Der K.o. erfolgte nach dem Hauptkampf. Das Opfer? Das Profiboxen! Kurz nach Mitternacht hatte Witali Klitschko seinen Schwergewichtskampf um die WBC-Weltmeisterschaft gegen Dereck Chisora nach Punkten gewonnen.
Es war ein überraschend guter und spannender Kampf vor 12.500 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Olympiahalle gewesen, wozu der englische Herausforderer und Außenseiter mit einer couragierten Leistung beigetragen hatte. Gut anderthalb Stunden später lag Chisora dann doch noch auf dem Boden. Mehr niedergerungen als niedergeschlagen von einem anderen Weltklasseboxer.
David Haye, der vor einem Jahr seinen WM-Titel nach WBA-Version an Wladimir Klitschko verloren hatte, bekam Zugang zur Pressekonferenz, weil er an diesem Abend als Fernsehexperte arbeitete. Der 31 Jahre alte Engländer stellte auch eine interessante Frage, wenngleich in eigener Sache: „Wann boxen die Klitschkos wieder gegen mich?“
Es folgte ein heftiger Disput mit dem Manager der ukrainischen Boxbrüder, Bernd Bönte – bis es Chisora zu bunt wurde. Er fühlte, wie ihm an seinem bisher größten Tag die Show gestohlen wurde. „Halt den Mund, du bist hier nicht in London“, riet er seinem Landsmann und fügte an: „Kämpf erst mal gegen mich, wenn du dich traust.“
Hayes Antwort trug nicht zur Beruhigung bei: „Warum sollte ich? Du hast doch deine letzten drei Kämpfe alle verloren.“ Chisora bellte zurück: „Traust du dich, mir das ins Gesicht zu sagen?“ Sprach‘s, stürmte vom Podium ins Publikum und baute sich nur Zentimeter vor Haye, der eine Limonade trank, drohend auf.
Es dauerte keine zwei Sekunden, da beendete Haye das sonst vor Kämpfen übliche gegenseitige Anstarren mit einem Schlag. In der Hand hatte er noch die Flasche. So begann ein Ring- und Faustkampf, an dem sich nicht nur die beiden Profiboxer, sondern auch Personen aus der Entourage von Chisora sowie Hayes Trainer und Manager Adam Booth beteiligten.
Haye griff sich Flaschen und Kamerastative als Hilfsmittel. Bei deren Einsatz verletzte er seinen Manager Adam Booth schwerer am Kopf, auch Chisora blutete leicht. „He glassed me, he glassed me, I will shoot him“, schrie Chisora mit überschnappender Stimme, als er von Haye getrennt worden war und sein Widersacher von Sicherheitskräften begleitet, weggebracht worden war. „Er hat mich mit einem Glas geschlagen, ich werde ihn niederschießen.“
Schon beim offiziellen Wiegen kam es zum Eklat
Durch die mehrmals herausgeschrieene Morddrohung erhielt der Abend eine neue Dimension: „Das ist kriminell“, sagte Wladimir Klitschko, der als Sekundant seines Bruders kurz vor dem Kampf mit Chisoras unverschämter Aggressivität Bekanntschaft gemacht hatte. Der Engländer spuckte ihm eine größere Menge Wasser mitten ins Gesicht.
Am Tag zuvor, beim offiziellen Wiegen, hatte Chisora Witali Klitschko überrascht, indem er ihm eine Ohrfeige verpasste. In beiden Fällen bewahrten die Klitschkos, wenn auch mühsam, die Contenance. Chisora hatte die Backpfeife beim Wiegen folgendermaßen begründet: „Ich habe meiner Mutter versprochen, den Klitschkos und auch Haye eine zu verpassen.“
„Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“
Den Klitschkos, weil Wladimirs Kampf gegen ihn im vergangenen Jahr kurzfristig abgesagt wurde; Haye, weil er wegen seiner passiven Kampfweise im WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko den Bezahlsender Sky dazu bewogen hätte, sich in England aus dem Boxgeschäft zurückzuziehen. „Haye ist schuld, dass junge Boxer wie ich, kaum noch Chancen haben, ans große Geld zu kommen.“
Witali Klitschko hatte sich schon nach der Ohrfeige sein Urteil über den Gegner gebildet: „Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Schon zuvor war Chisora aufgefallen. Einem Gegner biss er ins Ohr, einen küsste er bei der Wiegeprozedur auf den Mund. Die Engländer bezeichnen ihn als „Maddog“.
„Das ist keine Ausrede, sondern die Erklärung“
Nach seinem Punktsieg sagte Witali Klitschko über seinen Gegner: „Vor seiner Leistung im Ring habe ich Respekt, aber nicht für ihn als Mensch.“ Der vierzig Jahre alte Ukrainer dominierte zwar die meisten der zwölf Runden. Trotzdem gelang es Chisora, ihn ständig unter Druck zu setzen. Klitschko hatte alle Hände zu tun, sich der Attacken zu erwehren. Seine Linke konnte er dabei kaum einsetzen.
Eine alte Schulterverletzung - er erlitt einen Teilanriss der linken Rotatorenmanschette - war aufgebrochen. „Das ist keine Ausrede, sondern die Erklärung, warum ich nicht durch K.o. gewonnen habe. In all meinen Kämpfen war die Linke der Schlüssel zum K.o.“, sagte der Ukrainer, dem in den letzten Jahren niemand mehr so zugesetzt hatte.
Warum hacken alle auf Chisora rum?
Christian Cellarius (stian)
- 20.02.2012, 20:19 Uhr
Vitali oder Witali
Vincent Kiefer (Shadows)
- 19.02.2012, 14:40 Uhr
Boxen-Luder
Hildegard Grygierek (hildegardswelt.de)
- 19.02.2012, 14:18 Uhr
Dieses Berufsboxen ist doch sowieso nicht ernst zu nehmen,
Gerhard Both (g.both)
- 19.02.2012, 14:11 Uhr
Viel Kraft, wenig Hirn?
Stefan Schaller (hnosteve)
- 19.02.2012, 12:13 Uhr