Seine Eishockeykarriere begann Marco Sturm 1996 in der deutschen Eishockey Liga (DEL) beim EV Landshut. Bereits zwölf Monate später wechselte er zu den San Jose Sharks, ehe er im Dezember des vergangenen Jahres zu den Boston Bruins transferiert wurde. Obwohl er mit seinem neuen Klub die Play-offs in der NHL verpaßte, liegt hinter dem 27jährigen persönlich eine sehr zufriedenstellende Saison mit 29 Toren und 30 Vorlagen. Im französischen Amiens bei der B-WM soll er die junge deutsche Nationalmannschaft zum Wiederaufstieg führen. In den ersten beiden Begegnungen gelangen ihm drei Treffer.
Bis Mitte April haben Sie noch in der stärksten Liga der Welt gespielt, und im Augenblick müssen Sie sich in der zweiten Liga des internationalen Eishockeys behaupten. Wie schwer fällt Ihnen die Umstellung?
Ach, es paßt schon. Mein Job ist es, mitzuhelfen, daß wir wieder in die A-Gruppe aufsteigen. Denn ich denke, daß Deutschland nicht in die B-Klasse gehört. Das ist alles. Natürlich wissen die Gegenspieler, daß ich viele Tore in der NHL geschossen habe, entsprechend motiviert gehen sie auch zur Sache. Damit habe ich aber keine Schwierigkeiten, solange es nicht gezielt unfair wird.
Die ersten Gruppengegner hießen Israel und Japan nun kommen noch Großbritannien, Ungarn und Frankreich. Wieviel Spieler aus diesen Mannschaften kennen Sie?
Nicht einen! (lacht) Wir sind doch selber schuld, daß wir jetzt gegen diese Teams spielen und nicht gegen Rußland, Amerika oder Kanada. Wir sind uns einig: Im nächsten Jahr sollen das wieder unsere Gegner sein. Dafür müssen wir hier in Amiens alles geben. Ich denke, daß wir berechtigte Aufstiegschancen haben und daß das letzte Gruppenspiel gegen Frankreich am Sonntag das entscheidende wird.
Die Begleitumstände bei diesem Turnier - die Eishalle liegt unmittelbar neben einem Schwimmbad, die Kabinen sind winzig, die Unterkünfte allenfalls drittklassig und auch der Zuschauerzuspruch hält sich in Grenzen - sind für einen erfahrenen Profi aber doch gewöhnungsbedürftig, oder?
O.k., es ginge besser, das Eis ist ab dem zweiten Drittel so schlecht und weich wie auf einem zugefrorenen Weiher und man bräuchte am besten Schneeschuhe, um voran zu kommen. Unsere Zimmer sind ein wenig eng und wenn ich meinen Mitspielern in Amerika erzähle, in was für einem Hotel wir untergebracht sind, werden sie es garantiert nicht glauben. Aber die Bedingungen sind für alle gleich.
Seit einem halben Jahr ist Uwe Krupp Bundestrainer. Ist er derjenige, der dem deutschen Eishockey international eine erstklassige Perspektive aufzeigen kann?
Absolut. Für mich ist er der Mann der Zukunft. Ich kenne Uwe Krupp seit langem und gut. Gemeinsam waren wir vor acht Jahren bei Olympia in Nagano. Er kennt sich im Eishockey perfekt aus, hat als Spieler alles erlebt und viel Erfahrung. Die kann er an unsere jungen Spieler, von denen ich selbst bis Anfang der Woche auch nicht alle kannte, weitergeben.
Seit 1997 sind die Vereinigten Staaten Ihr Zuhause. Fühlen Sie sich schon als halber Amerikaner?
Nein, ich bin und bleibe Bayer. Auch nach der B-WM fahre ich mit meiner Familie in unser Haus nach Landshut, denn meine Frau bekommt im Juni unser zweites Kind und es soll natürlich in Bayern zur Welt kommen! (lacht) Aber im Rückblick kann ich sagen, es war der richtige Schritt, als junger Spieler in die NHL zu wechseln. In San Jose, meiner ersten Station, habe ich mich sehr wohl gefühlt. Dieser Klub war optimal, um in Amerika als Sportler Fuß zu fassen. Ich war fast acht Jahre in San Jose und habe das kalifornische Leben schätzen gelernt. Wenn du fast täglich in der Sonne bist, fühlst du dich einfach besser. Seit dieser Saison spiele ich in Boston an der Ostküste - und es ist auch schön. Nur anders. Es ist eine absolute Sportstadt. Nun ist auch unser Umzug abgeschlossen und ich freue mich schon auf die Rückkehr im Herbst, weil ich merke, wie mich der Wechsel auch sportlich weitergebracht hat.
Vermissen Sie manchmal Ihre Heimat?
Ja. Vor allem das Essen, obwohl meine Frau so oft es geht typisch bayrisch kocht. Aber wenn ich jetzt wieder zu Besuch nach Bayern komme, gibt es von meiner Oma immer etwas Leckeres. Wenn ich möchte jeden Tag.