Der letzte Härtetest für Olympia lässt Gutes erhoffen. Deutschlands verletzungsgeplagte Florettfechter griffen zwar an Gold vorbei. Das Aufbäumen nach dem 42:45 im Halbfinale gegen den WM-Zweiten Frankreich indes lohnte sich: Olympiasieger Benjamin Kleibrink, André Weßels und Sebastian Bachmann holten am Dienstag gegen Russland EM-Bronze - und das ohne den viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich, der bei den Europameisterschaften im italienischen Legnano am Ende verletzt zuschauen musste.
Weßels lädierte sich im Schlussgefecht beim 38:33 gegen Russland die linke Führhand, hielt aber durch. Die deutschen Säbeldamen verloren im Viertelfinale gegen Polen mit 32:45 und beendeten die EM nach einem 30:45 gegen Ungarn als Achte. Nach der fünften Medaille am fünften EM-Tag in der Lombardei geht Deutschland mit einmal Silber durch Kleibrink im Florett-Einzel und viermal Bronze in den Schlussakt am Mittwoch.
Sportdirektor Manfred Kaspar ordnete das Halbfinal-Aus der Florett-Experten keineswegs als großen Betriebsunfall ein: „Dass sie da verlieren - was soll’s?“ Intensiver waren die Sorgen um Joppich: Der Koblenzer zog sich gegen die Franzosen eine Verletzung am linken Knie zu, die bis in die Gesäßmuskulatur ausstrahlte. Als Schlussmann konnte der 29-Jährige die Niederlage nicht mehr verhindern. Joppich blieb auf Anraten von Teamarzt Joachim Laun außen vor, als der EM-Zweite Kleibrink (Tauberbischofsheim) und das Bonner Duo Weßels/Bachmann gegen Russland auf die Planche mussten und dem zum Zuschauen gezwungenen Top-Fechter Bronze präsentierten.
Joppich soll sofort nach der Heimkehr am Mittwoch genauestens untersucht werden. In Mannschaftskreisen hieß es, die Blessur sei nicht gravierend. Wie unersetzbar Joppich ist, wurde am Dienstag erneut offenbar: Im Viertelfinal-Drama gegen die Ukraine setzte er im Kampf um alles oder nichts nach 16 Sekunden den Treffer zum gewonnenen „Sudden Death“ (40:39). In der Neuauflage des gegen Frankreich verlorenen WM-Halbfinales von 2011 konnte Joppich es dann nicht mehr richten.
Aus einem 13:20 nach Gefecht vier machte der Koblenzer zwar ein 25:22. Doch die für Olympia mitfavorisierten Deutschen konnten den Vorsprung nicht halten. Als Joppich nach minutenlanger Behandlung durch Physiotherapeutin Birgit Berberich zum letzten Gang auf die Planche trat, stand es 39:40, wenig später 41:44 - diesmal konnte selbst ein viermaliger Weltchampion das Unmögliche nicht mehr möglich machen.
„Wir hatten nicht die Spannung, die nötig ist, um gegen Frankreich bestehen zu können“, befand Bundestrainer Ulrich Schreck. Der Team-Olympiasieger von Barcelona schaut jetzt nur noch nach vorn. „Jeder hat das Potenzial und den Willen, in London das Maximum rauszuholen und dort im großen Finale zu stehen.“ Ganz klar: Sie wollen eine Teammedaille. Schon am Donnerstag beginnt in Bonn und Hennef die finale Olympia-Vorbereitung. Und am 5. August soll es dann den gemeinsamen Coup von London geben.