Rudolf Scharping rückte tatsächlich von Erik Zabel ab - aber nur bei der Abstimmung über den Start des Sprinters bei den Straßen-Weltmeisterschaften. Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der dem Radprofi Zabel freundschaftlich verbunden ist, nahm daran nicht teil - aber auch ohne Scharpings Votum reichte es zu einer deutlichen Mehrheit für Zabel.
Der 37 Jahre alte Radrennfahrer, der Epo-Doping in den neunziger Jahren zugegeben hatte, gehört also dem vorläufigen Kader für die WM Ende September in Stuttgart an. Das Präsidium des BDR beschloss dies am Mittwoch mit 6:2 Stimmen. Wie Zabel zählt Andreas Klöden vom umstrittenen Team Astana, das durch mehrere Dopingfälle belastet wurde und im Juli vorzeitig die Tour de France verließ, zum deutschen Aufgebot.
„Kann die Generalausrichtung nicht mehr vertreten“
Mit dem überraschenden Ergebnis in Sachen Zabel dürfte der BDR heftige Kritik hervorrufen - am Mittwoch musste er sogar schon einen Rücktritt hinnehmen. Dieter Kühnle, der beim BDR für Kommunikation und Marketing zuständig war, erklärte seine Demission. „Ich kann die Generalausrichtung des BDR und seinen Umgang mit der Dopingproblematik nicht mehr vertreten“, sagte er zur Begründung. Kühnle hatte für den Aufbau einer neuer Generation von Fahrern plädiert.
Über diesen Plan hatte er auch mit dem Chef des Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, gesprochen - und von Holczer angeblich auch zu hören bekommen: „Das ist machbar.“ Im Verband aber hatte sich Kühnle mit seinem Konzept offensichtlich nicht durchsetzen können. „Der BDR hätte Mut zeigen müssen“, sagte er, ein solches Signal sei aber ausgeblieben. Kühnle, der die Frankfurter Zusammenkunft vorzeitig verlassen hatte, glaubt, dass der BDR nun „richtig Ärger“ bekommen werde.
Zabel als unerwünschte Person
Mit Unverständnis auf das Resultat vom Mittwoch wird vor allem das Organisationskomitee der WM reagieren. Dessen Vorsitzende, die Stuttgarter Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann, hatte immer wieder betont, dass Zabel bei der WM als eine unerwünschte Person betrachtet werde. Schließlich soll das Stuttgarter Championat für einen Neuanfang im Radsport stehen.
Das BDR-Präsidium beschäftigte sich angeblich eine Stunde lang allein mit der Causa Zabel. Es sei ein ernstes, nüchternes Abwägen gewesen, hieß es. Nur bei Zabel hatte es auch eine Einzelabstimmung gegeben. Offensichtlich wurde dem Profi vom Team Milram, der womöglich vor einer Rückkehr zu T-Mobile steht, zugute gehalten, dass er sich inzwischen für den Anti-Doping-Kampf einsetzt.
Scharping hofft auf „sachliche Diskussion“
Er sei, sagte Scharping, der Forderung nach tätiger Reue nachgekommen. Zum Beispiel will Zabel zusammen mit dem früheren Zehnkämpfer Frank Busemann versuchen, Jugendliche über die Gefahren von Doping aufzuklären. Allem Anschein nach wollte der BDR auch honorieren, dass Zabel überhaupt ein Dopinggeständnis ablegte. Wenn er nicht nominiert worden wäre, sagte Scharping jedenfalls, hätte man womöglich eine Situation geschaffen, „in der vielleicht niemand mehr etwas freiwillig sagt“.
Natürlich ist ihm bewusst, dass der Frankfurter Beschluss Diskussionen hervorrufen wird - „ich hoffe“, sagte Scharping, „dass sie sachlich geführt werden“. Er will das auch auf die Debatte um den U-23-Bundestrainer Bernd Dittert bezogen wissen, gegen den unlängst Dopingvorwürfe erhoben wurden. „Wir haben begonnen“, sagte Scharping, „das zu überprüfen.“
Zabel will sich in Spanien vorbereiten
Zabel hatte bekannt, im Jahr 1996 - er fuhr damals für das Team Telekom - eine Woche lang Epo benutzt haben. Aus gesundheitlichen Gründen will er danach wieder darauf verzichtet haben. Nach seiner „Beichte“ war er von den Stuttgartern als WM-Botschafter abgesetzt worden. Auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking hatte er selbst verzichtet. Im Vorjahr war Zabel in Salzburg WM-Zweiter hinter dem Italiener Paolo Bettini geworden. Er will sich jetzt bei der Spanien-Rundfahrt auf das Stuttgarter Rennen vorbereiten.
Scharping sagte am Mittwoch auch, dass der BDR in Stuttgart mit einer glaubwürdigen, leistungsfähigen Mannschaft vertreten sein wolle: „Das ist das Prinzip“. Ein Prinzip, das nun in Frage gestellt werden wird.
Wieso?
Daniel Crommer (crommer)
- 29.08.2007, 22:59 Uhr
Schuld für immer?
Michael Meier (never1)
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R Rossi (suchtdasglueck)
- 29.08.2007, 23:58 Uhr
Schuld für immer - 2.Teil
Michael Fichtner (ebaristo)
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Konsequent
(mcvalet)
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