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Veröffentlicht: 27.01.2017, 08:11 Uhr

Neue Studie Doping-Wirkung im Schach belegt

Wenigstens Schach hielten Wissenschaftler lange für immun gegen Dopingmanipulation: Eine Studie mit erfahrenen Turnierschachspielern kommt nun zu einem anderen Ergebnis. Ein Psychiater rät zu schärferen Kontrollen.

von Stefan Löffler
© Rainer Wohlfahrt Leistungssteigernd? Der Läufer springt auch ohne Doping so hoch

„Wir empfehlen konsequentere Doping-Kontrollen im Turnierschach“, sagt der Psychiatrie-Professor Klaus Lieb mit Blick auf eine Studie der Universität Mainz, die in der Online-Ausgabe von „European Neuropsychopharmacology“ vorliegt. 39 erfahrene Turnierspieler absolvierten mehr als 3000 Testpartien mit 15 Minuten Bedenkzeit gegen ein Computerprogramm, das jeweils auf die Ranglistenzahl des Probanden eingestellt war, also so gut wie dieser spielte. Vor den Partien bekamen die Probanden Methylphenidat, Modafinil, Koffein oder ein Placebo, ohne dass sie wussten, was verabreicht wurde. War ein Wirkstoff im Spiel, nahmen sich die Probanden mehr Zeit, fanden stärkere Züge, verloren aber auch öfter die Kontrolle über die Bedenkzeit.

Nach Herausrechnen durch Zeitüberschreitung verlorener Partien punkteten Probanden, die einen Wirkstoff erhalten hatten, besser als mit Placebo. Die in den Schnellpartien gemessene Leistungssteigerung entsprach gemittelt 40 bis 50 Elo-Punkten. Dabei wirkten 200 Milligramm eines Narkoleptikums oder ADHS-Medikaments unwesentlich besser als eine Koffeindosis, die drei bis vier Tassen Kaffee entspricht. Doping-Kontrollen gibt es im Schach seit 2001.

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Einzelne Spieler verweigerten die Kontrolle, positive Tests sind nicht bekannt. Getestet wurde vorrangig wegen der Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee und um Sportzuschüsse zu erhalten. Dass Doping im Schach leistungssteigernd wirken könne, war bestritten worden. Auch die Initiatoren der Mainzer Studie hatten erwartet, die Unwirksamkeit zu belegen.

 
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