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Eishockey „Play-off-Bestie“ als Vorbild

 ·  Jason Young ist einer der entscheidenden Akteure im Play-off-Finale der DEL. Bei den Frankfurt Lions haben sie dem Frankokanadier nach 13 Toren in der Hauptrunde einen neuen Spitznamen gegeben: "Play-off-Bestie".

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Jason Young ist ein verschwiegener Typ. Wenn schon beim Vormittagstraining die ersten Fernsehteams ihre Kameras in der Frankfurter Eissporthalle aufbauen, wählt der bislang erfolgreichste Stürmer in der Meisterschaftsendrunde später lieber den Seitenausgang, um nicht Gefahr zu laufen, ein Interview geben zu müssen, sei es auch ein noch so kurzes.

Er sucht seine Ruhe, möchte sich vor allem konzentrieren "auf das Finish", wie er das vierte Wiedersehen mit den Berliner Eisbären an diesem Freitag (19.30 Uhr) nennt. Der 31 Jahre alte Frankokanadier gehört abseits des Rings zu den zurückhaltenden, gar schüchternen Vertretern seiner Zunft, was jeder nur schwer für möglich hält, wer ihn einmal im Ernstfall durch den Ring hat wirbeln sehen. In diesen Tagen der Entscheidung in der Deutschen Eishockey Liga mit ihm ins Gespräch zu kommen, ist noch eine Spur schwieriger als gewöhnlich, denn Young gibt wirklich nur ungern etwas Privates von sich preis. "Es gibt doch nichts zu sagen, solange die Sache nicht entschieden ist" - die "Sache" ist für ihn das Play-off-Finale, in dem die Lions momentan mit 2:1 Siegen vorne liegen und mit einem weiteren Erfolg über den Klub aus der Hauptstadt in den verbleibenden beiden Partien erstmals die Meisterschaft erringen können.

Erfolgsgarant mit unbändigen Einsatz

Wenn er den Helm und seine Schutzausrüstung abgenommen hat, verrät ein kurzer Blick auf Gesicht und Körper auf Anhieb, mit welcher Intensität er seinem Beruf nachgeht, daß er weder seine Gegenüber und schon gar nicht sich selbst schont: eine Narbe unter dem Auge zeugt vom Streifschuß eines Pucks, eine tiefe Schramme auf dem Unterarm ist jüngst Folge eines Stockschlags gewesen. Auch weil er von schweren Verletzungen in den vergangenen Monaten verschont blieb, ist er mit seinem unbändigen Einsatz einer der Erfolgsgaranten der Hessen in dieser sich für sie ständig spektakulärer entwickelnden Saison.

Sein Trainer, Rich Chernomaz, bezeichnet ihn als Paradebeispiel für die Moral, die das runderneuerte Löwen-Rudel auszeichne, das sich vom Abstiegskandidaten zum Meisterschaftsaspiranten mauserte: "Young ist nicht das größte Talent, aber einer, der bis zur letzten Minute alles gibt." In Frankfurt haben sie für ihn schon einen neuen Spitznamen erfunden: "Play-off-Monster", wie Chernomaz ihn taufte, erschien manchen Anhängern angesichts von 18 Punkten in 14 Spielen noch ein wenig zu zutraulich. Spätestens seit dem Halbfinale, als ihm in seinem bislang herausragendsten Auftritt beim 7:5 gegen Hamburg vier Punkte glückten, gilt er als "Play-off-Bestie". Schon von seinen 13 Toren in der Hauptrunde waren sechs sogenannte Gamewinner.

„Mit dem Kopf durch die Wand, wenn es sein muß"

"Er bringt eine Extraportion Siegeswillen mit", sagt Manager Lance Nethery über das fleißige Lieschen im Angriff, das sich anders als viele Gastarbeiter aus Übersee nicht zu schade ist, nach dem Training mit den deutschen Talenten Extraschichten zu absolvieren und morgens der erste in der Kabine ist, um für die Kollegen Kaffee aufzusetzen: "Er ist ein wahres Vorbild und geht mit dem Kopf durch die Wand, wenn es sein muß", meint Nethery. Überhaupt hat sich der Mann aus Quebec, seit er 1988 in Deutschland heimisch wurde, als Champion-Spieler bewiesen. 1998 wurde er gleich mit den Mannheimer Adlern Meister, dann schloß er sich den Kölner Haien an, mit denen er 2002 ebenfalls den Titel holte. Immer war in diesen Jahren Nethery sein Coach. "Wenn man sich kennt und sich vertraut, arbeitet man halt gerne zusammen", sagt Young.

Nur einmal kündigte er die Zusammenarbeit auf, als er nach der Meisterschaft mit Köln nach Ingolstadt wechselte. Mit Blick auf die eigene Bilanz durchaus erfolgreich (15 Tore, 16 Assists), gefiel es ihm in Bayern überhaupt nicht: "Als Aufsteiger haben die Panther als Saisonziel den zwölften Platz ausgegeben. Das bin ich nicht gewöhnt, denn ich spiele, um das Maximum anzustreben." Eine Haltung, die die Lions nach drei enttäuschenden Jahren gut gebrauchen konnten - und mit der sie weit gekommen sind.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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