Gemessen am Amerikaner Edward Breck, führen die Langers und Cejkas unserer Tage ein beschauliches, um nicht zu sagen langweiliges Golferleben. Breck, in deutschen Golferkreisen völlig unbekannt, war gleichwohl 1896 zu Meisterehren, wenn auch von zweifelhaftem Wert, gekommen.
Im Jahre 1894 hatte ein junger Schotte, Andrew Pitcairn Knowles, den Charlottenburg Golf Club gegründet, der schon zwei Jahre später - inzwischen in den englischen Namen Berlin Golf Club umbenannt - auf seinem Neun-Loch-Platz im Westend eine Meisterschaft veranstaltete. Großspurig nannte man sie "Meisterschaft von Deutschland und Österreich", obwohl zu diesem Zeitpunkt die Gründung des Deutschen Golf Verbands (1907) noch in ferner Zukunft lag und der Dachverband erst von seinem Gründungsjahr an offizielle deutsche Meisterschaften austrug.
Mit einer Pistole und einem geborgten Paß
Die Mitgliedschaft des Berlin Golf Clubs bestand zumeist aus Angehörigen der englischen und amerikanischen Botschaften, und so überraschte es nicht, daß ein Yankee sich den hochtrabenden Titel sicherte. Er hieß Edward Breck und war in Leipzig über ein Thema des Altenglischen zum Dr. phil. promoviert worden. Auf diese Weise hatte er sich wohl, nunmehr 36 Jahre alt und überdies der deutschen Sprache mächtig, für den Posten eines amerikanischen Vizekonsuls empfohlen. Breck verteidigte seinen "Golf-Meistertitel" im folgenden Jahr und wäre - Allrounder, der er war, durfte er sich doch im selben Jahr auch Vizemeister von Deutschland und Österreich im Degenfechten nennen - wahrscheinlich ebenso 1898 siegreich geblieben, wäre da nicht die amerikanische Marine gewesen.
Die Navy hatte nämlich im Spanisch-Amerikanischen Krieg gerade vor Havanna die Flotte des Admirals Cervera vernichtend geschlagen. Jetzt schickte sie sich an, Kurs auf die Iberische Halbinsel zu nehmen. Breck, als Assistent des amerikanischen Marineattaches einigermaßen zuständig, faßte spontan den Entschluß, spanische Küstenbastionen auszuspionieren. Mit einer Pistole und einem geborgten Reisepaß des Königreichs Preußen bewaffnet, in den er dreist sein eigenes Foto hineingeklebt hatte, gelangte er als bebrillter deutscher Oberarzt ungehindert ins Land.
Kurioser Zufall
Durch einen kuriosen Zufall machte er die Bekanntschaft des berüchtigten Valeriano Weyler. Der deutschstämmige General, den man den "Schrecken von Kuba" nannte, entpuppte sich als ein leutseliger kleiner Mann, der den vermeintlichen Arzt mit Empfehlungsschreiben ausstattete. Diese verschafften dem Amerikaner Zugang zu allen wichtigen Hafenbefestigungen. Eifrig fotografierend und Notizen machend, pfiff ihm nur einmal, in Barcelonas neuer Festung "La Bota", die Kugel eines wachsamen Postens um die Ohren.
Nicht zuletzt durch die Verdienste, die er durch seine Heldentat für sein Land erworben zu haben glaubte, machte er sich nach seiner Rückkehr Hoffnungen, die Nachfolge des schwer erkrankten Generalkonsuls in Berlin antreten zu können. Diese wurden allerdings enttäuscht. In die Staaten zurückgekehrt, versuchte er noch einmal, alte Bande zu knüpfen. 1903 bot er Willibald Gebhardt seine Dienste als Attache der deutschen Mannschaft bei den bevorstehenden Sommerspielen von St. Louis an. Mit Gebhardt - inzwischen Präsident des Komitees für die Beteiligung Deutschlands bei Olympischen Spielen - hatte Breck im Vorstand des Deutschen Fechterbundes gesessen. Gebhardt war indessen leicht verschnupft wegen Brecks spanischer Mission, durch welche dieser, so Gebhardt, "die deutsche Gastfreundschaft mißbraucht" habe. Statt Breck wurde der Berliner Hugo Hardy berufen.
Breck zog sich daraufhin in die Wälder der ostkanadischen Provinz Nova Scotia zurück, wo er in einer Blockhütte einer regen schriftstellerischen Tätigkeit nachging. Hauptthemen seiner zahlreichen Bücher und Artikel, die er in eleganten Gesellschaftszeitschriften veröffentlichte, waren die Jagd und das Leben in der Wildnis Kanadas.
Prügel in Brasilien
Bald aber regte sich wieder - er war inzwischen immerhin schon 56 Jahre alt - die Abenteuerlust in ihm. Vielleicht war die schnöde Zurückweisung durch Gebhardt der Grund, weshalb er kurz vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg beschloß, es den Deutschen heimzuzahlen - auf dieselbe Weise, die zu seiner Ausbootung geführt hatte. Im Range eines Korvettenkapitäns (Lieutenant Commander) des amerikanischen Marinegeheimdienstes übernahm er freiwillig den Auftrag, die deutsche Kolonie in Brasilien auszuspionieren. Anders als einst die Spanier nahmen ihm die argwöhnischen Deutsch-Brasilianer seine Rolle als Botengänger aus der deutschen Schweiz leider nicht ab. Nachdem sie ihm eine Tracht Prügel verpaßt hatten, entkam er nur mit knapper Not und Verletzungen nach Argentinien.
Dort aber machte er sein Agenten-Meisterstück. In Buenos Aires gelang es ihm, sich als Dr. Ernst Brecht dem Deutschen Bund anzuschließen, der im Restaurant "Bismarck" unter dem Vorsitz des kaiserlichen Botschafters Karl von Luxburg seine völkischen Versammlungen abhielt.
Sein Meisterstück
Kraftvoll in deren Gesänge "Die Wacht am Rhein" und "Deutschland über alles" einstimmend - Breck hatte unter anderem Gesang studiert und soll sogar als Tenor auf der Opernbühne gestanden haben -, erwarb er rasch das Vertrauen der deutschen Gemeinde. Auf diese Weise erhielt er Kenntnis vom Inhalt eines streng geheimen Telegramms, das Seine Exzellenz verschlüsselt nach Berlin gekabelt hatte.
Darin hatte von Luxburg der kaiserlichen Admiralität während des U-Boot-Krieges empfohlen, zur Vermeidung internationaler Verwicklungen neutrale Handelsschiffe - darunter natürlich auch argentinische - möglichst "spurlos" zu versenken. Als der amerikanische Außenminister Lansing die ihm von Breck übermittelte Depesche veröffentlichte, zertrümmerten aufgebrachte Argentinier das Interieur des Restaurants "Bismarck", und Luxburg mußte das Land verlassen. Breck erlag, nachdem er mit 64 Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war, am 14. Mai 1929 in seiner Wohnung in Washington einer Herzattacke. Auf dem Arlington Cemetery, dem Heldenfriedhof der Amerikaner, hat er seine letzte Ruhe gefunden.