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Eishockey-Kommentar Jede Menge Hilferufe

28.07.2010 ·  Liebe Fans, kauft Dauerkarten! Liebe Sponsoren, bucht Bandenwerbung! Deutsche Eishockeyklubs haben die Mitleid-Strategie entdeckt. Fällt noch jemand darauf herein?

Von Volker Stumpe
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Man kennt die Mechanismen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mittlerweile zur Genüge. Sie funktionieren so: Geht es einem Klub schlecht, und es geht ziemlich vielen Klubs ziemlich schlecht, richtet er einen ersten Hilferuf an die Öffentlichkeit, in der Hoffnung, dass der damit erzeugte Druck ein wenig Mitleid errege und womöglich ein wenig Geld in die leeren Kassen bringen möge. Geht es dem Klub wenig später immer noch nicht wesentlich besser, sende man einen nächsten, aber dramatischeren Hilferuf und erhöhe damit ganz sanft den Druck. Weckt auch dies nicht genügend Interesse der Sponsoren, dann jage man allen ordentlich Angst ein und drohe am besten mit dem Aus – in der Hoffnung, doch noch auf den letzten Drücker einen Gönner finden zu können. Kein Scherz, so funktioniert das manchmal in der DEL.

In den vergangenen Wochen waren die Frankfurt Lions das beste Beispiel für diese penetrante Mitleid-Taktik. Doch sie ging nicht auf. Es gab jede Menge Hilferufe – doch kein einziger Sponsor zückte sein Portemonnaie. Da akzeptierten die verschuldeten Hessen den Lizenzentzug und beendeten das Kapitel Profi-Eishockey. Das war zwar hart für Trainer, Spieler und Fans. Aber es war konsequent. Wir konnten die Hilferufe schon nicht mehr hören, und jetzt ist wenigstens Ruhe.

Helft, sonst ist Schluss mit Eishockey!

Derzeit kämpfen die Hannover Scorpions – der deutsche Meister – ums Überleben in der DEL. Dieser Klub ist wirklich ein komplizierter Fall, denn er ist irgendwie zwischen die Fronten geraten. Scorpions-Chef Günter Papenburg, ein vermögender Bauunternehmer, ist gleichzeitig Besitzer der Tui-Arena, in der die Scorpions (vor viel zu wenigen Fans) aufs Eis gehen.

Und die ganze Sache wird Papenburg allmählich zu teuer. Deshalb fordert er, dass sich das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover als Eigner der Deutsche Messe AG an einer Betreibergesellschaft für die Mehrzweckhalle beteiligen. Die zieren sich noch, wofür sie ihre Gründe haben werden. Also machte Papenburg in der vergangenen Woche ernst und drohte: Hilfe, es geht uns schlecht! Helft, sonst ist Schluss mit Eishockey! Man kennt dieses Spiel.

Kauft Dauerkarten! Bucht Bandenwerbung!

Ohne ihren Gönner, und viele Vereine in der DEL sind in höchstem Maße von sportverrückten, spendablen Menschen abhängig, hätten die Hannover Scorpions die vergangenen Jahre vermutlich nicht überlebt. Jetzt wollen sie mal schauen, ob es denn nicht vielleicht auch ohne ihn gehen könnte. Höchste Zeit also für einen nächsten Hilferuf. Den (man hat es ja kommen sehen!) sandte Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth am Dienstag.

„Der deutsche Meister kämpft um seine Existenz und ist jetzt auf die Hilfe aller Fans und Freunde angewiesen“, ist auf der Homepage zu lesen. Also, liebe Eishockeyfans in und um Hannover, zögert nicht und kauft fleißig Dauerkarten! Liebe Sponsoren, bucht Bandenwerbung, sonst könnte es bald schon zu spät sein! Wir sind schon ganz gespannt, ob es der letzte Hilferuf war – siehe oben.

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