Die Geschichte der Berliner Eisbären ist eine Erfolgsgeschichte. Es ist sogar die größte Erfolgsgeschichte, die der Profisport in der Hauptstadt zu bieten hat. Die Eisbären haben es geschafft, zum ersten Berliner Verein empor zu wachsen, in dem Ost und West keine große Rolle mehr spielen.
Die Eisbären sind zudem Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL), in den vergangenen acht Jahren haben sie sechs Mal die Meisterschaft gewonnen, nur die Hannover Scorpions und Adler Mannheim haben sich mal dazwischen gemogelt. In dieser Saison peilen die Berliner nun den Hattrick, den dritten Titel nacheinander an. Das hat bisher nur Mannheim geschafft.
Die Berliner Erfolgsgeschichte ist allerdings ohne das Engagement der Anschutz Entertainment Group (AEG) nicht denkbar. Das Unternehmen stellte die O2-Arena an die Spree und investierte massiv in den Klub - seitdem läuft die Sache. In der vergangenen Woche kündigte die Anschutz-Gruppe jedoch an, ihr Unterhaltungsimperium von mehr als 120 Beteiligungen mitsamt dem Berliner Ableger zum Verkauf anzubieten.
Die Eisbären haben in dieser Sache nichts zu sagen - über die Entwicklung gibt nur der Hauptsitz in Los Angeles Auskunft. Nach amerikanischen Medienberichten ist nun Milliardär Patrick Soon-Shiong und das Beteiligungsunternehmen Guggenheim Partner an dem dicken Sport-Brocken interessiert, sie wollen ein Kaufangebot vorlegen. Es geht demnach um einen Sieben-Milliarden-Dollar-Deal.
Der aktuelle Spielplan der Deutschen Eishockey Liga (DEL)
Der sportliche Alltag in der DEL schrumpft da angesichts der Nachrichtenlage aus der Firmenzentrale ein wenig zusammen. Von einem „Verkaufsschock“, wie es in Berliner Medien schon hieß, kann zumindest ökonomisch erst mal nicht die Rede sein. Wie aus Amerika gemeldet wird, will die AEG ihre Unterhaltungsgruppe als Gesamtpaket verkaufen. Sollte ein Teilstück wie die Eisbären tatsächlich herausgelöst werden, müsste dies mit 30 Millionen Euro ausgeglichen werden, dafür soll eine Patronatserklärung abgegeben worden sein.
Die Eisbären haben bei der AEG vor allem die Aufgabe, als Hauptmieter die O2-Arena zu füllen. Das gelingt mit mehr als dreißig bestens besuchten Heimspielen pro Saison. Beim letzten Heimspiel sprach Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee über das Stadionheft zu den Fans angesichts der Verkaufsmeldungen. Er sagte nicht viel zur Sache - und schaute „zuversichtlich nach vorne“.
Sportlich klappt es in dieser Saison allerdings noch nicht besonders gut. Von den ersten vier Saisonspielen verloren die Berliner drei, zuletzt am Sonntag 4:5 in Ingolstadt. Im zweiten Drittel musste der Meister gleich drei Gegentreffer hinnehmen, jedes Mal war die Defensive bei Kontern ungeordnet. Das ist eine Schwäche, die man bei Team der Vorsaison kaum erlebte, aber die Eisbären derzeit trotzdem nicht allzu sehr beunruhigt.
Gegen Ingolstadt waren die beiden 18 Jahren alten Verteidiger John Koslowski und Sven Ziegler erstmals in der DEL dabei. Koslowski hatte dabei einiges zu tun an diesem Wochenende. Am Freitag spielte er erst in der dritten Liga mit FASS Berlin, einem Partner der Eisbären, gegen Rostock. Am Samstag stand er in der Deutschen Nachwuchs Liga - bevor er am Sonntag in die DEL befördert wurde.
„Mein Team hatte nur Antworten parat - und das reichte nicht“
Die Eisbären setzen seit Jahren auf die Nachwuchsarbeit, aber in diesen Tagen ist der Einsatz der Jugend auch ein Zeichen der Not. Die Berliner leiden unter einer Verletzungsmisere, nun gegen München wird wie gegen Ingolstadt zudem der 27 Jahre alte Verteidiger Jim Sharrow wegen einer Sperre fehlen. Er wird wie zuletzt wieder durch den 19 Jahre alten Henry Haase ersetzt. Ein Top-Verteidiger fehlt den Berlinern derzeit, Ein sogenannter „Lockout-Spieler“ aus der nordamerikanischen Profiliga, die ihre Spieler in einem Gehaltskampf derzeit aussperrt, könnte laut Manager Lee als Eishockey-Zeitarbeiter helfen, bis die verletzten Spieler wieder fit sind.
Immerhin war nach seiner Sperre über zehn Spiele der neue Kapitän Andre Rankel in Ingolstadt erstmals wieder dabei. Aber die entscheidende Stabilität konnte auch er dem Team im zweiten Drittel nicht geben. Kämpferisch überzeugten die Berliner, aber sie liefen immer einem Rückstand hinterher. „Mein Team hatte immer nur Antworten parat - und das reichte nicht. Wir haben in der Vorbereitung in der European Trophy gegen starke internationale Gegner gewonnen. Vielleicht haben meine Spieler das ein wenig überbewertet“, sagte Trainer Don Jackson. „Ich habe zwar gewarnt. Aber scheinbar war ich nicht überzeugend.“