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Eishockey-WM : Die Lieblinge des Präsidenten

Russlands Eishockey-Nationalmannschaft (hier in Weiß) ist der Konkurrenz meist einen Schritt voraus Bild: dpa

Russlands Eishockeyteam besticht dieser Tage abermals mit hoher Effizienz. Dabei ist die WM in Schweden und Finnland nur eine Generalprobe für die „Sbornaja“ - die wahre Mission lautet Olympia-Gold in Sotschi 2014.

          Wladimir Putin liebt es, sich im Schweiße seines Angesichts in Siegerpose zu präsentieren. Mal mit nacktem Oberkörper beim Jagen, auf der Judo-Matte oder in Schlittschuhen. Auch am Abend seiner abermaligen Vereidigung zum Staatspräsidenten lud der Machtmensch aus St. Petersburg am 7. Mai des Vorjahres einen Haufen Gefolgsleute zu einem flotten Zeitvertreib ein: Eine von Putin zusammengestellte Eishockey-Amateurmannschaft trat gegen eine Auswahl russischer Alt-Internationaler an. Und wer schoss sein Team zum Sieg? Putin, wer sonst.

          Für den autoritären Politiker sind Achtungserfolge bei internationalen Titelkämpfen bevorzugte Prestigeangelegenheiten, durch die sein Land wieder das Selbstverständnis einer Sportsupermacht gewinnen soll. So wie zu früheren Sowjetzeiten. Keine zwei Wochen nach seiner Rückkehr auf den wichtigsten politischen Posten im Kreml gab es für Putin den nächsten Grund zur Freude: Das Eishockey-Nationalteam, seine Lieblinge um Superstar Jewgeni Malkin, schrieb im Finale der Weltmeisterschaft 2012 in Helsinki Geschichte. Es war die 26. Goldmedaille. Einer der ersten Gratulanten war selbstverständlich Putin, der noch in der Kabine bei Cheftrainer Sinetula Biljaletdinow anrief: „Die besten Eishockeyspieler der Welt geben uns einen Grund mehr, stolz auf unser Land zu sein“, frohlockte das stolze Oberhaupt am Telefon. Zehn Spiele, zehn Siege, alle nach sechzig Minuten - ein vergleichbarer Triumphmarsch war bis dahin zuletzt der damaligen UdSSR 1989 gelungen.

          Kowaltschuk mit Kraft und Eleganz

          In diesen Tagen, bei der WM, die abermals parallel in Schweden und Finnland stattfindet, macht die „Sbornaja“ exakt so weiter, wie sie vor zwölf Monate aufhörte: Sie lässt sich nicht bremsen. Vor dem dritten Spieltag des Turniers, bei dem es an diesem Dienstag zum stets bedeutungsvollen Duell mit den Vereinigten Staaten kommt (19.15 Uhr), führen die Russen die Gruppe B an. Am Sonntag mussten die Deutschen beim 1:4 erleben, mit welch beachtlicher Effizienz sich der Favorit seinen Weg bahnt. Mit seinem Hattrick war Goalgetter Ilja Kowaltschuk hinterher der gefeierte Mann. Seine drei clever genutzten Möglichkeiten (24., 31., 59. Minute) sowie der Schuss von Denis Kokarew ins leere Tor (60.) entschieden eine Partie, die spannender verlief, als es das Resultat auszudrücken vermochte. Biljaletdinow sagte anschließend: „Etwas anderes haben wir nicht erwartet. Das Ergebnis ist das Wichtigste.“

          Rekordtorschütze beim Torjubel: Kein Russe traf öfter bei Weltmeisterschaften als Ilja Kowaltschuk (links)
          Rekordtorschütze beim Torjubel: Kein Russe traf öfter bei Weltmeisterschaften als Ilja Kowaltschuk (links) : Bild: REUTERS

          Kowaltschuk ist mit 28 Treffern nun russischer WM-Rekordtorschütze. Der Dreißigjährige verbindet bei seinen Vorstößen wie nur wenige Stürmer Kraft und Eleganz auf eine beispiellose Weise, der viele Verteidiger nicht gewachsen sind. Schon seit 2001 verdient er sein Geld in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Erst bei den Atlanta Thrashers, bei denen er mit 342 Toren nach Abschluss der Saison 2009/10 als erfolgreichster NHL-Stürmer des Jahrzehnts geehrt wurde. Seit 2010 trägt er das Trikot der New Jersey Devils, bei denen er einen Vertrag bis 2025 unterschrieb, der ihm die Rekordeinnahme von 100 Millionen Dollar garantiert. In seiner Heimat genießt Kowaltschuk unter Eishockeyanhängern spätestens seit 2008 Heldenstatus. Bei der WM in Halifax gelang ihm im Endspiel das Kunststück, einen 3:4-Rückstand gegen Gastgeber Kanada im Alleingang in ein 5:4 umzuwandeln.

          Die kommenden beiden Wochen in Skandinavien sind eine russische Generalprobe. Biljaletdinow nimmt zuletzt, anders als manche Vorgänger, die vom diktatorischen Stil Wiktor Tichonows geprägt waren, auch auf Sorgen und Nöte seiner Spieler Rücksicht. Ihm gelang es zuletzt vorbildlich, die Einzelinteressen der Puckkünstler zu bündeln und intern für eine stimulierende Stimmung zu sorgen. „Wir sind stolz, für ihn zu spielen“, sagt Alexander Owetschkin, der noch in den Play-offs der NHL für die Washington Capitals gefordert ist. Sollte sein Verein im Rennen um den Stanley Cup früh ausscheiden, wonach es momentan gegen die New York Rangers freilich nicht ausschaut, würde er als weitere Verstärkung zu den K.-o.-Spielen bei der WM an die Seite Kowaltschuks rücken.

          Auch Owetschkin treibt eine große Hoffnung an: Im kommenden Februar finden die Olympischen Winterspiele in Sotschi statt. Der oberste Platz auf dem Treppchen, daran ließ Putin zuletzt bei seiner Stippvisite der Stadien am Schwarzen Meer keinen Zweifel, sei dabei eine Mission im nationalen Interesse. So wie es die Kanadier 2010 in Vancouver vormachten. Sie erfüllten sich ihren Traum vom Triumph vor eigenem Publikum. Dem ewigen Rivalen will die „Sbornaja“ nacheifern. Für alles andere hätte vor allem ihr größter Fan kein Verständnis.

          Quelle: F.A.Z.

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