19.12.2008 · Schwache WM, Rücktritt des Präsidenten, Zuschauerrückgang und vor allem die Causa des Dopingtest-Verweigerers Busch - der Ruf des deutschen Eishockeys hat gelitten. Nun gilt es, die Schäden zu reparieren. Das wird aber nicht so leicht.
Von Marc Heinrich, HamburgEs gab schon bessere Jahre für das deutsche Eishockey als das nun zu Ende gehende. In den vergangenen Monaten hatte die Sportart, die hierzulande von den Protagonisten gerne als zweite Kraft hinter König Fußball betrachtet wird, mit vielen Problemen zu kämpfen: eine unrühmlich verlaufene Weltmeisterschaft, der Rücktritt von Hans-Ulrich Esken, dem Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), ein spürbarer Zuschauerrückgang in der ersten Liga und zuletzt die sich schier endlos hinziehende Causa des Dopingtest-Verweigerers Florian Busch - das vermeintlich schöne Selbstbild erlitt durch eigenes Verschulden mehr als einen Kratzer. Und doch überwog bei Uwe Krupp nach der bislang turbulentesten Zeit in seiner mittlerweile dreijährigen Amtsführung ein „positives Gefühl“.
Daran änderte für den notorischen Optimisten zum Ausklang der Nationalmannschaftssaison auch die 1:2-Niederlage der von ihm betreuten DEB-Auswahl gegen die Schweiz nichts. Duri Camichel (62. Minute) erzielte am Mittwoch in Hamburg in der Overtime den entscheidenden Treffer für die Eidgenossen. Zuvor hatte vor 6000 Zuschauern Lokalmatador John Tripp (33.) die von Goran Bezina (26.) erzielte Führung des Gegners ausgeglichen. Durch den Misserfolg verpatzten die Deutschen die Generalprobe für die Olympia-Qualifikation.
„Seid bereit, hart für unsere Ziele zu arbeiten“
Anfang Februar muss der Bundestrainer mit seinen Leuten nun in Hannover das Viererturnier gegen Japan, Österreich und Slowenien gewinnen, um das Ticket für Vancouver zu lösen - das hat sie sich durch den mangelhaften Auftritt bei der WM selbst eingebrockt. „Es liegen große Herausforderungen vor uns“, sagte der Trainer und hatte dabei zudem die Titelkämpfe im eigenen Land 2010 im Blick.
Der ehemalige Stanley-Cup-Gewinner gab seinen Profis zum Abschied bis zum Wiedersehen in knapp zwei Monaten eine vorgezogene Neujahrsbotschaft mit auf den Weg: „Seid bereit, hart für unsere Ziele zu arbeiten, dann können wir es schaffen“, sagte Krupp, „wenn wir aber nicht unser bestes Eishockey spielen, stehen unsere Chancen nicht sehr gut.“ Für den Coach war der Kehraus gegen die Schweiz ein Test unter erschwerten Bedingungen. Weil die Deutsche Eishockey Liga für Dienstag und Donnerstag Spiele angesetzt hatte, standen Krupp nicht alle Stammspieler zur Verfügung.
Aufregung um Busch hinterlässt bei allen Spuren
Auch der Berliner Busch fehlte. „Damit müssen wir leben“, sagte Krupp, der sich zwar insgeheim ärgert über den geringen Stellenwert, den die Klubs trotz immer wieder anderslautender Verlautbarungen der Nationalmannschaft beimessen, aber darüber keine Debatte mehr anzetteln möchte. Zumindest öffentlich. Krupp wünscht sich, dass die nahe Zukunft für sich und seine Spieler harmonischer verläuft als die jüngste Vergangenheit. Vor allem die Aufregung um Busch hinterließ bei allen Beteiligten Spuren.
Das zuständige DEB-Gremium hatte gegen den Stürmer der Eisbären, der eine Dopingkontrolle zunächst verweigert und wenig später nachgeholt hatte, nur eine Verwarnung, eine Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit verhängt. Dagegen protestierte die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) und schaltete das Bundesinnenministerium ein. Seit dem Urteil des Ad-hoc-Schiedsgerichts des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Anfang Dezember schien der Fall endgültig erledigt. Busch konnte nicht gesperrt werden, weil er keine Athletenvereinbarung unterschrieben und der Verband den Nada-Code nicht in seine Statuten aufgenommen hatte.
Knapp 200 Kontrollen bei 224 deutschen Kaderathleten
Doch am Donnerstag kam neue Bewegung in die Sache: Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) will den Sachverhalt jetzt vom Internationalen Sportschiedsgerichtshof geklärt wissen, kündigte Wada-Sprecher Frédéric Donzé an. Aus der Blamage und dem Fehlverhalten zog der DEB, nicht zuletzt auf vehementen Druck der Berliner Politik, Konsequenzen. „Wir müssen für unsere Versäumnisse geradestehen“, betonte der neue DEB-Präsident Uwe Harnos.
Ihm ist bekannt, dass das deutsche Eishockey auch im erstmals angefertigten Jahresdopingbericht, den der DOSB fürs Bundesinnenministerium erstellte, alles andere als gut wegkommt. Die 224 deutschen Kaderathleten wurden im vergangenen Jahr knapp 200 Mal überprüft; hinzu kommen lediglich hundert Wettkampfkontrollen in der DEL, deren Vorrunde allein 52 Spieltage umfasst - eine konsequente Überwachung sieht anders aus.
Der Verband muss 128.000 Euro Fördermittel abschreiben
Der DEB will mit dem Thema künftig „sensibler umgehen“, wie es Harnos nannte, auch weil Ende Oktober der Zweitliga-Torwart Patrick Koslow (Bietigheim) positiv getestet wurde. Seit Herbst kümmert sich deswegen der frühere Nationalmannschaftsmanager Eckhard Schindler als Anti-Doping-Beauftragter um Aufklärung und Prävention in den eigenen Reihen. Er stellte sich und seine Arbeit in Hamburg vor.
Wobei seine erste Kunde nicht wirklich hoffnungsvoll klang: der Verband muss 128.000 Euro Fördermittel, die das Innenministerium im Sommer eingefroren hatte, endgültig abschreiben. Die Rechtsmittel gegen den Beschluss wurden zurückgezogen. Der klamme DEB, so Harnos, werde das Geld „an anderer Stelle sparen müssen“: unter anderem bei den Ausgaben für die Nationalmannschaft und den Nachwuchs. Nicht nur auf dem Eis endete 2008 mit einem Misserfolg.