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Eishockey-Nationalteam : Auf Hochglanz polieren

Machtvoller Bundestrainer: der Italo-Kanadier Pat Cortina Bild: dpa

Pat Cortinas Berufung zum Bundestrainer überraschte, weil er bis dahin nur regional Beachtung fand. An diesem Freitag (19.45 Uhr) gibt der Italo-Kanadier beim Deutschland-Cup sein Debüt - und verblüfft schon jetzt mit seinen Ideen.

          Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Zur Einstimmung auf die ersten gemeinsamen Tage hat Pat Cortina mit der deutschen Nationalmannschaft Gas gegeben: Ein Sponsor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hatte dem Team eine Flotte von Sportwagen zur Verfügung gestellt, mit der die Spieler und ihr neuer Coach am Donnerstag auf einem Münchner Verkehrsübungsplatz umherbrausten und ein Sicherheitstraining absolvierten.

          Das HochgeschwindigkeitsErlebnis erfüllte seinen Zweck: Blechschäden gab es keine; Gelegenheiten, Reaktionsvermögen und Risikobereitschaft auszutesten, dafür umso mehr. „Es hat Spaß gemacht“, fasste Cortina seine Eindrücke zusammen: „Es war eine gute Gelegenheit, uns in einem anderen Umfeld wieder ein bisschen besser kennenzulernen.“

          Der Achtundvierzigjährige gibt an diesem Freitag (19.45 Uhr gegen Kanada) beim Deutschland-Cup in der bayerischen Landeshauptstadt sein Debüt als Bundestrainer, die Veranstaltung hat für alle Beteiligten Testcharakter. Die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 ist das wirklich wichtige Ziel in diesem Winter. Noch ist die DEB-Auswahl für die Veranstaltung in Sotschi nicht qualifiziert. Dafür schnitt sie bei der Weltmeisterschaft als Zwölfter zu schlecht ab und muss im Februar nachsitzen.

          Für das Fiasko zog der Verband den damaligen Bundestrainer Jakob Kölliker zur Verantwortung und trennte sich nach nur zwölf gemeinsamen Monaten von dem Schweizer - ohne sofort einen geeigneten Ersatzmann benennen zu können. Erst nach wochenlangem Casting, der Gründung einer Findungskommission, der Absage der Wunschkandidaten Ralph Krueger (Edmonton Oilers) und Harold Kreis (Adler Mannheim) und 48 Stunden vor dem ersten Länderspiel der Saison in Österreich wurde sich der DEB mit Cortina einig: eine Lösung, die überraschte, weil das Wirken des Italo-Kanadiers bis dahin nur regional Beachtung fand.

          „Eine Ehre und eine Herausforderung“

          Pat Cortina lebt seit 2006 in Bayern. Den EHC München führte er vor zwei Jahren in die Deutsche Eishockey Liga (DEL): Den Klub, den er „eine Herzensangelegenheit“ nennt, wird er bis zum kommenden Sommer parallel betreuen. Erst dann konzentriert er sich ausschließlich auf seine Aufgaben beim Verband, die auch die Position des Sportdirektors einschließen.

          „Nicht einfach“, sagt der verheiratete Vater dreier Töchter, sei die Vielzahl der Funktionen, aber eben „auch eine Ehre und Herausforderung, sie alle zu meistern.“ Dass er in der Lage ist, mit überschaubaren Mitteln anständige Ergebnisse zu erzielen, demonstrierte er in den Eishockey-Entwicklungsländern Italien und Ungarn, die er immerhin an die internationale Zweitklassigkeit heranführte.

          Eishockey : Pat Cortina neuer Trainer

          So viel Macht wie Cortina, mit dem der DEB zunächst eine Zusammenarbeit bis 2015 vereinbarte, besaßen seine Vorgänger nicht. Auch galten Doppelfunktionen zuletzt als unmöglich, Interessenskonflikte und die zeitliche Belastung wurden als unüberbrückbare Hindernisse genannt.

          Uwe Krupp, der bewiesen hat, dass sich mit kontinuierlicher Jugendförderung Erfolge feiern lassen, entschied sich daraufhin lieber für den Job bei den Kölner Haien. Sein Abgang im Mai 2011, dem die Degradierung des Nationalmannschafts-Managers Franz Reindl folgte, stürzte den DEB in so arge Schwierigkeiten, dass Zugeständnisse notwendig wurden.

          Unterstützung von einem Expertenkreis

          Cortina soll das Aushängeschild des deutschen Eishockeys wieder auf Hochglanz polieren. Unterstützung verspricht er sich von einem Expertenkreis, den er an seine Seite berief: Der Schwede Niklas Sundblad ist dabei für die Defensive zuständig, der frühere Torwart Klaus Merk kümmert sich um die Keeper; und der einstige Erstliga-Stürmer Steffen Ziesche erstellt die Videoanalysen.

          Für den Deutschland-Cup kommt außerdem Clement Jodoin hinzu, der hauptberuflich als Assistenz-Coach bei den Montreal Canadiens sein Geld verdient, wegen des Streiks in der nordamerikanischen Profiliga aber nicht ausgelastet ist und beim Anruf seines Kumpels Cortina sofort zusagte.

          Kapitäne fehlen im deutschen Aufgebot

          Auch bei der Kader-Nominierung für das dreitägige Einladungsturnier, an dem noch die Schweiz, Kanada und die Slowakei teilnehmen, verblüfften Cortinas Ideen: Er berief nur zwölf Akteure aus dem letzten WM-Aufgebot und verzichtete auf Christoph Schubert (Hamburg Freezers), John Tripp (Kölner Haie) und André Rankel (Eisbären Berlin) - alle Kapitäne bei ihren Vereinen.

          Nicht dabei sind die momentan in der DEL beschäftigten NHL-Profis, obwohl mit ihnen in München auf Plakaten geworben wurde: Dennis Seidenberg, Alexander Sulzer und Marcel Goc fehlen aber aus privaten Gründen oder sind verletzt. Im Fall von Christian Ehrhoff war die Versicherungssumme, die dem Vernehmen nach bei 20.000 Euro lag, dem DEB am Ende zu teuer.

          Quelle: F.A.Z.

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