopf. Sie macht jetzt schon vieles richtig. Da wächst ein großes Talent heran.“

          Nach einer Verletzung kann Emily Bölk endlich auch bei der WM einsteigen.
          Nach einer Verletzung kann Emily Bölk endlich auch bei der WM einsteigen. : Bild: dpa

          Ein Versprechen für die Zukunft. Aber womöglich auch schon jetzt eine Stütze für das deutsche Team, in dem Biegler ein frisches Feuer entfacht hat. Das nutzt Emily Bölk gerne, um für ihren Sport zu werben. „Hey, ja, Frauenhandball kann man sich auch angucken. Wir müssen uns absolut nicht hinter den Männern verstecken.“ Trotzdem: Die Frauen-Bundesliga stellt sozusagen ein Nischenprogramm dar. Und bietet ihren Protagonistinnen außerdem keine allzu großen finanziellen Reize. „Da wird man nicht reich“, sagt Emily Bölk. Auch ein Grund, schon jetzt nicht allein auf den Handball zu setzen: Bölk hat ein Fernstudium in BWL und Wirtschaftspsychologie aufgenommen, „um den Grips anzustrengen und die Karriere danach zu planen“. Sie hat, natürlich, keine Eile damit. „Ich muss mir keinen Stress machen. Ich bin froh über die Gegenwart.“ Und sie wird auszuloten versuchen, was der Handball ihr noch geben kann.

          Der Vertrag in Buxtehude läuft nach dieser Saison aus, ein Wechsel ins Ausland ist nicht ausgeschlossen. Wegen des Wunsches, auch mal in der Champions League anzutreten. Müsste machbar sein für eine junge Frau, die schon ein wenig Handball-Geschichte geschrieben hat. Auf ganz erdverbundene Art.

          Quelle: F.A.Z.

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