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Veröffentlicht: 27.06.2013, 14:56 Uhr

Dustin Brown „Tennis ist viel cooler geworden“

Mit seiner Art, zu spielen, begeistert der deutsch-Jamaikaner Dustin Brown die Fans in Wimbledon. „Tennis ist viel cooler geworden“, freuen sich die Follower von @DreddyTennis.

© AP Dustin Brown: Unkonventionell und erfolgreich

So hatte dieses Spiel auf Rasen ja einst im besten Fall aussehen sollen: Einer greift an, rückt dauernd ans Netz vor, der andere spielt von der Grundlinie, versucht sich mit Passierschlägen zu befreien, und heraus kamen bei dieser Konstellation immer die spektakulärsten Partien in Wimbledon. Aber die Zeiten der Angriffsspieler, die bedingungslos den Weg nach vorne suchen, sind lange vorbei. Zu groß ist das Risiko mittlerweile, beim Serve-and-Volley früherer Tage das Nachsehen zu haben, deshalb wagt es im Grunde fast niemand mehr.

Einer schon, aber Dustin Brown, der Deutsch-Jamaikaner aus Niedersachsen, macht ja ohnehin fast alles anders als normale Tennisspieler. Bei seinem 6:4,- 6:4-, 6:7- und 6:2-Erfolg gegen den Australien Lleyton Hewitt war der 28 Jahre alte Deutsche gleich 87 Mal am Netz aufgetaucht und hatte Hewitt mit so aufsehenerregenden wie unkonventionellen Schlägen völlig entnervt.

„Ich muss so spielen, wie ich will“

Keine langen Ballwechsel, keinen Rhythmus, keine erkennbare Schwäche des Gegners, kein Nervenflattern, einfach nichts, was bei Hewitt einen dieser gefürchteten Adrenalinschübe auslösen könnte, nach denen er immer so wirkt, als wolle er den Gegner bei nächster Gelegenheit am liebsten verspeisen.

„Ich habe keinen Zugang zu diesem Spiel gefunden“, sagte der Australier und wirkte auch eine halbe Stunde danach immer noch ratlos über das, was er gerade erlebt hatte.

Wimbledon Championships Die Fans sind verrückt nach ihm © dpa Bilderstrecke 

„Ich muss so spielen, wie ich will, und darf mir nicht das Spiel des Gegners aufdrängen lassen“, sagte Brown. Als der letzte Ball ins Aus gesegelt war, hatte er seinen Schläger weggeworfen, und kurz danach waren die Tränen gekommen. „Ich bin ja eigentlich nicht der Typ, der weint“, sagte der Mann mit den auffälligen Dreadlocken dazu. Doch auf einen Schlag hatte er eine Menge neuer Fans gewonnen.

Seine Followerzahl bei Twitter stieg auf mehr als 21.000 an. „Tennis ist viel cooler geworden“, schrieb User Rob B. Ein anderer stellte die Vermutung auf: „Wenn ich vor dem Turnier 10 Euro auf einen Deutschen mit Dreadlocks gesetzt hätte, müsste ich wahrscheinlich nicht mehr arbeiten gehen“.

Auch Prominente äußerten sich zum Coup des „unterhaltsamsten Tennisspieler seit Bahrami“, dessen Style und Coolness sogar die „New York Times“ in einem Artikel aufgriff. Schauspielerin Grace Jones schrieb: „Ich konnte nicht aufhören das Brown/Hewitt-Match zu schauen. Glückwunsch!!!!“

Tennis-Kollegin Andrea Petkovic fragte: „Wie wundervoll war Dustin Brown heute?“ Und er? Der Rasta-Mann twitterte nach dem Match ohne Unterlass. Er ist der erste Tennisspieler, der seinen Twitternamen @DreddyTennis auf seinem Shirt mit auf den Heiligen Rasen nahm.

Brown überrascht - auch sich selbst

Seine Spielweise ist nicht vorhersehbar, nicht für den Gegner und an Tagen, die nicht so perfekt laufen wie dieser, wohl auch nicht für ihn. Brown überraschte mit unglaublich harten Grundschlägen, die aber zwischendurch auch weit hinter die Linie oder ins Netz flogen, dann streute er Slicebälle mit der Vor- und Rückhand ein, spielte Volleystopps, Lobs, schlug gewaltig auf und rückte immer wieder ans Netz vor, sobald sich eine Gelegenheit bot - und eigentlich häufig auch dann, wenn sich keine geboten hatte.

So spielt der Deutsch-Jamaikaner mehr oder weniger stets, aber so viel Erfolg hatte es ihm nicht immer gebracht. Er steht auf Weltranglistenplatz 189 und musste durch die Qualifikation, um ins Hauptfeld zu kommen. Das gelang ihm ohne Satzverlust sehr überzeugend, und auch in der ersten Runde war er gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez durchmarschiert, ohne seinen Aufschlag einmal zu verlieren. „Ich wusste, was mich erwartet“, sagte Hewitt, was wohl bedeutete, er glaubte zumindest eine Ahnung zu haben, was ihn erwarten könnte. Als Brown im ersten Durchgang seinen Satzball per Hechtsprung als Volleystop verwandelte, wusste der Australier spätestens, dass dies an diesem Tag eine ganze Menge sein würde.

Ein Zehntel auf einen Schlag

„Ich war schon oft nah dran, aber diesmal hat es endlich geklappt“, sagte Brown. Er ist 2002 Profi geworden und hat seitdem 790.000 Dollar an Preisgeld zusammengespielt. Dies war nun ein ganz besonderer Tag, der ihm schon einen Scheck über rund 79.000 Dollar garantiert - ein Zehntel dessen, was er bisher eingenommen hat. Und das Turnier ist ja noch nicht beendet, wer weiß, was da noch alles kommen kann. Auf Brown wartet nun der Franzose Adrian Mannarino, der auf Rang 111 der Welt wie der Deutsch-Jamaikaner aus der zweiten Kategorie kommt.

Man darf davon ausgehen, dass nun alle den Mann sehen wollen, der so ungewöhnlich Tennis spielt. Seine Homepage zumindest brach kurz nach dem Matchball vorübergehend zusammen - und war auch an diesem Donnerstag noch schwer erreichbar.

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Quelle: pep./ad./dpa

 

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