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Dressur-EM Das Projekt Wunderhengst steckt fest

Totilas-Tristesse statt Totilas-Triumph: Das vermeintliche Zauberpferd lehnt sich bei der EM gegen seinen Reiter auf - und zeigt Matthias Alexander Rath die Grenzen. Deutschland kann seine einstige Vormachtstellung nicht zurückholen.

© dapd Vergrößern Lange Pause zum Nachdenken: Matthias Alexander Rath

Klüger, aber nicht unbedingt glücklicher kehren die deutschen Dressurreiter von den Europameisterschaften in Rotterdam heim. Die Erkenntnis aus fünf aufreibenden Tagen: Das „Projekt Wunderhengst“ mit dem aufsehenerregenden Rappen Totilas und seinem Reiter Matthias Alexander Rath steckt fest - und die deutsche Equipe hat ihre alte Dominanz nicht zurückerobern können. Auch in der Kür mit Musik gab es keine Medaille für Rath. Nachdem er im Grand Prix Special am Samstag Vierter geworden war (77,039 Punkte), blieb ihm am Sonntag sogar nur Rang fünf (81,696) - trotz einer deutlichen Leistungsverbesserung im Vergleich zum Vortag.

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„Es war uns immer klar, dass wir nicht jedes Mal gewinnen würden“, sagte Rath. „Wir arbeiten jetzt ganz ruhig weiter.“ Beim Blick auf die vor ihm Plazierten könnte ihm allerdings, besonders mit Blick auf die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in London, leicht schwindlig werden: Die Niederländerin Adelinde Cornelissen verteidigte mit dem Fuchswallach Parzival erst ihren Titel im Grand Prix Special mit 82,113 Punkten erfolgreich, die Kür gewann sie mit spielerischer Sicherheit, großem Abstand und 88,768 Punkten.

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Hinter dem etablierten Paar sicherte sich der umjubelte Brite Carl Hester - genau wie im Special - mit dem erst zehnjährigen Hengst Uthopia Silber (84,179) und das, obwohl er diese Kür noch niemals bei einem Turnier geritten war. Mit einer weiteren Steigerung kann also gerechnet werden. Dass Laura Bechtolsheimer mit Mistral Hojris im Grand Prix Special Dritte wurde und Charlotte Dujardin mit Valegro (diesmal noch Rang sechs und neun) sich mit der Erfahrung noch deutlich verbessern dürfte, zeigt: Die britische Dressur-Welle rollt.

Spielerische Sicherheit: Adelinde Cornelissen und Parzival sind das überragende Paar in Rotterdam © AFP Vergrößern Spielerische Sicherheit: Adelinde Cornelissen und Parzival sind das überragende Paar in Rotterdam

Rath hatte sich von Samstag auf Sonntag zwar um einen Rang verschlechtert, doch einen anderen Wettkampf vorerst gewonnen: Die Auseinandersetzung mit Totilas. Im Grand Prix Special war die Eintracht zwischen Pferd und Reiter dahin gewesen, in der Kür setzte er sich durch gegen seinen selbstbewussten Partner, allerdings durch verschärften Druck und Kontrolle. Während der Kür blieb der Kopf von Totilas stets hinter der Senkrechten, die Nase wurde Richtung Brust gezogen, so dass ihm wenig Möglichkeiten mehr zu Eigenwilligkeiten blieben. „Es war wesentlich besser als gestern“, sagte Rath. „Er war viel konzentrierter.“ Allerdings blieben die beiden auch diesmal nicht fehlerfrei - sowohl in den Einer- als auch in den Zweier-Galoppwechseln gab es Probleme.

Den Grand Prix Special am Samstag wird Rath nicht so schnell vergessen. Er musste erleben, was passiert, wenn Totilas ihm die gewohnte Loyalität verweigert: Das Pferd entzog sich den Signalen von oben, ruinierte die erste Piaffe völlig, die zweite weitgehend, immer wieder passierten kleine Patzer und Unstimmigkeiten gegen den ausdrücklichen Wunsch des Reiters, die wertvolle Punkte kosteten. Am Ende blies Rath enttäuscht die Backen auf und verließ das Viereck als ein Reiter, dem sein eigenes Pferd die Grenzen aufgezeigt hat. Warum? „An den Nerven lag es nicht“, beteuerte Rath, obwohl schon zu Beginn der Prüfung unnötige Hektik aufgekommen war. Beinahe hätte er die 45 Sekunden Vorbereitungszeit am Rand des Vierecks überzogen und musste überhastet einreiten. „Irgendwie war der Wurm drin“, sagte er.

Die Zeiten der Alleinherrschaft sind vorbei

Was die Erkenntnis von dieser Europameisterschaft für Rath besonders bitter macht: Jeder weiß, dass der elfjährige Rapphengst zu brillanten Leistungen fähig ist. Mit seinem früheren Reiter, dem Niederländer Edward Gal, zelebrierte Totilas Weltrekord-Ritte. Vor zwei Jahren wurde Gal in Windsor Europameister mit der Mannschaft und in der Kür, und die Szene feierte den Aufstieg eines vierbeinigen Superstars. Ein Jahr später gewann er bei den Weltmeisterschaften alle drei Goldmedaillen. Und im Grand Prix Special von Rotterdam wäre zum Sieg nicht einmal eine Sternstunde nötig gewesen. Alle Paare leisteten sich Fehler.

„Mit den Leistungen, die wir bei den deutschen Meisterschaften in Balve und beim CHIO in Aachen gebracht haben, wäre alles gut gewesen“, sagte Rath. Nun folgt eine lange Pause zum Nachdenken. Auch Isabell Werth will ihrem neunjährigen El Santo erst einmal eine Weile Ruhe geben. Im Grand Prix Special ritt sie zwar - wie es ihre Natur ist - noch einmal auf Angriff. Und in der Kür bewies sie Mut, Können und erstaunliche Gelassenheit gegenüber El Santos technischen Schwierigkeiten mit den Piaffen. Sie belegte Rang sieben im Special und in der Kür. Auf dem Weg nach London wird sie eine Lösung finden müssen für das Problem, das ihr regelmäßig ihre Auftritte verdirbt.

Debütantin Helen Langehanenberg (Havixbeck) schaffte es hingegen, mit Damon Hill die Erwartungen zu übertreffen. Sie schaffte es als Achte des Special, ihrem Mannschaftskollegen Christoph Koschel (Hagen am Teutoburger Wald) und Donnperignon den Startplatz in der Kür abzujagen. Und auch dort belegte sie mit einer tadellosen Leistung den achten Rang. Dressur-Deutschland kann sich immerhin damit trösten, dass es sich bei diesen Europameisterschaften mit Silber in der Mannschaftswertung etwas besser geschlagen als bei den vergangenen beiden Championaten (jeweils Bronze). Doch Rotterdam hat gezeigt, dass auch der spektakuläre Kauf von Totilas die alten Zeiten der Alleinherrschaft nicht zurückbringen kann.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 21.08.2011, 18:05 Uhr

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