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Doping Operación Puerto oder Der ewige Verdacht

14.10.2006 ·  In der spanischen Dopingaffäre häufen sich die Indizien gegen Jan Ullrich, die Ermittler kommen ihm mehr auf die Schliche. Die Vorwürfe gegen Ivan Basso lassen sich dagegen offenbar nicht erhärten. Vielleicht steigt der Italiener schon bald wieder aufs Rad.

Von Rainer Seele
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Jan Ullrich soll sich keinerlei Illusionen machen: Lorenz Schläfli wird nicht lockerlassen. Behauptet Schläfli. Er ist Geschäftsführer des Schweizerischen Radsportverbands und damit nach der Aufdeckung des spanischen Dopingnetzwerks zuständig für den Fall Ullrich. "Es zieht sich hin", sagt Schläfli zwar, aber er betont auch: "Wir lassen das nicht einfach unter den Tisch fallen."

Er ist ja auch überzeugt davon, daß man genug Beweise finden könne, "wenn man sich Mühe gibt". Manche tun es. Demnach liegt der deutschen Justiz inzwischen ein Protokoll der Guardia Civil vor. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" ist man nun in der Lage, Ullrichs Aufenthalte in Madrid zu dokumentieren. In der Stadt des Blutpanschers Eufemiano Fuentes, der den Deutschen seit 2003 versorgt und für seine Dienste neben Geld unter anderem ein Foto mit persönlicher Widmung erhalten haben soll.

Die Indizien häufen sich

Während sich die Indizien gegen Ullrich häufen, lassen sich die Vorwürfe gegen Ivan Basso offenbar nicht erhärten. Basso könnte damit plötzlich wieder aufs Rad steigen. Vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni) ist zumindest vorläufig keine Anklage zu erwarten; angeblich liegt Coni nichts Stichhaltiges gegen den Sieger des Giro d'Italia und vermeintlichen Fuentes-Kunden vor (Siehe auch: Dopingverdacht: Verfahren gegen Ullrich und Startverbot für Basso).

Die "Operación Puerto" oder Der ewige Verdacht: Die vermeintlich größte Betrugsgeschichte des Radsports hatte bisher kaum Folgen für jene Profis, die im Zentrum der Anschuldigungen stehen und im Sommer deswegen kurzfristig von der Tour de France ausgeschlossen worden waren. Hans-Michael Holczer beispielsweise, Macher des Teams Gerolsteiner, spricht von einer "unguten Situation" - trotzdem hofft er immer noch darauf, daß die spanische Affäre mit dem ehemaligen Frauenarzt Eufemiano Fuentes als einer der Schlüsselfiguren tatsächlich aufgearbeitet wird: "Ich glaube nicht, daß sie im Sande verläuft."

CSC wartet ab

In Sachen Basso bleibt der dänische Rennstall CSC, bei dem der Italiener unter Vertrag steht, vorerst wenigstens noch zurückhaltend - obwohl das Coni gewissermaßen freie Fahrt erteilt hat. Basso wird auf alle Fälle an diesem Samstag nicht bei der Lombardei-Rundfahrt starten. Sein dänischer Teamchef Bjarne Riis begründet dies damit, daß er nicht wisse, wie sich der Fall entwickle. Das Coni kündigte schließlich an, die Untersuchungen wiederaufzunehmen, falls neue Unterlagen vorlägen. In der Causa Ullrich aber scheint es in der Schweiz wie in Deutschland voranzugehen. Schläfli und seine Kollegen verfügen mittlerweile über beglaubigte Papiere aus Spanien; der Internationale Radsportverband (UCI) hat sie ihnen zukommen lassen.

Die Dokumente sind an die Fachkommission für Dopingbekämpfung des zuständigen Nationalen Olympischen Komitees weitergeleitet worden. "Ich denke, das ist ein Fortschritt", sagt Schläfli. Ein Verfahren gegen den in Scherzingen lebenden Ullrich ist jedoch noch immer nicht eingeleitet worden. Angeblich benötigen die Schweizer dafür zusätzliche Informationen über eine mögliche Verstrickung Ullrichs in Manipulationen. Sie wurden von der spanischen Polizei, aber auch von den deutschen Staatsanwaltschaften in Bonn und Hamburg angefordert, die ebenfalls gegen Ullrich ermitteln.

Blutbeutel mit der Aufschrift Jan

Mithin ist zwar ungewiß, wann Ullrich vor der Disziplinarkammer wird erscheinen müssen. Aber er wird kaum daran vorbeikommen. Laut "Süddeutscher Zeitung" sind Fuentes-Helfer von der spanischen Polizei beobachtet worden, wie sie in einem Madrider Hotel zwei Blutbeutel mit der Aufschrift "Jan" in einen Mülleimer warfen. Auch diese Blutkonserven, eingewickelt in eine Plastiktüte, wurden von der Polizei sichergestellt.

Schläfli beteuert, daß der Schweizer Verband keine Scheu habe, sich mit möglichen Verfehlungen eines prominenten Sportlers aus Deutschland auseinanderzusetzen - obwohl dies, da auch bei Ullrich kein positiver Dopingtest vorliegt, eine heikle Angelegenheit ist. "Wir sind dazu verpflichtet", sagt Schläfli, "wir haben keine Bedenken." Allerdings macht er doch darauf aufmerksam, daß der Arbeitseinsatz sehr hoch sei - so hoch, "daß wir zum Teil unserer eigentlichen Arbeit gar nicht mehr richtig nachkommen können". Ullrich bindet also die Kräfte, weswegen Schläfli nun auch die grundsätzliche Frage stellt, ob nationale Sportverbände überhaupt entsprechend ausgerüstet seien, "um solche Dinge durchzuführen". Er scheint daran ein wenig zu zweifeln.

Die Schweizer sind aber nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" nicht untätig geblieben. Per richterlicher Anordnung habe Ullrich eine Speichelprobe abgeben müssen. Mit dem genetischen Fingerabdruck ließe sich so ein Abgleich mit den in der Praxis von Fuentes gefundenen Blutkonserven herstellen, die den Verdächtigen laut Guardia Civil zuzuordnen sind. Schläfli könnte bald bekommen, worauf er so lange gewartet hat: fundamentale Ergebnisse der aufsehenerregenden "Operación Puerto".

Quelle: F.A.Z., 14.10.2006, Nr. 239 / Seite 33
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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