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Dopingaffäre Jan Ullrich droht auch Funktionsverbot

05.04.2007 ·  „Die Tatsache, dass jemand sein Blut in großer Menge gelagert hat, ist ein starkes Indiz, das auf Eigenblut-Doping hindeutet“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Jan Ullrich steht vor dem lebenslangen Ausschluss aus dem Radsport.

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Unabhängig von den weiteren Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft steht Jan Ullrich vor dem lebenslangen Ausschluss aus dem Radsport. „Die Tatsache, dass jemand sein Blut in großer Menge gelagert hat, ist ein starkes Indiz, das auf Eigenblut-Doping hindeutet“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Gleichzeitig hat der Heidelberger Dopingexperte Professor Werner Franke die für Ullrichs früheres Team T-Mobile zuständigen Ärzte der Uniklinik Freiburg gegen den Vorwurf verteidigt, mögliche Manipulationen beim Toursieger von 1997 fahrlässig übersehen zu haben. „Das moderne Dopingsystem ist von Fachmedizinern so angelegt, dass es Kollegen austricksen kann“, sagte der Molekularbiologe. Auch er selbst sei schon getäuscht worden, bekannte Franke: „Die andere Seite arbeitet eben sehr professionell.“

Danckert will Anhörung Ullrichs im Bundestag

Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD), hatte für Mai eine Anhörung zum Fall Ullrich angekündigt, zu der neben dem früheren Radprofi insbesondere auch die Freiburger Mediziner geladen werden sollten. Laut Bach liege gemäß den Regeln der Welt-Antidoping-Agentur WADA und des Welt-Radsportverbandes UCI vor einem Sportgericht die Beweispflicht beim Athleten, dass sein Blut nicht zum Zweck der Manipulation deponiert wurde: „Er müsste überzeugende medizinische Argumente bringen, um einer Bestrafung zu entgehen“, stellte Bach als Vorsitzender der Juristischen Kommission des IOC klar.

Sollte Ullrich den Dopingverdacht nicht entkräften können, erwartet ihn als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre. Sie würde nicht nur seine Karriere als Profi betreffen, die der 33 Jahre alte Ullrich vor fünf Wochen beendet hat, sondern gelte auch für Funktionen als Teamchef oder Sportlicher Leiter. Ullrich war wegen „Medikamenten-Missbrauchs“ bereits 2002 für sechs Monate gesperrt worden.

Doping-Netzwerke haben erstklassige Labors

Gegen Danckerts Plan zur Anhörung im Bundestags-Ausschuss hat sich der sportpolitische Sprecher der FDP, Detlev Parr, ausgesprochen. „Sportausschuss-Sitzungen dürfen keinesfalls zu Tribunalen ausarten“, erklärte er. Das Gremium sollte sich zudem nicht in schwebende Verfahren einmischen, auch weil zu diesem Zeitpunkt keine Aussagen von Wert zu erwarten seien.

Franke betonte, er sei nicht grundsätzlich gegen eine solche Veranstaltung, da sie das Bewusstsein für das Thema Doping weiter schärfen könne: „Neue Erkenntnisse erwarte ich davon aber nicht.“ Der erfahrene Forscher kann durchaus nachvollziehen, dass man in Freiburg keine Doping-Hinweise gefunden habe: „Wenn sich einer im Ausland versorgen lässt, marschiert er ja nicht gleich am nächsten Tag zur Kontrolle bei den Teamärzten an. Wenn jemand an die Grenzwerte rangedopt wurde, finden sich vielleicht Auffälligkeiten - aber auch nur für kurze Zeit.“

„Manipulationen kommen früher oder später ans Licht“

Man dürfe auch nicht übersehen, dass die Doping-Netzwerke über erstklassige Labors und fundiertes Hintergrundwissen verfügten. Bei normalen Gesundheitskontrollen sei dann kein Nachweis über die Manipulationen mehr möglich: „Ich habe es selbst erlebt, dass ich auf eine falsche Fährte geführt wurde. Da hat man den Verdacht auf einen Tumor und denkt gar nicht an Doping.“ Auch sei die kombinierte Verabreichung verschiedener Substanzen inzwischen so perfektioniert, dass aussagekräftige Testergebnisse ausblieben: „Wenn man im bösen Sinne alles richtig macht, ist man schwer zu überführen.“

FDP-Sprecher Parr setzt dennoch auf die Fortschritte im Lager der Dopingjäger: „Jedem Spitzensportler muss am Beispiel Ullrich klar werden, dass Manipulationen früher oder später durch immer verfeinerte Kontrollmethoden ans Licht der Öffentlichkeit kommen werden.“ Er forderte Ullrich auf, sich endlich zu den Verfehlungen zu bekennen: „Damit könnte er einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Prävention gerade bei Nachwuchssportlern leisten.“

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