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Dopingverdacht Bundestrainer steht zu Nils Schumann

21.11.2006 ·  Kein angenehmes Thema für Volker Beck, einer seiner Athleten steht unter Dopingverdacht: Mittelstreckler Nils Schumann. „Ich hoffe, daß sich das alles schnellstmöglich aufklärt, darum habe ich Nils gebeten“, sagt Beck.

Von Uwe Martin
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Kein angenehmes Thema für Volker Beck, schließlich steht einer seiner Athleten unter Dopingverdacht. Nils Schumann, Europameister 1998 und Olympiasieger 2000, ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Der Einschreibebrief ist zu Wochenbeginn eingegangen. Hintergrund sind Unterlagen aus dem Prozeß gegen Thomas Springstein, Schumanns ehemaligem Coach, der Ende März in Magdeburg zu 16 Monaten Haft auf Bewährung wegen Minderjährigen-Dopings verurteilt worden ist.

Von Springstein wurde Schumann 2003/2004 betreut, danach wechselte er vom SC Magdeburg zur LG Eintracht Frankfurt und zu Trainer Volker Beck. Vor zwei Wochen hat der Traditionsklub den Vertrag mit Schumann um ein Jahr verlängert. Jetzt der Verdacht: Ist der Frankfurter in einen Dopingskandal um den spanischen Arzt Miguel Angel Peraita und den holländischen Athletenmanager Jos Hermens, der früher auch Schumann zu seinen Klienten zählte, verwickelt? Gegen beide hat der DLV wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz Anzeige erstattet. „Ich hoffe, daß sich das alles schnellstmöglich aufklärt, darum habe ich Nils gebeten“, sagt der Heim- und Bundestrainer Beck.

„Er ist sich keiner Schuld bewußt“

Nach Lage der Dinge muß sich Schumann innerhalb einer Woche erklären. „Er ist sich keiner Schuld bewußt“, so Beck. Schon vor drei Monaten war Schumann zu diesem Thema befragt worden, öffentlich, von Journalisten im Rahmen des Stadionsportfestes in Berlin. „Ich kann versichern, daß ich niemals die Grenzen des Legalen überschritten habe“, sagte er damals. Genau dies hat er auch Beck bei dem ersten Vier-Augen-Gespräch vor dem Wechsel nach Frankfurt gesagt. „Ich habe ihn ganz klar gefragt, ob es in der Vergangenheit Maßnahmen mit Doping gegeben hat“, sagt Beck. „Und er hat eindeutig mit Nein geantwortet.“

Dies sei eine Bedingung für die Zusammenarbeit gewesen. „Ich habe jetzt keinen Grund, an dieser Aussage zu zweifeln.“ Unterstützung bekommt der Läufer auch von Peter Fischer, dem Präsidenten von Eintracht Frankfurt. Am Montag abend bei der Mitgliederversammlung sagte Fischer:. „Wir werden Nils helfen, die Vorwürfe zu entkräften. Wir leben in einem freien, demokratischen Rechtsstaat, in dem zunächst einmal die Unschuldsvermutung gilt.“

Hundebiß vereilte Comeback

Seit Schumann in Frankfurt Ende 2004 als Zugang präsentiert wurde, spaltet er die Meinungen. Die einen bewerteten seine Verpflichtung als reine PR-Aktion, die angesichts der langwierigen Fußverletzung nur scheitern könne; andere wünschten sich den Athleten so schnell wie möglich auf die Laufbahn zurück. Doch das dauert nach mehreren Operationen an der Achillessehne.

Erst im Frühsommer 2006 gab es den Versuch eines Comebacks, eine persönliche Jahresbestleistung von 1:48,02 Minuten (am 6. Juni in Turin) steht in der Statistik. Danach war die Saison beendet, durch einen Hundebiß. Von seiner Bestzeit (1:44,16 Minuten aus dem Jahr 2002) ist der 28 Jahre alte Profi weit entfernt. Daß Schumann auch nur annähernd wieder zurückliegende Glanzzeiten erreichen kann, daran zweifeln viele Fachleute. Deshalb verwunderte es, daß ausgerechnet Eintracht Frankfurt den Vertrag zu einem Zeitpunkt verlängerte, zu dem die Verhandlungen mit den tatsächlichen Spitzenathleten der LG Eintracht Frankfurt, etwa Pascal Behrenbruch, Betty Heidler und Kamghe Gaba, noch liefen.

Schumann ist die Sphinx der hessischen Leichtathletik. Als Sprachrohr (neben Beck) fungiert Manager Frank Thaleiser, der einst mit Amewu Mensah befreundet war. Die Hochspringerin, vor fünf Jahren positiv auf das Hormonmittel Oxandrolon getestet und gesperrt, wurde später die Lebensgefährtin von Schumann, inzwischen geht man wieder getrennte Wege.

„Ein großes Problem“

Bei der Meisterehrung des Hessischen Leichtathletik-Verbandes vergangenen Freitag in Bad Nauheim war Schumann mit seiner Freundin, der Frankfurter 400-Meter-Läuferin Korinna Fink, zu Gast. Die DLV-Anfrage war da noch nicht bekannt. Höchstwahrscheinlich hätte Schumann dazu genau das wiederholt, was er bereits im August ausgeführt hat: Er könne sich nicht vorstellen, im Umfeld der Ärzte Eufemiano Fuentes und Peraita in Madrid gesehen worden zu sein.

„Die Konfrontation mit seiner Vergangenheit stellt für ihn ein großes Problem dar“, sagt Beck. Daß Schumann während seiner Trainingszeit bei Springstein zu Dopingpräparaten gegriffen haben könnte, hält er für ausgeschlossen. „Was soll es da für Gründe geben? Er hat in dieser Zeit keine Wettkämpfe bestritten und wegen seiner Verletzung nicht einmal ernsthaft trainiert. Das wäre nicht plausibel.“

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