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Eishockey Helmut de Raaf wechselt die Generation

 ·  Mit der Zukunftsplanung ist das so eine Sache im Profisport. Auch Helmut de Raaf hat es sich abgewöhnt, „großartige Prognosen anzustellen, was Morgen und Übermorgen bringen“. Der 42 Jahre alte frühere Torhüter der Eishockeynationalmannschaft hält sich an den rheinischen Grundgesetz seiner Heimat: „Es kütt, wie es kütt.“ Zum Beispiel so: Von diesem Freitag an ist er neuer Cheftrainer der Adler Mannheim.

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Mit der Zukunftsplanung ist das so eine Sache im Profisport. Langfristige Entwürfe, in welchen Bahnen das weitere Leben verlaufen soll, werden nicht selten über Nacht revidiert. Hängen sie doch unmittelbar zusammen mit so profanen Ereignissen wie einem Sieg oder einer Niederlage im Kampf um Punkte und Meisterschaften, die persönliche Strategien im Handumdrehen auf den Kopf stellen können. Auch Helmut de Raaf hat es sich "aus gutem Grund abgewöhnt", wie er sagt, "großartige Prognosen anzustellen, was Morgen und Übermorgen bringen". Der 42 Jahre alte frühere Torhüter der Eishockeynationalmannschaft stellte im Laufe seiner mittlerweile zwei Jahrzehnte langen Karriere auf dem Spielfeld und außerhalb des Eisovals fest, daß an dem rheinischen Grundgesetz seiner Heimat doch allerhand Wahres dran ist: "Es kütt, wie es kütt." Eigentlich hatte der 114malige Nationalspieler bei der Geburt seines Sohnes Moritz vor nunmehr 16 Jahren angekündigt, "beim nächsten Kind mit dem Zirkus aufzuhören". Mittlerweile geht Tochter Fee schon in die vierte Schulkasse - und der Papa ist immer noch dem Eishockey-Geschäft verbunden. Von diesem Freitag an wohl mehr denn je.

Nun steht der gebürtige Neusser, der als Profi in Düsseldorf, Köln und Mannheim zehn Meisterschaften gewann, vor einem weiteren überraschenden Wendepunkt in seinem Leben: Ihm wird heute um 13 Uhr offiziell die Verantwortung als Cheftrainer in Mannheim übertragen werden. Der in der jüngeren Vergangenheit erfolgreichste deutsche Klub hatte sich am Dienstag nach langem Hickhack von seinem bisherigen Coach Bill Stewart (F.A.Z. vom 14. Januar) getrennt, und Daniel Hopp, der Alleingesellschafter der Adler, hat de Raaf als seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auserkoren. Am Sonntag im Heimspiel gegen Iserlohn möchte er ihn den Fans präsentieren.

Der Umworbene leistete zuletzt bei den Kurpfälzern im Hintergrund derart beachtenswerte Aufbauarbeit, daß er schon seit längerem auch bei anderen führungslosen Vereinen aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mehrmals im Gespräch war. Bislang blieb er standhaft. Seit fünf Spielzeiten leitet de Raaf das "Jungadler"-Projekt in Mannheim. Die gezielte Sichtung und Ausbildung von deutschen Talenten war Ende der neunziger Jahre eine der Voraussetzungen, die SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp mit seinem Einstieg als Mäzen und dem seines Sohnes Daniel als Geschäftsführer bei den Mannheimern verband. De Raaf, der sich nach seinem Abschied als Aktiver als Manager und Marketingleiter bei der DEG und den Revier Löwen Oberhausen versuchte, fand schnell Gefallen an der Anstellung in der zweiten Reihe. Ziel seiner Arbeit, bei der er von vier weiteren Übungsleitern, Pädagogen und Lehrern unterstützt wird, war es bis zuletzt, die geschicktesten Schüler aus der Rhein-Neckar-Region zu entdecken, für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern und anzulernen - "eigentlich ein Traumjob".

Die Sichtungslehrgänge werden in zwanzig Grundschulen angeboten, wo bislang jedes Jahr im Sportunterricht achtzig bis neunzig motorisch begabte Jungen und Mädchen aufgespürt wurden. Zudem leitete de Raaf ein Internat, das Dietmar Hopp in der Mannheimer Innenstadt in einem Mehrfamilienhaus errichten ließ. Dort leben zur Zeit 21 Weggefährten im Alter von 15 bis 17 Jahren, die zur "Jungadler"-Mannschaft gehören, die in der Deutschen Nachwuchs Liga zuletzt zweimal Meister und einmal Zweiter wurde. Neben der sportlichen Erziehung kommt bei diesem Feldversuch die schulische und berufliche Bildung nicht zu kurz. In Zusammenarbeit mit der Integrierten Gesamtschule Herzogenried werden die Profis von morgen auf das Abitur oder die mittlere Reife vorbereitet und bei den Hausaufgaben unterstützt - wenn es sein muß nachmittags in der Kabine im Eisstadion oder abends bei den Lehrern zu Hause. Auch werden Praktikumsplätze, bevorzugt bei Sponsoren der Mannheimer, vermittelt, damit die Teenager herausfinden können, in welchem Beruf sie sich neben dem Eishockey ein zweites Standbein aufbauen können. "Das Engagement aller Beteiligten geht über das normale Maß weit hinaus", findet de Raaf.

Bestandsgarantie hat das Experiment von Hopp senior und Hopp junior zunächst bis zu diesem Sommer. Daß es fortgesetzt wird, ganz gleich, mit welchem Kopf an der Spitze, steht für de Raaf außer Zweifel. "Ein zielgerichteteres Engagement gibt es weit und breit nicht." Und es zahlt sich aus: Aktuell steht mit Fabio Carciola, Sachar Blank, Marco Bruns, Markus Koch und Markus Schütz gleich ein Quintett flügge gewordener Jungadler aus de Raafs Klientel im Mannheimer DEL-Kader. Und es sollen noch mehr werden. Denn es ist der Wunsch der alles bestimmenden Familie Hopp, daß spätestens zur Einweihung der neuen SAP-Arena im kommenden Jahr die Adler endgültig "ein deutsches Gesicht bekommen". Mehr als die Hälfte der Cracks soll dann aus heimischen Landen stammen. Mit de Raaf in verantwortlicher Position hat diese Vorgabe beste Chancen, in die Tat umgesetzt zu werden.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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