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Eishockey-WM Das deutsche Team ist ein wenig zu schlafmützig

26.04.2009 ·  Die WM-Quartiere wurden mit Blick auf die Weltrangliste zugeteilt. In diesem Betten-Poker hatte Deutschland schlechte Karten. Das Team von Trainer Krupp nächtigt in einem Hotel in der turbulenten Fußgängerzone und wirkt entsprechend unausgeschlafen.

Von Marc Heinrich, Bern
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Von wegen, die Berner sind ein bedächtiger Menschenschlag. Spätestens nach Einbruch der Dunkelheit wird dieses Klischee, das schon während der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Sommer unter Mithilfe der Holländer mächtig gelitten hat, zu einem Vorurteil ohne größeren Wahrheitsgehalt. Die Schweizer Hauptstadt gibt bei Nacht ein ziemlich pulsierendes Bild ab.

Zumal zu Beginn des Wochenendes und an Frühlingsabenden, wenn die Altstadt mit ihren unzähligen Kneipen und Bars die Unterhaltung suchenden Einheimischen in die verwinkelten Fachwerkgassen rund um das Bundeshaus lockt. Kommen dann noch berauschte und grölende Fans der russischen Eishockey-Nationalmannschaft hinzu, die bis in die Morgenstunden den 5:0-Sieg ihrer Mannschaft gegen Deutschland begießen, finden Weltmeisterschafts-Gäste, die in einem der wenigen Hotels in der City untergebracht sind, nicht so leicht Ruhe.

Deutschland hatte im Betten-Poker schlechte Karten

Weil Bern nur über ein begrenztes Kontingent an geeigneten Großunterkünften verfügt, doch der Internationale Eishockey-Verband für die WM gleich acht Teams mit ihrem jeweils dutzendköpfigen Begleittross an Ort und Stelle unterzubringen hatte, wurden die Quartiere kurzerhand mit Blick auf die Platzierung in der Weltrangliste zugeteilt.

Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp ist erst vor drei Jahren wieder in den Kreis der internationalen Elite aufgestiegen. Als Neunter in der Branchen-Hierarchie besaß es bei dem Betten-Poker zwangsläufig nicht die allerbesten Karten und muss daher zusammen mit den Konkurrenten aus Österreich in einer Herberge in der Fußgängerzone nächtigen – der Geräuschpegel ist dementsprechend.

Von 15 Aufeinandertreffen verloren die Deutschen 13

Wirklich erholt sah Andreas Renz am Samstagnachmittag denn auch nicht aus. Wobei nicht ganz klar war, ob es eher die feierwütigen Anhänger der „Sbornaja“ waren oder doch mehr die Gedanken an das verpatzte Debüt bei diesem Turnier, weswegen der Kapitän nicht wie gewünscht die Augen zu bekam. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Ein wenig schlafmützig, das musste der Einunddreißigjährige von den Kölner Haien einräumen, hätten sich er und seine Mitstreiter bei der Lehrstunde gegen den Titelverteidiger aber auch angestellt. „Wir haben Fehler gemacht, und die Russen haben sie sofort ausgenutzt“, sagte der Verteidiger, „sie waren ein übermächtiger Gegner, da fehlt uns halt noch einiges, um mitzuhalten.“

Gegen die Schweizer, an diesem Sonntag (16:15 Uhr) der zweite Prüfstein auf dem Weg ins angepeilte Viertelfinale, „müssen wir viel konsequenter von der Strafbank wegbleiben, sonst wird es wieder nix“, mutmaßte Renz. In der jüngeren Länderspiel-Bilanz gegen die Eidgenossen lässt sich nur wenig Ermutigendes für den großen Nachbarn finden: Von den zurückliegenden 15 Aufeinandertreffen verloren die Deutschen 13. „Es ist sicher ein ganz besonderes Derby“, meinte Renz, „die wollen uns nicht nur schlagen, sondern aus der Halle schießen.“ Knapp 12.000 Besucher werden in der Arena erwartet und für eine hitzige Atmosphäre sorgen. Doch die Deutschen ließen sich von dem Lärm „garantiert nicht einschüchtern“, wie Renz ankündigte, „ganz im Gegenteil“. Für ihn und seine Kollegen ist Radau in diesen Berner Tagen ja nichts Neues.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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