03.12.2009 · Die Krise bei den Kölner Haien hat zur Trainerentlassung geführt. Nachdem der einstige Vorzeigeklub nach einem 5:1-Vorsprung noch 5:6 gegen Hannover Scorpions verlor, löst - Bill Stewart den glücklosen Igor Pawlow ab.
Von Richard Leipold, KölnDas Entsetzen auf der Tribüne drückte sich auf unterschiedliche Art aus. Die einen wandten sich mit Grausen und ergriffen fluchend die Flucht, andere verharrten regungslos auf ihren Plätzen. Sie hatten gerade erlebt, wie der Absturz der Kölner Haie abermals an Fahrt gewann. Bei der Heimniederlage gegen die Hannover Scorpions, eine mediokre Mannschaft, erlitten die Rheinländer die vierte Niederlage nacheinander - und Igor Pawlow wurde danach als Trainer abgelöst. Der Kölner Klub, einst stolzer Branchenführer der Deutschen Eishockey Liga, befindet sich seit anderthalb Jahren in einer sportlichen Dauerkrise, mit der zwischendurch auch eine wirtschaftliche Schieflage verbunden war.
Das 5:6 gegen Hannover bedeutete nicht nur die elfte Verlustpartie aus den vergangenen dreizehn Ligaspielen. Wegen des Spielverlaufs war es auch eine besonders kuriose und schmerzhafte Niederlage für die Fans wie für die Verantwortlichen des achtmaligen deutschen Meisters. In der 50. Minute hatte der Kölner Patient, scheinbar auf dem Wege der Besserung, 5:1 geführt. So einen Vorsprung innerhalb von zehn Minuten noch zu verspielen ist im Eishockey äußerst ungewöhnlich. Den Haien gelang es. Nach sechzig Minuten stand es unentschieden, in der Verlängerung erzielte Chris Herperger den Siegtreffer für die Scorpions und befeuerte so nochmals die Trainerdebatte des KEC.
Auch Manager Pauels muss weichen
Am Mittwochabend zog die Klubspitze Konsequenzen und ordnete die sportliche Leitung neu: Als Nachfolger von Pawlow wurde noch am selben Tag der frühere Mannheimer Meistercoach Bill Stewart berufen, der vorerst auch die Aufgaben des Sportchefs übernimmt. Manager Rodion Pauels, der sein berufliches Schicksal eng mit dem Pawlows verbunden hatte, wurde seines Postens enthoben, bleibt dem Klub aber erhalten. „Es war uns allen sehr wichtig, dass die Kompetenz von Rodion Pauels den Haien erhalten bleibt, auch wenn er aus der ersten Reihe tritt und der Funktion des sportlichen Leiters der Profiabteilung nicht mehr nachkommt“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin, „Rodion Pauels ist seit 1973 fast ununterbrochen im Klub und hat maßgeblichen Anteil an der konzeptionellen Ausrichtung der Organisation speziell im Nachwuchsbereich. Diese Arbeit soll er weiter vorantreiben.“
Der frühere KEC-Verteidiger Udo Kießling, in manchen Medien schon als neuer Manager gehandelt, rücke zwar nicht ins Management, werde „dem KEC als Vertreter eines Investors aber beratend zur Seite stehen“, teilte der Klub mit.
Das russische Regiment hat nicht funktioniert
Eine Kölner Zeitung hatte die Partie gegen Hannover zum „Endspiel für Pawlow“ ausgerufen. In der Nacht nach dem Spiel traf sich die Geschäftsführung der Haie mit einigen Gesellschaftern, darunter der frühere Duisburger Vereinspatron Pape, zu einer Krisensitzung, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Die Sitzung wurde schließlich auf Mittwochnachmittag vertagt. Während die Entscheidungsträger zusammensaßen, verdichteten sich bereits die Anzeichen dafür, dass Pawlow entlassen werden würde - was dann auch prompt geschah.
Dem Trainer, der ein strenges russisches Regiment geführt hatte, soll es schwergefallen sein, mit seiner rauhen Art die mitunter empfindlichen Spieler zu erreichen. Vor allem der Stürmerstar Ivan Ciernik, als Diva bekannt, stand seinem Vorgesetzten kritisch gegenüber. Unabhängig vom Befinden einzelner Spieler hatten die Leistungen des Kollektivs, soweit man davon sprechen kann, Zweifel an der Akzeptanz des Trainers geweckt. Die Kölner mussten nicht nur gegen Hannover eine Fülle von Gegentreffern hinnehmen, sondern jüngst auch gegen Hamburg (8), Kassel (6) und Frankfurt (8). Immerhin soll es nun eine Art Neuanfang geben.