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Dopingaffäre Ullrich T-Mobile entläßt Pevenage

09.07.2006 ·  Der T-Mobile-Rennstall hat seinen bisherigen sportlichen Leiter Rudy Pevenage rückwirkend zum 30. Juni entlassen. Gegen den Belgier und Jan Ullrich tauchten in der Dopingaffäre weitere belastende Details auf.

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Unter dem Eindruck der Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden im spanischen Dopingskandal hat T-Mobile-Manager Olaf Ludwig den bis zum Ende des Jahres befristeten Vertrag mit seinem Sportlichen Leiter Rudy Pevenage rückwirkend zum 30. Juni beendet: „Er hat die Kündigung“, sagte Ludwig am Sonntag.

Bei T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich, der vor dem Tour-Start wegen seiner Verwicklungen suspendiert wurde, ist der vorläufige Schlußstrich offensichtlich schwieriger zu ziehen. In den Verhandlungen der Anwälte beider Parteien geht es wahrscheinlich nur noch um die Regelung der Bezüge.

Ullrich soll „reinen Tisch“ machen

Weitere belastende Gegen Ullrich und Pevenage waren am Wochenende weitere belastende Details aus den Ermittlungsakten der Guardia Civil aufgetaucht. In einem abgehörten, Pevenage zugeschriebenen Telefonat mit dem Mediziner Eufemiano Fuentes, der den Handel mit manipuliertem Blut geleitet haben soll, bedankt sich der Belgier für die „Lieferung“. Die Handynummer Pevenages, der Ullrich seit 1995 als väterlicher Freund begleitet, ist bei mehreren mitgeschnittenen Telefonaten registriert. Die von Fuentes benutzten Codes „Jan“, „Rudis Sohn“ und „Dritte Person“ werden Ullrich zugeschrieben.

Eine Rückkehr des Radprofis als Fahrer ins Team scheint unmöglich. Ehemalige Mannschaftskollegen und auch der angeblich geläuterte Schotte David Millar, dessen zweijährige Dopingsperre eine Woche vor dem Tour-Start auslief, rieten Ullrich dringend, „reinen Tisch“ zu machen.

Die „dritte Person“ hat gewonnnen

Kommunikationsleiter Christian Frommert bestätigte am Sonntag, daß auch eine Vereinbarung, die Ullrich eine Weiterbeschäftigung im Konzern nach dem Ende seiner sportlichen Karriere garantierte, auf dem Prüfstand stehe. Zum weiter schwebenden Verfahren gibt es bis dato weder von T-Mobile noch von den Anwälten Ullrichs oder Pevenages offizielle Stellungnahmen zu den Vorwürfen, die durch die Einsicht in die Polizeiakten immer konkreter und schwerwiegender werden. Ullrich-Manager Wolfgang Strohband sagt weiter: „Uns liegt nichts Offizielles vor.“

„Der Spiegel“ veröffentlicht an diesem Montag allerdings weitere Details. Ein von der Guardia Civil dokumentiertes Telefonat ist vom 18. Mai datiert, als Ullrich beim Giro d'Italia überraschend das Zeitfahren in Pontedera gewann. Pevenage teilte Fuentes verschlüsselt mit: „Die ,dritte Person' hat ein Zeitfahren gewonnen.“ Zwei Tage später bittet Pevenage „um mehr“. Im Aktenzeichen CO.PP. 4293/06 kommt auch die Mitteilung, offensichtlich von Pevenage an Fuentes, vor: „Wir müssen noch über den Termin im Juni reden.“ Ullrich gewann im Juni die Tour de Suisse dank eines überzeugenden Zeitfahrens. Das Tandem Ullrich/Pevenage soll sich mit manipulierten Blutkonserven, Wachstumshormon und Testosteron versorgt haben.

Auch Jörg Jaksche (Codename „Bella Jorg“) wurde abermals als Fuentes-Kunde ins Spiel gebracht. Über den Ansbacher Radprofi des inzwischen aufgelösten Rennstalls Liberty Seguros existiert laut Polizeiakten eine Fernsehaufnahme über einen Besuch bei Fuentes vom 14. Mai. Vor der Tour hatte Jaksche erklärt: „Ich hatte keine Verbindung zu Fuentes“, und es sei „unmöglich, daß von mir Aufnahmen existieren“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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