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Doping Phonak suspendiert Tyler Hamilton

23.09.2004 ·  Nur fünf Wochen nach dem Doping-Rücktritt von Oscar Camenzind hat der Schweizer Phonak-Rennstall einen neuen Fall. Noch glaubt die Teamleitung trotz der Suspendierung an die Unschuld vonTyler Hamilton.

Von Konrad Mrusek, Bern
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Noch wollen es die Eidgenossen nicht glauben, noch haben sie Tyler Hamilton, den Kapitän des Schweizer Phonak-Teams, nicht vom Rennrad geholt. Denn nur fünf Wochen nach dem Doping-Rücktritt von Oscar Camenzind wäre das eine veritable Velo-Krise. Erst will man das Ergebnis der B-Probe abwarten, die in einem Labor in Lausanne vorgenommen wird. Bei den meisten Skandalen im Radsport hat die zweite Probe nichts geändert, wurden Sünder nicht freigesprochen.

Trotz dieser fast schon ehernen Regel wollten Phonak und Hamilton am Mittwoch nicht klein beigeben: Der 33 Jahre alte Amerikaner, Sieger im olympischen Zeitfahren in Athen, beteuerte wortreich in Zürich seine Unschuld und versicherte: "Ich werde um meine Ehre kämpfen, bis ich keinen Dollar mehr habe." Er wurde dabei resolut unterstützt von Andy Rihs, dem Großaktionär des Hörgeräte-Herstellers Phonak. Dieser bezeichnete Hamilton als Freund und sagte, er werde ihm beim "Kampf um Gerechtigkeit" bedingungslos zur Seite stehen.

Hoffen auf juristische Schlupflöcher

Der 62 Jahre alte Unternehmer Rihs, der Camenzind prompt fallenließ und auch bei zwei früheren Dopingaffären nicht lange fackelte, hat Hamilton zunächst lediglich suspendiert. "So weit seine Schuld noch nicht bewiesen ist, stehen wir zu ihm. Aber die Fakten sprechen im Moment gegen ihn. Sollte auch die B-Probe positiv sein, werden wir ihn entlassen", sagte der Phonak-Chef. Andererseits sieht er offenbar eine Chance, mit juristischen Mitteln gegen einen positiven B-Test vorzugehen.

"Ein Wahrscheinlichkeitstest ist nicht akzeptabel", sagte Rihs im Schweizer Rundfunk. Der Nachweis von zugeführtem Fremdblut zur Leistungssteigerung gilt als neues und vielleicht noch nicht gut erprobtes Verfahren. Offenbar hoffen Rihs und Hamilton, daß Anwälte juristische Schlupflöcher finden, wie man Proben und Ergebnis in Zweifel ziehen kann. Schweizer Drogenexperten glauben zwar nicht, daß man dem angesehenen Labor in Lausanne Fehler nachweisen könne.

Bisher untadeliger Rennfahrer

Doch man wundert sich nicht, daß gerade dieser Fall so viel Widerstand mobilisiert: Gelänge endlich der Nachweis einer Zufuhr von Fremdblut, wäre dies nach der Entlarvung des synthetischen Hormons Erythropoietin (Epo) ein weiterer Durchbruch im Kampf gegen Doping. Es ist möglich, daß Hobby-Radler Rihs von der Unschuld seines bisher untadeligen Rennfahrers überzeugt ist.

Hamilton, der einst als Edelhelfer für Lance Armstrong fuhr, hat ein gutes Image. Er fuhr zum Beispiel mit Trauerflor, als sein Hund starb. Doch Rihs handelt gewiß nicht nur aus Menschenliebe, sondern auch aus Kalkül: Wenn er Hamilton nun widerstandslos opfert, dann wirkt das Phonak-Engagement 2004 erst recht wie eine Pleite. Der drittgrößte Hörgeräte-Hersteller der Welt, der 2.500 Leute beschäftigt, steckt acht Millionen Euro in das Team; davon zahlt Rihs - mit Partnern - die Hälfte aus privater Tasche. Gerade das Engagement von Hamilton sollte nach dem enttäuschenden Jahr 2003, als Phonak nicht einmal zur Tour de France durfte, die Wende bringen. Doch in diesem Jahr schied der Amerikaner bei der Tour verletzt aus, und nun ist sogar seine Goldmedaille in Gefahr.

Fürchtet der Großaktionär keine Image-Einbuße für Phonak? Vermutlich weiß Rihs nach drei Skandalen, daß der Werbeeffekt von Dopingaffären größer ist als der Schaden. Dazu braucht er bloß auf den Aktienkurs zu schauen, was er gewiß tut, weil er 13 Prozent des Kapitals besitzt. Der Wert der Phonak-Aktie hat sich seit einem Jahr verdoppelt. Während der Tour de France war der Kurs zwar niedriger, doch das lag allein an der schwachen Börse. Selbst nach dem Rücktritt von Camenzind ist der Kurs gestiegen. Am Mittwoch war er nur leicht schwächer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2004, Nr. 222 / Seite 31
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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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