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Veröffentlicht: 14.09.2012, 13:02 Uhr

Eishockey-Torwart Endras Lieber Reihenhaus und Sparkasse

Eishockey-Torwart Dennis Endras wechselte 2011 von Augsburg in die NHL, um sich als Spieler in der amerikanischen Profiliga einen Traum zu erfüllen. Er wurde bitter enttäuscht. Jetzt spielt er für die Adler Mannheim.

von , Mannheim
© dpa Der „Hexer“: Mit guten Reflexen verdient sich Nationaltorwart Endras diesen Spitznamen

So kann es bleiben. Alle Umzugskartons sind im Keller gelandet. Und sollen so schnell auch nicht wieder hervorgekramt werden. In Mannheim, wo Dennis Endras künftig den Adlern den Rücken frei halten möchte, hat sich der Siebenundzwanzigjährige mit seiner Freundin ein Reihenhaus gesucht, in dem beide gern sesshaft werden würden. „Vom Kofferpacken haben wir genug“, sagt der Torwart, der auf ein bewegtes Jahr zurückschauen kann. Bei den Kurpfälzern nimmt er in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) einen neuen Anlauf, sein herausragendes Können so in den Dienst einer Mannschaft zu stellen, dass es am Ende zum Titelgewinn reicht.

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Im Sommer 2011 hatte der Torwart die bayerische Heimat verlassen, um in den Vereinigten Staaten dem Jugendtraum vom Profi-Leben in der NHL näher zu kommen. Doch nach seinem tränenreichen Abschied von den Augsburger Panthern entpuppte sich das neue Zuhause bei näherem Hinsehen als ziemlich ungemütlicher Aufenthaltsort: Bei dem Klub Minnesota Wild bekam der deutsche Nationalkeeper kaum Einsatzzeit, und wie er findet, viel zu wenig Möglichkeiten, sein Talent zu beweisen.

Er wird nur sporadisch berücksichtigt

Ärgerlicher noch: Niemand aus dem generalstabsmäßig organisierten Betreuerstab sah es für nötig an, ihm zu erklären, warum er nur sporadisch berücksichtigt wurde. Besonders Chefcoach Mike Yeo entpuppte sich als unnahbarer Schweiger, der den Neuankömmling aus Deutschland dann auch ohne Begründung zum Farmteam Houston Aeros abschob. Doch die AHL, eine für ihre Brutalität berüchtigte Liga, in der sich viele Akteure mit Härte für höhere Aufgaben empfehlen wollen und Spiele wegen der ständigen Schlägereien schon mal vier Stunden dauern, war noch viel weniger Endras’ Welt: Er trat die Flucht an.

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Am letzten Dienstag im vergangenen November um kurz vor 15 Uhr erhielt er über seinen Berater ein Angebot des finnischen Vereins Helsingfors IFK, der eine zeitlich befristete Aushilfsstelle zu vergeben hatte - am Morgen darauf war alles fix. „Ich wollte nur weg“, sagt Endras. Er und seine Lebensgefährtin stiegen in Texas in kurzen Hosen und Flipflops in den Flieger und verließen ihn in Finnland bei minus 15 Grad Celsius. Es sei, meint Endras, eine gewagte „Hals-über-Kopf-Entscheidung“ gewesen, „aber sie war das Beste, was ich machen konnte“.

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In Skandinavien kehrte der Spaß am Spiel zurück, und Endras zahlte das Vertrauen des Trainerstabs mit Leistung zurück, so dass nach Saisonschluss mehrere Klubs aus Nordeuropa an seinen Diensten interessiert waren. Doch keine Offerte konnte mit der der Adler mithalten, denen er sich bis vorerst 2015 anschloss und mit denen er an diesem Freitag in die Saison startet. Bei den Mannheimern habe „das Paket am besten gepasst“. Soll heißen: Neben dem sportlichen und finanziellen Aspekt überzeugte ihn auch die Aussicht, dem Allgäu wieder näher zu sein, wo seine Familie bei Immenstadt lebt und die er jetzt regelmäßig besucht, „um den Kopf frei zu bekommen“. Außerdem sei es „schön zu wissen, wo die nächste Sparkasse ist“.

Bild Endras 1 Neu-Adler: Dennis Endras ist zurück in der DEL © picture alliance Bilderstrecke 

Bei der WM 2010 im eigenen Land gelang Endras der Durchbruch. Er, den die Mitspieler wegen seiner Reflexe „Hexer“ rufen, entnervte die Puckjäger der Topnationen reihenweise. Die Deutschen wurden sensationell Vierter. Nach sechzehn märchenhaft anmutenden Tagen im Mai wurde Endras als bislang einziger Deutscher in der WM-Historie zum „Wertvollsten Spieler des Turniers“ gewählt. Mit seinen Glanztaten entpuppte er sich zudem als Trendsetter. Als Endras 2008 in Augsburg in die erste Klasse aufstieg, waren einheimische Gesichter zwischen den Pfosten eines DEL-Klubs die Ausnahme. Heute setzen neun von 14 Vereinen auf eine deutsche Nummer eins.

Seine Mission in Mannheim geht er optimistisch an. An diesem Traditionsstandort, so sein Eindruck, habe sich der früher weit verbreitete Irrglaube, es sei damit getan, der Konkurrenz herausragende Solisten wegzukaufen und sie im Adler-Trikot gemeinsame Sache machen zu lassen, verflüchtigt: „Hier wissen inzwischen alle, es geht nur zusammen“, sagt er nach einer Vorbereitung, in der manche Ergebnisse noch verbesserungswürdig ausfielen, sich aber „ein toller Teamgeist entwickelte“, wie Endras findet.

„Hier fehlt es an nichts“

Auch deswegen traut er den Adlern, wenn es wirklich zählt, die nötige Klasse zu, um zu neuen Beutezügen anzusetzen. Die Voraussetzungen seien mit der modernen Trainingszentrum, der Arena, dem hohen Zuschauerzuspruch oder der vielfältigen Sponsorenlandschaft schließlich besser als anderswo: „Hier fehlt es an nichts.“ Jüngst mangelte es nur am Erfolg. Meister waren sie zuletzt 2007. Zumindest das, findet Endras, darf sich in den nächsten Monaten ruhig ändern.

Quelle: F.A.Z.

 

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