Das WM-Traumendspiel zwischen den beiden Eishockey-Rekordchampions Russland und Kanada ist schon im Viertelfinale geplatzt. Die Kanadier unterlagen am Donnerstag überraschend 3:4 (1:2, 2:0, 0:2) gegen die Slowakei und verpassten damit zum dritten Mal in Serie eine WM-Medaille.
Die Russen machten es besser: Trotz heftiger Gegenwehr setzte sich die Sbornaja gegen Außenseiter Norwegen 5:2 (2:1, 0:1, 3:0) durch. Die russische Führung in Stockholm erzielte NHL-Star Alexander Owetschkin (8. Minute), dem in seinem ersten Match nach der Ankunft aus Nordamerika ein Auftakt nach Maß gelang.
Die weiteren Tore schossen Alexander Popow (15.), Alexej Jemelin (41.), Nikolai Scherdew (51.) und Ilja Nikulin (55.). Die Norweger hielten die Partie zwei Drittel lang offen, letztlich waren die Tore von Per-Age Skroder (12.) und Topscorer Patrick Thoresen (21.) zu wenig. Russland war immer wieder gefährlich, konnte die Überlegenheit aber erst im Schlussdrittel umsetzen. Gegner im Halbfinale ist Finnland.
Mit seinem Siegtor neun Sekunden vor Schluss schoss Jesse Joensuu den Titelverteidiger vor heimischem Publikum ins Halbfinale. Dank des Last-Minute-Treffers setzte sich der Weltmeister mit 3:2 (0:0, 1:1, 2:1) gegen die Vereinigten Staaten durch und trifft am Samstag (13.30 Uhr) auf Russland.
Am Donnerstagabend sorgte NHL-Stürmer Milan Michalek eine halbe Minute vor der Schlusssirene für den 4:3 (2:1, 1:1, 1:1)-Sieg der Tschechen gegen den Co-Gastgeber aus Schweden. In der Runde der besten vier Teams kommt es nun zum „Bruderduell“ mit der Slowakei.
Kanada ist klar dominierend - und geht leer aus
Gegen die Amerikaner lag Finnland vor 12.426 Zuschauern in Helsinki nach Toren von Kyle Palmieri (34. Minute) und Bobby Ryan (42.) im letzten Drittel 1:2 in Rückstand, ehe NHL-Profi Mikko Koivu (54.) und Joensuu das Match noch drehten. Joensuu hatte bereits das 1:0 (34.) erzielt. Nach dem entscheidenden Tor, das dem Profi aus Helsinki nach toller Vorarbeit und einem Rückpass von Petri Kontiola vor das amerikanische Tor gelang, wurde „Suomi“ in der Halle frenetisch gefeiert. Die Finnen hatten in der Vorrunde noch überraschend deutlich mit 0:5 gegen das Team der Vereinigten Staaten verloren.
Olympiasieger Kanada war die klar dominierende Mannschaft - ging aber leer aus. Den entscheidenden Treffer für die Slowakei erzielte Michal Handzus zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene. Kanadas Kapitän Ryan Getzlaf war nur vier Sekunden zuvor wegen eines bösen Kniechecks mit einer Matchstrafe belegt worden. Das Halbfinale bestreiten die Slowaken, die bei der Heim-WM im Vorjahr noch maßlos enttäuscht hatten, am Samstag gegen Schweden oder Tschechien.
„Bange war mir nur, als Kanada nach dem 3:2 weitere gute Chancen hatte“, sagte Slowaken-Coach Vladimir Vujtek. „Beim 4:2 wäre wohl nichts mehr zu machen gewesen. Aber so wussten wir, dass unser Moment kommen wird. Und als wir das 3:3 schossen, war ich sicher, dass wir das Spiel gewinnen.“ Die Tore von Evander Kane (17.), Jeff Skinner (27.) und Alexandre Burrows (38.) nach einem 0:2-Rückstand reichten den Kanadiern nicht. Die anderen Tore für die Slowakei erzielten Tomas Kopecky (6.), Miroslav Satan (10.) und Milan Bartovic (54.).
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kann sich derweil trotz des enttäuschenden Auftritts bei der Weltmeisterschaft in Schweden noch auf Umwegen für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi qualifizieren. Dafür muss sie ein Vier-Nationen-Qualifikationsturnier gewinnen, das Anfang Februar 2013 in Deutschland stattfinden wird. Gegner werden dann Italien und Österreich sowie ein weiterer Qualifikant sein, der noch ermittelt wird.
„Man darf jetzt nicht anfangen, alles kaputtzureden“
Ob Jakob Kölliker auch künftig Verantwortung beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) übernehmen soll, ist dagegen offen. „Man darf jetzt nicht anfangen, alles kaputtzureden“, sagte Karl-Heinz Fliegauf, Manager des Klubs EHC Wolfsburg, der zugleich dem sogenannten „Kompetenzteam Nationalmannschaft“ angehört, nach dem Turnier, das mit zwanzig Gegentoren gegen Norwegen (4:12) und Tschechien (1:8) blamabel ausklang.
Er sei aber der Meinung, dass Kölliker künftig nicht mehr als Bundestrainer in Frage komme, sondern „es eher in Richtung Sportdirektor geht“. Der Vertrag Köllikers läuft Ende dieses Monats aus. Uwe Harnos, der Präsident des DEB, kündigte vor der Abreise aus Stockholm an, dass es über die eigentlich schon beschlossene Fortsetzung der Zusammenarbeit im Zuge der Aufarbeitung des WM-Desasters noch Gespräche geben soll.