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Freitag, 17. Februar 2012
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Dopingproben werden nachuntersucht Zittern vor dem Großreinemachen

08.10.2008 ·  Das IOC will alle Doping-Proben von Peking auf Cera nachuntersuchen lassen. „Da werden jetzt alle unentdeckten Betrüger zittern“, freute sich DOSB-Generaldirektor Vesper. Von „einer olympischen Denkpause“ des Radsports will UCI-Chef McQuaid gleichwohl nichts wissen.

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Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat nach den jüngsten Doping-Enthüllungen im Radsport das umfassendste Großreinemachen in der Geschichte des Sports auf den Weg gebracht und die Nachuntersuchung aller eingefrorenen Doping-Proben der Olympischen Spiele von Peking angekündigt. „Diese Untersuchungen betreffen alle Sportarten und beinhalten speziell auch die Substanz Cera“, erklärte IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau der Deutschen Presse Agentur (dpa). Alle mehr als 5000 Proben werden derzeit zum Labor in Lausanne geschickt.

„Es ist ein abschreckendes Zeichen für jeden Betrüger und auch für jeden potenziellen Betrüger“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach: „Für den Sport ist es ein gutes Zeichen der Entschlossenheit, dass wir es mit der Aufklärung sehr ernst nehmen.“ Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sprach von einem Paukenschlag: „da werden jetzt alle unentdeckten Betrüger zittern“.

Nachuntersuchungen kosten etwa eine Million Euro

Details über die nachträglichen Tests werden laut IOC mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) abgestimmt. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Das IOC führte in Peking die Rekordzahl von mehr als 5000 Proben durch. Die Nachuntersuchungen dürften geschätzte eine Million Euro kosten.

Bach hatte angeregt, die eingefrorenen Doping-Proben von Peking bereits jetzt öffnen und mit Hilfe des neuen Cera-Testverfahrens untersuchen zu lassen. Wie bereits vor und während der Spiele werden dabei „intelligente Zieltests“ zum Einsatz kommen, so Bach, „man muss aufpassen, dass dies intelligent genutzt wird und darf damit nicht in die Luft schießen.“

Mehrfaches Auftauen beeinflusst den Prozess

Mit dem neuen Verfahren war Radprofi Stefan Schumacher bei nachträglichen Untersuchungen der Tour-de-France-Proben zweimal positiv getestet worden. Professor Fritz Sörgel vom Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg begrüßte die Offensive des IOC, hält aber eine gezielte Nachüberprüfung für besser. „Dazu sind die Proben zu wertvoll, das Probenmaterial ist begrenzt“, sagte der Doping-Experte.

Ein möglicher Orientierungspunkt seien die Blutwerte. „Da wo der Verdacht vorlag, der Nachweis aber noch nicht möglich war, sollte man nachprüfen.“ Unklar ist, ob die in Peking genommenen Proben in einem Stück oder in mehreren Portionen eingefroren worden sind. Mehrfaches Auftauen beeinflusst den Prozess, die gerichtliche Verwertbarkeit wird infrage gestellt.

„Das kann noch ein böses Erwachen geben

Ulrike Spitz stellte für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) fest: „Wer betrügen will, muss wissen, dass er auch später noch überführt werden kann. Das wird ihm jetzt klar gemacht.“ Auch Christa Thiel, Sprecherin der deutschen Fachverbände und Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), zeigte sich erfreut über die IOC-Initiative: „Das dient der Glaubwürdigkeit. Wer in der Vergangenheit nicht erwischt worden ist, kann sich nicht mehr sicher fühlen. Die, die sauber sind, werden massiv unterstützt, die, die manipulieren, werden überführt.“ Für Schwimmer und Olympia-Starter Thomas Rupprath ist jetzt schon klar: „Das kann noch ein böses Erwachen geben.“

Schumacher bekommt Etappensiege wohl aberkannt

Unterdessen wies UCI-Chef Pat McQuaid die Überlegung Bachs, dem Radsport eventuell „eine olympische Denkpause“ zu verordnen, scharf zurück. (Siehe: Bach: „Olympische Denkpause für den Straßenradsport“). „Es ist völlig inakzeptabel für Thomas Bach, dies zu sagen“, sagte McQuaid. Es gebe auch andere Sportarten mit andauernden Problemen. „Anstatt den Radsport unter Beschuss zu nehmen, sollte er genauso auch diese unter Beschuss nehmen“, sagte der Präsident des Weltverbandes UCI.

Nach seinen beiden positiven A-Proben droht Stefan Schumacher derweil die Aberkennung seiner Zeitfahrsiege bei der Tour de France. „Es ist klar, dass wir diejenigen, die betrogen haben, nicht länger als Gewinner betrachten können“, sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Aber nur der französische Radsport-Verband könne Schumacher sowie den Italienern Riccardo Ricco und Leonardo Piepoli, die ebenfalls positiv auf das Epo-Präparat Cera getestet worden waren, deren insgesamt fünf Etappensiege aberkennen, sagte Prudhomme der Nachrichtenagentur AP. Schumacher hat bislang stets Doping bestritten.

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