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Eishockey-WM Die vorbildlichen Schweizer

27.04.2009 ·  Niederlagen gegen die Schweiz sind in der deutschen Eishockey-Wirklichkeit nichts Neues. Doch sie schmerzen immer noch ein wenig mehr als Misserfolge gegen andere Konkurrenten. Nun wünscht sich Erich Kühnhackl, dass die Deutschen endlich vom Schweizer Vorbild lernen.

Von Marc Heinrich, Bern
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Niederlagen gegen die Schweiz sind in der deutschen Eishockey-Wirklichkeit nichts Neues. Doch sie schmerzen immer noch ein wenig mehr als Misserfolge gegen andere Konkurrenten. Auch am zweiten Vorrundenspieltag der Weltmeisterschaft zog die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp mal wieder den Kürzeren – das 2:3 nach Verlängerung war der 14. Fehlschlag in den zurückliegenden 16 Partien.

„Natürlich ist es enttäuschend, aber es war immerhin ein Teilerfolg“, versuchte Verteidiger Michael Bakos dem Aufeinandertreffen am Sonntagabend ein wenig Positives abzugewinnen. „Wir hatten sie am Rande einer Niederlage, das ist uns schon lange nicht mehr geglückt.“ Der Ingolstädter war die tragische Figur im deutschen Team. Bakos war in der Auftaktpartie gegen die Russen gegen die Bande geknallt und hatte ein blaues Auge, Schwellungen im Gesicht und eine mit acht Stichen genähte Augenbraue davongetragen.

Streit bringt das Spiel zum Ende

Am Mitwirken im Prestigeduell gegen den Turnier-Gastgeber ließ er sich von den Blessuren aber nicht abhalten. Als ausgerechnet er in der Nachspielzeit wegen zu hartem körperlichen Einsatz auf die Strafbank geschickt wurde, schlug der Gegner eiskalt zu: Mark Streit, der gebürtige Berner und Kapitän der Schweizer, machte dem hitzigen Derby mit einem abgefälschten Schlagschuss zum „Sudden Death“ der Deutschen ein Ende.

Der Kölner Christoph Ullmann (7. Minute) und Verteidiger Christoph Schubert von den Ottawa Senators (34.) hatten vorher getroffen, Roman Wick (9.) und Mathias Seger (24.) für die vom ehemaligen deutschen Nationalspieler Ralph Krueger betreuten Schweizer (siehe: 2:3 gegen die Schweiz: In der Verlängerung geht den Deutschen die Luft aus).

„Wegen der guten Jugendarbeit abgehängt“

Einen Punkt nehmen Krupp und seine Spieler also maximal mit, sollten sie an diesem Dienstag ihr letztes Vorrundenspiel gegen Frankreich gewinnen und in die Zwischenrunde einziehen. Für den Bundestrainer hat sich an den Chancen aufs Weiterkommen trotz des Rückschlags nichts geändert. „Wir können mit hoch erhobenem Kopf aus dem Stadion und an die nächste schwere Aufgabe heran gehen“. Ähnlich schätzte auch Augenzeuge Erich Kühnhackl die Ausgangslage vor der Begegnung mit den Franzosen ein, die bislang in der Gruppe B ebenfalls zweimal verloren. Er warnt aber auch: „Ein Selbstläufer wird es gewiss nicht.“

Dem Vizepräsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes, früher gerade im Ausland eine Symbolfigur für den nimmermüden Kampfgeist deutscher Mannschaften, gefiel die Vorstellung der Schweizer ausgesprochen gut. Er wünschte sich, dass auch hierzulande die Klubs aus dem Aufschwung des einstigen Underdogs die richtigen Lehren zieht: „Sie spielen taktisch clever, sind diszipliniert, technisch und läuferisch top“, lobte er, „es ist ein Fakt, dass sie uns auch wegen ihrer guten Jugendarbeit abgehängt haben. Ich bin fast ein wenig neidisch auf die Entwicklung, wenn man sieht, welchen Stellenwert sich das Eishockey in der Schweiz erarbeitet hat. Wir können uns von ihren Konzepten viel abschauen.“

Hoffnung auf Siege gegen Gegner auf Augenhöhe

Der heute 58 Jahre alte Kühnhackl, der zum Ausklang seiner Karriere eine Saison lang für den EHC Olten stürmte, weiß nicht zuletzt aus aktuellen Erfahrungen in der eigenen Familie, wovon er redet. Sein Sohn Tom unterlag unlängst mit der DEB-U18-Juniorenauswahl 3:8 gegen die Schweiz und stieg in die B-Gruppe ab. Ein ähnliches Schicksal droht Krupp und seine Akteuren auch im schlimmsten aller Fälle diesmal immerhin nicht: ganz gleich, wie sie sich im weiteren Verlauf in Bern aus der Affäre ziehen, sind sie als Veranstalter der WM 2010 beim Wiedersehen der weltbesten Nationen gesetzt.

„Es wäre schön, wenn wir bis dahin in der Lage wäre, ähnliche positive Schlagzeilen zu produzieren wie momentan die Schweizer“, formulierte Kühnhackl seine Hoffnungen, „dafür braucht man in erster Linie Selbstvertrauen, dass man sich mit Siegen gegen Gegner auf Augenhöhe holen kann.“ Vielleicht fangen seine Nachfolger ja schon gegen Frankreich damit an.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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