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Eiskunstlauf Tusch und weg

25.08.2010 ·  Der russische Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko wurde vom internationalen Verband für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi ausgeschlossen. Große Empörung folgte - außer bei Pluschenko selbst. Er weiß genau warum.

Von Evi Simeoni
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Ach, diese Kringeldreher, sie verdrehen alles. Manchmal nur den Jungen und Mädchen die Köpfe. Und manchmal auch die Wahrheit. Am besten jedes Mal mit einem strahlenden Hollywoodlächeln – und so, dass man nicht merkt, wie einem geschieht.

Weil wir das wissen und uns gerne ab und zu ein bisschen schwindelig machen lassen von den flinken Selbstdarstellern auf dem Eis, werden wir künftig vor allem einen vermissen: Jewgeni Pluschenko, den blonden St. Petersburger mit der ausgeprägten Nase, Eiskunstlauf-Olympiasieger von 2006.

Was er im vergangenen Winter aufführte, war wirklich unterhaltsam. Die Art, wie er nach langer Wettkampfpause Europameister wurde, hatte etwas Imponierendes. Und seine Psycho-Attacken gegen die Konkurrenz in Übersee machten den Herren-Wettbewerb bei den Winterspielen in Vancouver zum Knüller. Am Ende unterlag der athletische Springer Pluschenko allerdings dem vergeistigten Amerikaner Evan Lysacek, obwohl der keinen einzigen „Vierfachen“ gezeigt hatte. Pluschenko gab sich empört und kündigte für 2014 Revanche an.

Die olympische Eisfläche durch das Hintertürchen verlassen

So, wie es im Moment aussieht, wird Pluschenko aber bei den Winterspielen 2014 in seiner russischen Heimat nicht mehr antreten. Weil er sich von den Weltmeisterschaften verletzt abmeldete und trotzdem eine Schaulauftournee bestritt, hat der Internationale Eislaufverband ihn für alle Wettkämpfe gesperrt. Für immer gewaltsam ausgeschlossen – so soll es wohl wirken. Doch wenn man Pluschenko und seine Entourage nicht an ihren Worten, sondern an seinen Taten misst, ergibt sich ein anderes Bild. Er hat die 21 Tage Einspruchsfrist gegen die Entscheidung tatenlos verstreichen lassen. Und er will, sagt sein Trainer, auch nicht gegen den Weltverband vor Gericht ziehen.

Warum? Pluschenko dürfte klar sein, was ihn in Sotschi erwarten würde. Vancouver hat ihm endgültig gezeigt, dass der athletische Typ, den er repräsentiert, aus der Mode ist. Er ist zwar erst 27 Jahre alt, aber seine Knie und Leisten sind durch den Sport schwer geschädigt. Wie soll er damit noch einmal eine Olympia-Kampagne durchstehen? Wie soll er so vor seinem eigenen Publikum bestehen, das nichts anderes von ihm will als Gold? Gäbe es olympisches Platin, dann wahrscheinlich sogar das.

Seine letzte Kür scheint er also auf dem Trockenen vorgeführt zu haben: Pluschenko, das Opfer. Wenn nicht alles täuscht, hat er soeben die olympische Eisfläche durch das Hintertürchen verlassen. Wir schicken ihm trotzdem einen Tusch hinterher.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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