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Eishockey Mit Mut und Müdigkeit

 ·  Von Florida direkt nach Schweden: NHL-Profi Marcel Goc ist bei der WM der Anführer des deutschen Eishockeyteams. An diesem Sonntag gegen Lettland will er hellwach ans Werk gehen.

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© dpa Teamleader mit NHL-Erfahrung: Marcel Goc

Die erste Herausforderung ist bestanden: Den Jetlag hat Marcel Goc besiegt. Nur ein Tag war dem Achtundzwanzigjährigen geblieben, um den Zeitzonenwechsel von der amerikanischen Golfküste an die schwedische Ostsee einigermaßen zu verkraften, dann musste er schon die Schlittschuhe schnüren. Goc erledigte seinen Auftrag, die deutsche Eishockeynationalmannschaft in ihrem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft als Kapitän anzuführen, anständig. Eine treibende Kraft war er aber noch nicht. Konnte er, nach den vorherigen Strapazen, dem dreizehnstündigen Flug und einer Trainingseinheit, die ihm geblieben war, um sich zu akklimatisieren und mit den Kollegen einzustimmen, aber auch gar nicht sein.

Luft nach oben, räumte Goc nach dem 3:0 gegen Italien unumwunden ein, sei vorhanden. Die Premierenleistung von sich und seinen Nebenleuten, die ungewohnt früh um 12.15 Uhr in einem fast leeren Stadion anzutreten hatten, sei kein verlässlicher Indikator, was dieses Turnier noch bringen könne: „Wir müssen aufpassen, dass die Erwartungen nicht zu hoch werden, aber ein guter Start ist schon wichtig und macht einiges einfacher.“

2010 hatte Goc, der als Angreifer seit neun Jahren sein Geld in Nordamerika verdient, zuletzt mitgeholfen, den Eishockey-Ruhm des Vaterlandes zu mehren. In Köln stießen die Deutschen bei der Heim-WM sensationell bis ins Halbfinale vor. Schon seinerzeit, so lobte sein Sturmpartner Christoph Ullmann heute, „hat er uns sehr geholfen. Er ist sehr wichtig für uns. Ein toller Typ.“ Goc ist auf jeden Fall der prominenteste Akteur in einer Ansammlung vieler Novizen ohne weitreichende internationale Erfahrung.

Bundestrainer Jakob Kölliker musste vor seinem ersten Turnier als Chef hinter der deutschen Bande allerhand Absagen hinnehmen, gerade von Übersee-Stars: Dennis Seidenberg (Boston Bruins), Marco Sturm (Florida Panthers), Alexander Sulzer und Christian Ehrhoff (beide Buffalo Sabres) standen angeschlagen nicht zur Verfügung, wie auch viele Kandidaten des deutschen Meisters Berlin. Wie bitte soll der Weltranglisten-Achte da mit den Großen der Zunft mithalten können? Goc sagt, das geht: „Wenn wir mit Geduld auf unsere Chance warten und kämpfen.“ Er selbst will eine bewegte Saison in Stockholm um ein paar „gute Ergebnisse“ und das schöne Erlebnis bereichern, mal wieder mit seinem Bruder Niki Goc, der für Mannheim verteidigt, gemeinsame Sache machen zu können.

Im Stanley Cup ausgeschieden

Mit den Florida Panthers, für die er seit zwölf Monaten stürmt, und trotz einer Gehirnerschütterung im Winter, die ihn zwei Monaten zum Aussetzen zwang, in 57 Saisonpartien elf Tore und 16 Vorlagen erzielte, ist er im Kampf um den Stanley Cup in der ersten Runde ausgeschieden. Da kam die Bitte Köllikers, ob er Lust auf die freiwillige Zusatzschicht in Skandinavien habe und mit seiner Erfahrung weiterhelfen könne, recht: „Für mich ist das keine Frage, wenn ich dabei sein kann, dann immer“, sagt der gebürtige Schwarzwälder, „dann ist auch die Enttäuschung der NHL schneller vergessen.“

Der Bundestrainer, dem in der Analyse des Erfolgs über die Italiener vor allem leichte Puckverluste gegen Ende missfallen hatten, klang mit dem Abstand von einer Nacht zum Geschehen versöhnlicher und machte keinen Hehl daraus, an wem sich die Mannschaft bei den kommenden Prüfungen orientieren solle: Marcel Goc. „Er ist ein Teamleader“, hob Kölliker hervor, „er wird hier noch seine Rolle spielen.“ Die nächste Gelegenheit besteht an diesem Sonntag, wenn es gegen Lettland (20.15 Uhr) geht. Ein weiterer Sieg wäre für das Erreichen des Viertelfinals, das die Qualifikation für Olympia 2014 bescheren würde, äußerst dienlich. Goc will sich hellwach ans Werk machen. Am freien Samstag schlief er sich aus.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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