23.07.2010 · Bei der Eishockey-WM betrieb das deutsche Team beste Werbung. Doch die nationale Liga gibt derzeit ein desaströses Bild ab. Frankfurt gab schon auf, Kassel kämpft noch, nun droht auch Meister Hannover das Aus. Die Probleme sind immens. Die DEL ist längst gescheitert, sie gibt es nur nicht zu.
Von Volker StumpeFrankfurt Lions, 1991 – 2010. Möge die Sportart in Frieden ruhen. An diesem Sonntag nehmen sie in Frankfurt Abschied vom Eishockey. Die Fans werden sich ein letztes Mal in ihrer Eissporthalle treffen und mitten in den Stehrängen eine Gedenktafel anbringen. Vor knapp drei Wochen gaben die Löwen, die 1994 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gehörten und 2004 Meister wurden, auf. Sie akzeptierten den Lizenzentzug. Die Macher, die 2008 angetreten waren, den verschuldeten Klub zu retten, kamen zur Erkenntnis, dass die Sportart in Frankfurt nicht finanzierbar ist. Es waren keine Sponsoren mehr aufzutreiben.
Doch Frankfurt ist kein Einzelfall. Die DEL gibt ein desaströses Bild ab. Und das in dem Jahr, in dem die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land einen überragenden vierten Platz belegt und eigentlich beste Werbung für die Sportart gemacht hat.
Um die Kassel Huskies gibt es ein Hauen und Stechen. Auch den Nordhessen wurde die Lizenz verweigert. Doch der aufmüpfige Verein kämpft seit Wochen erfolgreich vor Gericht und wird sich – so scheint es – in die DEL einklagen. Am Donnerstag nun musste sogar der aktuelle Meister, Hannover Scorpions, mitteilen, dass er kurz vor dem Aus steht. Dieser Fall ist zwar ein Spezialfall. Die Scorpions sind ein in Hannover nie so recht akzeptierter Retortenklub; der Zweitligaverein, Indians genannt, ist ungleich beliebter.
Deutschland ist offenbar kein Eishockey-Land
Doch wie so viele andere DEL-Klubs auch hingen die Scorpions am finanziellen Tropf eines Gönners. Doch nun will Eigentümer Günter Papenburg, der gleichzeitig Besitzer der TUI-Arena ist, nicht mehr blechen. Fest steht: Die Sportart kann sich nicht aus sich selbst heraus finanzieren. Was den Schluss zulässt, dass die DEL eine Fehlkonstruktion ist und eines Tages wie ein Kartenhaus zusammenbrechen muss.
Die Probleme sind seit langer Zeit bekannt. Daher kam es seit Gründung der DEL schon zu etlichen Änderungen des Spielmodus. Attraktiver wurde die Sache dadurch nicht, nur unverständlicher. Der aufgeblähte Spielplan, der nötig ist, um entsprechende Zuschauereinnahmen zu generieren, führt zu unendlich vielen langweiligen und unbedeutenden Begegnungen. Und es gibt keine Stars, seit Jahren nicht. Kein Wunder also, dass Eishockey fast ganz aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen verschwunden ist und ein Schattendasein im Pay-TV fristet.
Für potentielle Sponsoren gibt es bei so wenig medialer Präsenz kaum noch Gründe, in Eishockey zu investieren. Und wenn jetzt selbst der deutsche Meister von der Bildfläche verschwinden sollte, dann spricht dies Bände. Deutschland ist offenbar kein Eishockey-Land. Die Klubs wurschteln sich durch. Und so wird es weiter gehen – bis der nächste Kandidat zu seiner eigenen Beerdigung bittet. Die DEL ist längst gescheitert, sie gibt es nur nicht zu.
Volker Stumpe Jahrgang 1962, zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge