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Eishockey Mit einem Freifahrtschein nach Moskau

 ·  Uwe Krupp bleibt Trainer der Eishockey-Nationalmannschaft. Er einigte sich mit dem Verband auf eine „unbefristete Zusammenarbeit“ - und pendelt weiterhin aus Atlanta zur Arbeit nach Deutschland. Seinen jungen Spieler traut er bei der kommenden WM viel zu.

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Auf dem Bonusmeilenkonto von Uwe Krupp werden auch künftig fleißig Umsätze gemacht. Der Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hat sich entschieden, seinen Job auf absehbare Zeit als Pendler fortzusetzen. Der gebürtige Kölner, der seit zwanzig Jahren in den Vereinigten Staaten seßhaft geworden ist, bleibt mit Frau und Sohn in Atlanta leben und dennoch dem Deutschen Eishockey Bund (DEB) treu.

Wie der Einundvierzigjährige am Sonntag nach dem überzeugenden 3:1-Testspielsieg (1:0, 1:1, 1:0) gegen die Slowakei in Mannheim bekannt gab, einigte er sich mit dem Verband auf eine „unbefristete Zusammenarbeit“ die auch die Betreuung der Junioren-Auswahlteams umfaßt. Geht es nach DEB-Sportdirektor Franz Reindl, der auf den Novizen an der Bande spätestens seit dem Wiederaufstieg in den Kreis der sechzehn besten Nationen im April große Stücke hält, könnten beide Parteien gerne bis zur Weltmeisterschaft in vier Jahren im eigenen Land gemeinsame Sache machen. Soweit in die Zukunft wollte Krupp im Kabinengang der SAP-Arena (noch) nicht blicken. „Wir werden es locker handhaben“, kündigte er an, „wenn ich merke, daß es mit mir nicht mehr läuft, ziehe ich mich jederzeit auch gerne in die zweite Reihe zurück und kümmere mich ausschließlich um den Nachwuchs.“

Verhaltener Optimismus

Rund acht Flugstunden trennen ihn seit der Amtsübernahme vor neun Monaten von seinem Lebensmittelpunkt auf der einen und seinem Arbeitsplatz auf der anderen Seite des Atlantiks - auch für Krupp „kein Katzensprung“, aber eine Distanz, die sich auch mit Hilfe „moderner Kommunikationsmittel problemlos überwinden läßt“. Bis zum Deutschland-Cup Anfang November in Hannover wird er sich von seinem Assistenten Ernst Höfner über die Geschehnisse in der Deutschen Eishockey Liga mit Videoaufzeichnungen unterrichten lassen. Dazu kommen zwei anderthalbwöchige Stippvisiten, in denen er selbst die Form seiner Auswahlspieler in jeweils bis zu acht Partien in Augenschein nehmen möchte. Momentan ist ihm mit Blick auf die kommende A-WM in Moskau nicht bange. „Der Blick geht nach oben, es ist vorsichtiger Optimismus angesagt“ (Siehe auch: Uwe Krupp im Interview: „Wir glauben wieder an uns“).

Bei der Rückkehr in den Kreis der Besten setzt er auch auf High-Tech. Erstmals trugen seine Spieler gegen die Slowaken Pulsmesser, die während der Begegnung ihre Herzfrequenzen sendeten. Die Daten empfing Jens Geist, sportwissenschaftlicher Berater des Olympiastützpunkts München, auf einem Computer. Anhand der einprogrammierten aktuellen Leistungswerte konnte er individuell erkennen, für welchen Crack die aktuelle Belastung zu hoch war. „Per Walkie-talkie sagte ich den Trainern: Laßt ihn mal vier Minuten draußen“, berichtete Geist, der die Nationalmannschaft bereits im Trainingslager im Sommer in Füssen betreute.

Puls von 193

Während der Übungseinheiten die Belastung der Spieler zu messen und sie anschließend auszuwerten, ist in vielen Sportarten verbreitet - so auch in der Vorbereitung der Fußball-WM durch Jürgen Klinsmann. „Im Spiel ist das neu, weil erstmals die Werte online sofort zur Verfügung stehen“, schilderte Geist. Die Methode will Krupp auch bei den kommenden Turnieren sowie bei der A-WM in Moskau (27. April bis 13. Mai) anwenden. „Bei zwei, drei Spielern mußten wir aufpassen, um sie gesund über das zweite Drittel zu bringen“, erzählte Geist. Den höchsten Wert erzielte ausgerechnet ein Torwart: Der Iserlohner Dimitri Kotschnew brachte es in der Schlußphase auf einen Puls von 193.

Auf die technischen Hilfsmittel alleine will sich Krupp auf dem Weg zurück in den Kreis der Großen aber nicht verlassen. Schweißtreibende Extraschichten sollen die konditionellen Grundlagen für den Klassenverbleib beim Turnier in der russischen Hauptstadt schaffen. „Schon im Sommer haben die Spieler knüppelhart gearbeitet, die Konditionswerte sind durch die Bank deutlich besser“, sagte der Bundestrainer: „Es freut mich, daß sie heute dafür belohnt worden sind.“

Gegen den Weltmeister von 2002, der ohne seine NHL-Stars antrat, machte sich die körperliche Fitness bemerkbar. Nach dem frühen 1:0 durch den Berliner Christoph Gawlik (3. Minute) brachte der Ausgleich durch Vladimir Dravecky (33.) die DEB-Auswahl nur kurz aus dem Rhythmus. Im Schlußdrittel schossen der Hannoveraner Sascha Goc (44.) und der Kölner Philip Gogulla (52.) den Sieg endgültig heraus.
Der erste Härtetest nach dem Sieg bei der B-WM in Frankreich brachte Krupp auch die Erkenntnis, daß der Abstand zu den Top-Nationen nicht so groß ist. „Ich gehe davon aus, daß wir genauso gut spielen können wie sie“, meinte Krupp: „Wir haben mit dem Aufstieg den ersten Schritt gemacht. Das hat uns geholfen, an uns zu glauben, damit wir auch ein enges Spiel gewinnen können.“

Quelle: @mah; FAZ.NET vom 4. September 2006
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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