Viele Menschen erwärmen sich für Totilas - frieren wollen allerdings nur wenige seinetwegen. So musste er seine gepriesenen Fähigkeiten an diesem Freitag bei den deutschen Meisterschaften der Reiter im rauen Sauerland vor einer spärlichen Kulisse zelebrieren. Aber welch erlesene Zuschauerschaft: Fast die komplette deutsche Definitionsmacht hatte sich am verregneten Abreiteplatz versammelt: Soenke Lauterbach, der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Sportdirektor Dennis Peiler und sogar sein Vorgänger Reinhard Wendt, Bundestrainer Johnny Hilberath und sein Assistent Jürgen Koschel, der renommierte Ausbilder Klaus Balkenkol, die Mäzenin Madeleine Winter-Schulze, der Ausschuss-Vorsitzende Klaus Röser und viele weitere Mitglieder des inneren Zirkels. Sie schauten zu, wie der Kronberger Dressurreiter Matthias Rath seinen Rapphengst Totilas auf den Grand Prix vorbereitete - die Einlaufprüfung für die beiden Titelwettbewerbe, den klassischen Grand Prix Special an diesem Samstag und die Kür an diesem Sonntag.
Was man sah war - Rollkur. Nicht in so extremer Form wie beim Turnier in Hagen, als Hilberath den Reiter zur Seite nahm und ermahnte. Aber auch diesmal war der Kopf des Pferdes zwischendurch fest auf die Brust gezogen, das Genick bildete nicht den höchsten Punkt. Doch niemand griff ein. Ohne diese von Teilen der Basis und von Fachleuten kritisierte Zwangsmethode in der Prüfungsvorbereitung, die auf der psychischen und physischen Unterwerfung des selbstbewussten Zuchthengstes basiert, scheint Matthias Rath dem Pferd seine spektakulären Leistungen nicht entlocken zu können. So aber erzielte er in Balve mit einer hochklassigen, wenn auch nicht strahlenden Leistung die Bestnote mit 83,234 Prozentpunkten.
Rollkur verstößt nicht gegen die Regeln
Wer jetzt nichts gesagt hat, wird wohl auch in Zukunft schweigen. Durchgewinkt also: Die Rollkur oder auch Hyperflexion mag nicht den grundsätzlichen Vorstellungen des deutschen Verbandes entsprechen - gegen die Regeln verstößt sie nicht. Und die Verheißung von olympischem Gold lässt das Problem in viel milderem Licht erscheinen. Die offizielle Diktion lautet deswegen jetzt so: „Wenn er meint, er müsste ihn etwas tiefer reiten, dann ist das in Ordnung - so lange es kein aggressives Reiten ist und das Pferd nicht drangsaliert wird.“ So jedenfalls formulierte es Lauterbach. Und Peiler ergänzte: „Unser Idealweg ist das Reiten nach unseren Richtlinien. Das bedeutet aber nicht, dass man sich außerhalb der Regeln befindet, wenn man nicht nach unseren Richtlinien reitet.“
Rath hält an seinem Reitstil fest
Diplomatisch fein gesagt. Nur der 27 Jahre alte Reiter hielt verbale Eiertänze nicht für nötig. Die Diskussion um seine Trainingsmethode, sagte er nach dem gewonnenen Grand Prix, belaste ihn nicht. „Wir haben im Winter das Training umgestellt“, erklärte Matthias Rath. „Und wir sind sicher, dass wir für uns und für das Pferd in die richtige Richtung gegangen sind.“ Das Stirnrunzeln der deutschen Funktionäre, die sich eigentlich als die Hüter der klassischen Reitweise verstehen, hat ihn offenbar nicht beeindruckt. Und auch die Presseerklärung nicht, in der sich der Verband von der Hyperflexion distanziert und die Erwartung formuliert hat, dass Bilder wie in Hagen sich nicht wiederholen würden. „Ich bin nicht hierher gefahren und habe gedacht, jetzt stehen alle drum rum, ich muss jetzt was anders machen“, erklärte Rath am Freitag.
Ich plädiere dafür, den Pferdesport komplett aus Olympia zu streichen
Sven Gralla (kirsch-banane)
- 02.06.2012, 09:49 Uhr
Hoffentlich nicht nur wegen dem Wetter!!
Sebastian Fischer (SebastianF6)
- 02.06.2012, 08:58 Uhr
Vielen Dank!
Kirsten Raab (Suki15)
- 01.06.2012, 22:55 Uhr
Anscheinend Wahrnehmungsstörungen bei Herrn Rath
Helger Dooley (helgerdooley)
- 01.06.2012, 18:46 Uhr