16.10.2006 · Der unter Dopingverdacht stehende Radprofi kündigte auf seiner Internetseite an: „Gegen die von dem Schweizer Radsportverband angeheizte Rufmordkampagne werde ich mich zur Wehr setzen." Derweil ist angeblich eine DNA-Probe von Jan Ullrich aufgetaucht.
Der unter Dopingverdacht stehende Radprofi Jan Ullrich will gegen den Schweizer Radsportverband Swiss Cycling vorgehen. „Gegen die von dem Verband permanent angeheizte Rufmordkampagne werde ich mich zur Wehr setzen“, kündigte Ullrich auf seiner Internetseite an.
Der Tour-de-France-Gewinner von 1997 habe „mit großem Erstaunen“ Medienberichte zur Kenntnis genommen, wonach der Schweizer Verband ein Dopingverfahren gegen ihn fortsetzen wolle. „Tatsächlich ist bisher ein Verfahren gegen Jan Ullrich überhaupt noch nicht eingeleitet worden“, hieß es auf Ullrichs Homepage. Wegen seines Wohnsitzes in Scherzingen ist der gebürtige Mecklenburger in den vergangenen Jahren mit einer Schweizer Lizenz gefahren. Swiss Cycling verfügt nach eigenen Angaben jedoch mittlerweile über „ein vervollständigtes Dossier zu den Dopingvorwürfen“ gegen den 32 Jahre alten Radprofi.
Mögliche Indizien für Einnahme unerlaubter Mittel
Der Verband hatte das Dossier am Freitag komplett der Fachkommission für Dopingbekämpfung von Swiss Olympic (FDB) übergeben. Dieses Gremium des Schweizer Sport-Dachverbandes arbeitet als Untersuchungsbehörde. Dort werden die Fälle beurteilt und an die zuständige Disziplinarkammer für Dopingfälle von Swiss Olympic weitergegeben. Das Papier ist von der FDB noch nicht übergeben worden, da es keine positive Dopingprobe gebe, hieß es auf der Internetseite von Swiss Olympic.
Möglicherweise gebe es aber Indizien für die Einnahme von unerlaubten leistungsfördernden Mitteln. Deshalb wird die FDB die Unterlagen erst nach „Vervollständigung an die Disziplinarkammer übergeben“. Der Zeitpunkt sei aber noch offen. Die FDB warte noch auf nachgeforderte Unterlagen und Beweismittel aus Deutschland und Spanien. „In der Zwischenzeit sind auf Grund der laufenden Voruntersuchungen keine weiteren Informationen möglich“, hieß es bei Swiss Olympic.
DNA-Probe von Ullrich soll vorliegen
Laut „Süddeutscher Zeitung“ sind weitere Indizien gegen Ullrich aufgetaucht. Das basiert angeblich auf einem der deutschen Justiz vorliegenden Protokoll eines Expertentreffens im September in der Madrider Direktion der Guardia Civil. Demnach sollen Spanier offenbar in der Lage sein, Ullrichs Aufenthalte in Madrid zu dokumentieren. Dort soll Ullrich mehrfach Kontakt zu dem Arzt Eufemiano Fuentes gesucht und dem Spanier 120.000 Euro im Jahr für dessen Dienste bezahlt haben.
Überdies soll den Schweizer Behörden inzwischen auch eine DNA-Probe von Ullrich vorliegen. Ihre Existenz war zwischenzeitlich bestritten worden, da Ullrich bei der Polizeirazzia Mitte September in seinem Schweizer Haus nicht anwesend war. Der Profi habe jedoch, hieß es, nach seiner vorzeitigen Rückkehr aus den Flitterwochen bei der Schweizer Polizei eine vom Richter angeordnete Speichelprobe abgeben müssen. Mit dem genetischen Fingerabdruck ließe sich ein Abgleich mit den in der Praxis von Fuentes sichergestellten Blutkonserven herstellen, die laut Guardia Civil Ullrich zuzuordnen sind.
Doping-Dependance nahe des Flughafens?
Nach weiteren Medieninformationen haben sich die spanischen Fahnder Rat bei deutschen Experten zur Liste der bei Razzien sichergestellten Substanzen eingeholt. Unter den Mitteln seien auch drei molekularbiologische Produkte aus bislang geheimen Labors in China. Zudem führe eine weitere Spur nach Frankfurt, wo Fuentes angeblich in einem Hotel nahe des Flughafens eine Dependance zu Dopingzwecken unterhalten habe.