http://www.faz.net/-gtl-tlyc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.11.2006, 17:06 Uhr

Eisschnellauf Streit zwischen „Golden Girls“ und Verband eskaliert

Der Konflikt zwischen den Top-Stars und der Führung der Deutschen Eisschnellauf-Gemeinschaft ist eskaliert. Auch zwischen Anni Friesinger und Claudia Pechstein gibt es wieder einmal Unstimmigkeiten.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Als sie noch strahlten...

Der Konflikt zwischen den drei Top-Stars und der Führung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) ist eskaliert. Einen Tag vor Beginn der Eisschnellauf-Saison mit den Meisterschaften in Erfurt kritisierten die Team-Olympiasiegerinnen Anni Friesinger (Inzell), Claudia Pechstein (Berlin) und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) die Reformen des Verbandes. Bei der DESG-Spitze stößt dies auf totales Unverständnis.

„Ist doch schön, daß die Medien was zu schreiben haben. Aber wir halten an unserem Kurs fest, weil er richtig ist“, sagte der neue DESG-Vizepräsident Miroslav Kulik am Donnerstag in Erfurt. Präsident Gerd Heinze ist wenig erfreut von der Kritik der Stars. „Die Athletinnen sollten sich mal klar werden, wem sie ihre Erfolge in der Vergangenheit zu verdanken haben. Ich habe für sie stets ein offenes Ohr, aber bis auf Daniela Anschütz hat sich niemand mit seinen Problemen bei mir gemeldet“, sagte Heinze. Er machte gleichfalls klar, daß es eine Rücknahme der Konzepte nicht geben wird. „Es hat Unruhe in vieler Hinsicht gegeben, wir werden nun mit Ruhe und Konsequenz unseren Weg weiter gehen.“

Mehr zum Thema

„Ich fand das nicht glücklich“

Am heftigsten wird von den drei Athletinnen kritisiert, daß nach der im April festgelegten neuen Struktur Männer und Frauen getrennt trainieren und somit Synergieeffekte verloren gehen. So drohte Friesinger sogar, einen Start im Team-Wettbewerb von einem Einlenken der DESG abhängig zu machen. Dies stieß allerdings bei Rivalin Pechstein nicht auf Widerhall. „Ich fand das nicht glücklich, was sie da gesagt hat. Wir sind Olympiasieger und Weltrekordhalter und müssen uns daher unserer Verantwortung stellen“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin aus Berlin, die in Erfurt wegen eines Infekts auf Starts verzichten muß. Für Heinze ist ein Team-Boykott nicht akzeptabel. „Da gibt es nichts zu diskutieren. Ich erwarte von ihr, daß sie startet“, stellte er klar. „Natürlich wäre es uns am liebsten gewesen, wenn alle Top-Damen zusammen trainieren würden und sich voran bringen. Aber das ist ja nicht möglich.“

Pechstein bekräftigte in Erfurt hingegen ihre Kritik an Sportdirektor Günter Schumacher. „Es ist schade, daß Schumacher so wenig mit uns spricht. Die Distanz zwischen ihm und den Athleten wird immer größer. Vor allem die Top-Läuferin hätte man zuvor informieren müssen“, meinte sie. Schumacher reagierte am Donnerstag mit den Worten: „Schritt für Schritt wurde jeder informiert. Aber es ist klar, daß die lieb gewordene Unterstützung nicht in jedem Maße weitergeht. Aber wir müssen auch an die Nachwuchs-Förderung für 2010 und 2014 denken.“

Kritik an den Managern

Mit Unverständnis reagierte Heinze: „Ihre Äußerungen verwundern mich sehr. Wir haben ihren Bemühungen um ein Berliner Privatteam nie Steine in den Weg gelegt und auch für ihren Trainer Joachim Franke einen Honorarvertrag nach Erreichen des Ruhestandes möglich gemacht“, meinte der Präsident, der zugleich das Verhalten von einigen Managern in diesem Zusammenhang kritisierte. Dies wolle sich der Verband auf Dauer nicht mehr bieten lassen. Pechstein ist eher verbittert, daß ihrem verdienstvollen Coach nicht ein besseres Angebot gemacht wurde. „Allen wurde zunächst gekündigt, nur Schumacher wurde nie in Frage gestellt“, sagte sie.

Während Pechstein und Friesinger auf Basis des Engagements ihrer Sponsoren individuelle Trainingspartner verpflichteten und teils aus eigener Tasche bezahlen, steht Daniela Anschütz-Thoms nach dem geplatzten Wechsel in die Berliner Trainingsgruppe völlig im Regen. „Unter diesen Bedingungen muß ich sehen, wie ich in Erfurt diese Saison mit Partnern aus dem Junioren-Bereich so gut wie möglich überstehe“, meinte sie.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prothesenspringer Rehm Sprunghilfe aus Japan

Markus Rehm kämpft um sein Startrecht für die Olympischen Spiele. Noch immer ist ungeklärt, ob der beinamputierte Weitspringer einen Vorteil durch seine Prothese hat. Eine Studie weckt nun Hoffnung. Mehr Von Christian Kamp

19.04.2016, 21:07 Uhr | Sport
Video So sehen die deutschen Outfits für Olympia aus

Sportler haben in Düsseldorf gemeinsam mit professionellen Models die Bekleidung der deutschen Athleten für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio vorgestellt. Die von einem namhaften Spotartikelhersteller geschaffene Kollektion soll, so sieht es der Deutsche Olympische Sportbund, neue Akzente setzen und sowohl die Individualität der Teilnehmer als auch die Zusammengehörigkeit widerspiegeln. Mehr

26.04.2016, 19:40 Uhr | Sport
Korruptionsverdacht Russischer Bob-Präsident verhaftet

Weil er den internationalen Bobverband um 300.000 Euro betrogen haben soll, ist Russlands Verbandspräsident Bedjamow verhaftet worden. Auch deutsche Trainer warten noch auf Geld. Mehr Von Anno Hecker

25.04.2016, 17:49 Uhr | Sport
Genf Eskalierende Kämpfe gefährden Syrien-Friedensgespräche

Die Syrien-Friedensgespräche, die am Montag in Genf fortgesetzt wurden, stehen derzeit unter keinem guten Stern. Die syrische Opposition nannte eine Fortsetzung der Verhandlungen auf Twitter inakzeptabel, sollte die Regierung und ihre Verbündeten nicht die Belagerungen von Städten beenden und Bombenangriffe gegen zivile Ziele einstellen. Mehr

18.04.2016, 17:49 Uhr | Politik
Hammerwerfer Sergej Litwinow Bei uns ist es wie in der DDR

Russlands Leichtathletik versinkt im Doping-Sumpf. Ob Athleten wie Sergej Litwinow bei Olympia starten dürfen, ist fraglich. Im Interview spricht der Hammerwerfer über seinen Selbstversuch mit Meldonium – und sieben Monate ohne Doping-Kontrolle. Mehr Von Michael Reinsch

25.04.2016, 12:39 Uhr | Sport

Ein Rückfall in alte Zeiten

Von Peter Penders

Hoeneß will die erste Trumpfkarte im Hummels-Poker ziehen – und erhält Widerspruch beim FC Bayern. Harmonisch geht dieser Wechsel wohl nicht über die Bühne. Aber vielleicht kracht es woanders als erwartet. Mehr 24 19