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Eishockey-WM in Minsk : Lukaschenka unter Druck

  • Aktualisiert am

Politics on Ice: Die geplante Eishockey-WM in Minsk sorgt für Empörung Bild: REUTERS

Das EU-Parlament spricht sich gegen die Eishockey-WM 2014 im weißrussischen Minsk aus. Von Diktator Lukaschenka erwartet es die Freilassung politischer Gefangener. Sport müsse unpolitisch bleiben, erwidert der Verband.

          Aleksandr Lukaschenka, brutaler Diktator von Weißrussland, und René Fasel, Präsident des Eishockey-Weltverbandes und der Vereinigung aller olympischen Wintersportverbände, kämpfen seit Jahren Seite an Seite. Sie verteidigen die für 2014 in Minsk geplante Eishockey-Weltmeisterschaft gegen lästige Politiker und Menschenrechtler. Lukaschenka schon deshalb, weil er ja selbst die kritisierten Menschenrechtsverletzungen begeht. Und Fasel, weil er nichts Anrüchiges an Lukaschenkas Gesellschaft erkennen kann. Der Diktator ist schließlich Eishockeyfan, spielt selbst mit 59 Jahren noch aktiv, gewinnt fast immer und hat in seinem bettelarmen Land ungefähr 30 Eisstadien bauen lassen. Und außerdem wäre nach Fasels Ansicht die Weigerung, einem Gewaltherrscher eine WM zuzusprechen, eine „Diskriminierung eines Mitglieds der Föderation“. Am 8. Mai 2009 vergab der Verbandskongress in Bern die WM mit deutlicher Mehrheit an Weißrussland.

          Doch nun bröckelt der Schulterschluss der beiden Kampfgefährten. Und das nicht etwa, weil der Schweizer Fasel in Zweifel geraten wäre, ob es vielleicht doch falsch ist, Lukaschenkas Drang zur Selbstdarstellung eine glanzvolle Bühne zu verleihen. Nein, der Diktator selbst hat sich an die Veranstalter von Minsk mit einer Warnung gewandt. Er forderte sie auf, eine Versicherung gegen einen möglichen Ausfall des Turniers abzuschließen. Gegen „mögliche Verluste im Falle einer Absage, eines Boykotts oder einer Terminverlegung“. Hintergrund könnte eine Resolution des Europäischen Parlaments in Straßburg vom 12. September sein, in der noch einmal die Forderung unterstrichen wird, „bedingungslos und sofort“ alle politischen Gefangenen in Weißrussland freizulassen. Fasels Weltverband IIHF wird in der Resolution aufgefordert, „seine Entscheidung ernsthaft zu überdenken, Weißrussland die Austragung der Eishockey-WM 2014 zu erlauben“. Dieser neuerliche Aufruf folgt auf nachdrückliche Forderungen deutscher Parlamentarier, des amerikanischen Senats und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

          Fast ungeschlagen im Eishockey: Diktator Lukaschenka
          Fast ungeschlagen im Eishockey: Diktator Lukaschenka : Bild: AFP

          Fasel hat sich bisher stets auf die Haltung zurückgezogen, Sport müsse autonom und unpolitisch bleiben – so, als würden Sportfeste nicht systematisch von der Politik für Propagandazwecke genutzt. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Lukaschenka den Zuschlag der IIHF als persönlichen Erfolg feiern lässt. „Es ist nicht die Aufgabe von Sportorganisationen und Athleten, sich wie Politiker zu verhalten“, verteidigte Fasel sich im vergangenen Jahr beim Jahreskongress in Helsinki: „Wir dürfen nicht als Marionetten für Politiker und Aktivisten missbraucht werden.“

          Mitglied der olympischen Familie

          Fasel bezieht sich auch stets auf die „fundamentalen Prinzipien“ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das sich unter seinem Präsidenten Jacques Rogge strikt auf seine Belange zurückgezogen und die Augen vor seiner eigenen politischen Wirkung verschlossen hat. Hinzu kommt, dass Lukaschenka selbst ehrenwertes Mitglied der olympischen Familie ist – als Präsident des Weißrussischen Olympischen Komitees. Die Ironie dabei, die dem neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach Stoff zum Nachdenken geben sollte: Das IOC betrachtet sich nach eigenen Beteuerungen als verpflichtet, gerade diese Amtsinhaber vor Übergriffen der Politik zu schützen.

          Quelle: F.A.Z.

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