Home
http://www.faz.net/-gub-t4du
Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eishockey „In Frankfurt muß eine Arena her“

 ·  Michael Hackert gehört zu den besten einheimischen Spielern in der DEL. Die Frankfurt Lions haben ihn in der vergangenen Saison, in der die Endrunde verpaßt wurde, schmerzlich vermißt. Nun ist er wieder gesund - und spricht im Interview über Ziele und Visionen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Michael Hackert gehört zu den besten einheimischen Spielern in der DEL. Die Frankfurt Lions haben ihn in der vergangenen Saison, in der die Endrunde verpaßt wurde, schmerzlich vermißt. Nun ist er wieder gesund - und spricht im Interview über Ziele und Visionen.

Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Besser, eigentlich sogar viel besser. Ich kann wieder schmerzfrei trainieren. In den vergangenen Monaten hatte ich ja eigentlich immer irgendwo Probleme. Vor allem das Knie machte mir zu schaffen, nachdem ich mir das rechte Schien- und Wadenbein im März letzten Jahres gebrochen hatte. Dazu hatte sich dann noch das Gewebe um den Nagel entzündet, und außerdem gab es ja noch den Kieferbruch im Februar. In diesem Sommer war ich schon viermal zu Operationen im Krankenhaus, um mir immer irgendwelche Drähte und Schrauben entfernen zu lassen. Dabei wurden auch noch ein Meniskusschaden behoben und Teile des Innen- und Außenbandes rausgenommen. Aber das ist Vergangenheit, der Blick geht nach vorne. Und ich fühle mich gut.

Durch Ihr Verletzungspech konnten Sie sich bei den Red Wings in der NHL nicht durchsetzen, Sie waren beim Wiederaufstieg der Nationalmannschaft in die A-Gruppe nicht mit dabei, und Sie fehlten bei den entscheidenden Spielen, in denen die Frankfurt Lions die Play-off-Teilnahme verspielten. Sehen Sie Chancen, daß die kommende Saison besser wird?

Noch so ein Seuchenjahr kann es eigentlich nicht werden. Körperlich bin ich noch längst nicht wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich einmal war. Vor gar nicht allzu langer Zeit ähnelte mein rechtes Bein, das ich wegen der vielen Eingriffe kaum belasten konnte, einem abgenagten Hühnerbein: Alle Muskeln schienen verschwunden! Aber ich arbeite mich langsam wieder heran. Zuletzt habe ich viel Krafttraining gemacht, und beim Auftakt des Nationalmannschaftslehrgangs in Füssen stand ich erstmals seit fast einem halben Jahr wieder auf Schlittschuhen. Ein schönes Gefühl. Jetzt weiß ich, was mir gefehlt hat.

Hat sich das Thema NHL nach dem Intermezzo in Detroit für Sie ein für allemal erledigt?

Es verbietet sich, in meiner jetzigen Situation über solche Ziele zu reden. Natürlich ist der Traum noch da. Erstmal muß ich mir aber wieder bei den Lions einen Stammplatz erarbeiten. Und wenn ich dann die kommende Zeit anhaltend erfolgreich und auf hohem Niveau spiele, geht möglicherweise irgendwo noch einmal ein Türchen auf.

Wie sieht Sommertraining für einen Eishockeyprofi aus?

Zunächst versucht man, das Gefühl fürs Eis wieder in die Füße zu bekommen, den Stock und den Puck wieder richtig zu behandeln. Außerdem wird viel Wert auf Konditionseinheiten gelegt. Intensive Taktikschulungen kommen erst hinzu, wenn die Spiele näher rücken.

Stimmt der Spruch: "Meistermannschaften werden im Sommer gemacht"?

Da ist viel Wahres dran. Doch andererseits gibt es viele Trainingsweltmeister, die, wenn es darauf ankommt, nichts zustande bringen. Einen Aspekt, den man im Eishockey mit seinen vielen Spielen in kurzer Zeit nicht vergessen darf, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl in einem Team. Stimmt die Chemie, geht vieles leichter. Das haben wir 2004 im Meisterjahr bei den Lions erlebt.

Ist es angenehm, bei der aktuellen Hitze in einer Eishalle zu trainieren, was ja zumindest Kühlung von unten verspricht, oder ist die Luft so warm, daß man durch die kompakte Montur nur noch mehr schwitzt als ohnehin üblich?

Hier in Füssen ist die Eishalle perfekt isoliert. Dadurch ist es kühl und richtig angenehm, man muß fast aufpassen, daß man sich nach dem Duschen mit nassen Haaren nicht erkältet. Doch ich erinnere mich an ein Trainingscamp mit den Lions in der offenen Halle in Bad Nauheim, das war eine Tortur: Die Luft hatte gefühlte sechzig Grad, und schon beim Binden der Schlittschuhe lief der Schweiß in Strömen. Wir ziehen im Moment die gleiche dicke Ausrüstung wie im Winter an - und alles, vor allem aber die Handschuhe, ist hinterher klatschnaß. Zum Glück werden wir bestens mit Getränken versorgt.

Sie trainieren in dieser Woche erstmals unter dem neuen Bundestrainer Uwe Krupp. Ihre Eindrücke?

Er macht einen guten Job, das hat man ja schon mit dem ersten Platz bei der B-WM gesehen. Er besitzt eine unglaubliche Ausstrahlung, seine vielen neuen Trainingsmethoden machen Spaß, er engt uns Spieler aber nicht ein, schenkt uns Vertrauen. Ich glaube, so ähnlich hat Jürgen Klinsmann auch die Fußball-Nationalelf geführt. Als ich verletzt war, hat er immer per Telefon Kontakt gehalten. Ich hoffe, wenn er im Herbst den Kader für den Deutschland-Cup nominiert, bin ich dabei.

Wann kehren Sie nach Frankfurt zurück, wann wird es bei den Lions wieder ernst?

Alle deutschen Spieler treffen sich am 28. Juli für fünf Tage zu einem Kurztrainingslager in Ulm. Danach fahren wir zur Vorbereitung mit der gesamten Mannschaft für fast zwei Wochen nach Cavalese in Südtirol.

Welche Ziele haben sich die Lions in dieser Saison gesetzt?

Wir wollen neuen Schwung reinbringen und uns frühzeitig für die Play-offs qualifizieren. Neben Berlin, Düsseldorf und Mannheim dürfen wir uns wohl zu den Titelkandidaten zählen.

Wieder einmal fand eine personelle Runderneuerung statt, fast der halbe Kader wurde ausgetauscht.

Die Mischung stimmt. Sicher ist dadurch auch Unruhe aufgekommen, doch der Verein mußte nach den Mißerfolgen reagieren und den Konkurrenzkampf neu beleben. Eishockey ist nun einmal zu einem schnellebigen Tagesgeschäft geworden, das muß ein Profi akzeptieren. Viele Spieler haben auch bei den Lions nur noch Arbeitsverträge über ein Jahr. Dadurch hat der einzelne zwar keine langfristige Zukunftssicherheit mehr. Doch durch Leistung auf dem Eis kann jeder seinen Marktwert steigern und entsprechend selbstbewußt in neun Monaten in neue Vertragsverhandlungen gehen. Das ist auch mein Ziel.

Vor etwas mehr als zwei Jahren sind die Lions überraschend Meister geworden. Einen richtigen Schub für das Eishockey in dieser Stadt hat der Titel aber nicht gebracht, oder täuscht der Eindruck?

Was der Verein braucht, ist doch klar: Auch hier muß eine moderne Arena her. Ich verstehe als Spieler auch nicht, warum schon ewig von einem Neubau die Rede ist, aber sich dann doch immer wieder nichts tut. Fakt ist: In allen Städten, die einen Superdome bekommen haben, brummt es. Und ich bin mir sicher, dann gäbe es auch in Frankfurt einen Boom. Momentan haben wir einen Kern von über 5000 Fans, die uns immer die Treue halten, in guten wie in schlechten Tagen. Das gibt es nicht so oft in der DEL. Wollen wir aber mehr Anhänger für Eishockey begeistern, brauchen wir neuen Erfolg und eine neues Stadion.

Das Gespräch führte Marc Heinrich.

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Malocher unter dem Korb

Von Anno Hecker

Die Provinz hat der Metropole den Rang abgelaufen: Harte Arbeit hat den Basketball in Deutschland vorangebracht - nicht nur bei Meister Bamberg. Doch gerade Nachwuchsspieler werden manchmal zu schnell hochgejubelt. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik