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Doping Mit voller Kraft in die Sackgasse

03.04.2005 ·  Der Cottbuser Radprofi Danilo Hondo wollte dem Schatten Erik Zabels davonfahren - jetzt droht nach dem Dopingverdacht das Karriereende.

Von Rainer Seele
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Er ist einen weiten Weg gegangen, um zur Sonne zu gelangen. Er verlegte, samt Freundin und kleiner Tochter, seinen Lebensmittelpunkt von Cottbus ins Tessin, nach Ascona. Er wechselte den Arbeitgeber, um in seinem Beruf einen wesentlichen Schritt voranzukommen. Danilo Hondo wollte auf die Überholspur gelangen, doch er ist dabei nun mächtig ins Schleudern geraten. Schlimmstenfalls werden die Zeichen für ihn sogar auf Stopp gestellt: Sollte sich der Dopingverdacht gegen Hondo bestätigen, muß der 31 Jahre alte Radprofi mit einer zweijährigen Sperre rechnen - ein solches Strafmaß würde wohl das Ende seiner Karriere bedeuten.

Als er noch für das Team Telekom fuhr, den Vorgänger von T-Mobile, wähnte sich der Sprinter, der in Anlehnung an den schillernden Italiener Mario Cipollini bisweilen auch „Lausitz-Cipollini“ genannt wurde, wie auf einem Traumschiff. Gut behütet und exzellent entlohnt. Aber auch eingeengt.

Suspendierte Galionsfigur

Selten hatte Hondo freie Fahrt, meist war er taktischen Zwängen unterworfen, mußte er Helferdienste verrichten für Erik Zabel, den anderen schnellen Mann in seiner Mannschaft. Die beiden Etappensiege beim Giro d'Italia im Jahr 2001 verdeutlichten sein außergewöhnliches Talent, doch auch sie brachten ihm nicht die gewünschte Führungsrolle ein. Er habe, zumindest in den großen Rennen, nie zeigen können, was in ihm stecke, sagte Hondo.

Der Unzufriedene hoffte auf Besserung beim Team Gerolsteiner. Seit 2004 fährt Hondo für die Equipe aus der Eifel, die ihn als Galionsfigur betrachtete - und jetzt, nach zwei positiven Proben, erst einmal suspendierte. Das Team Gerolsteiner mußte unverzüglich so handeln; in den Verträgen mit den Rennfahrern ist dies verankert.

Zweimal positiv getestet

Unlängst hatte Hondo, bekanntester deutscher Straßenfahrer nach Jan Ullrich und Zabel, noch davon gesprochen, besser denn je in eine Saison gestartet zu sein. Er hatte zwei Etappen bei der Murcia-Rundfahrt gewonnen, er war Zweiter beim Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo hinter dem Italiener Alessandro Petacchi geworden.

Seine Laufbahn schien tatsächlich deutlich belebt worden zu sein durch die neue Umgebung. Doch es scheint, daß dies allein offensichtlich nicht stimulierend genug gewesen ist für den ehrgeizigen Radprofi Hondo, der gleich zweimal positiv getestet wurde bei der Murcia-Rundfahrt, am zweiten und dritten Tag des Rennens.

Betroffenheit und Überraschung

Die Reaktionen darauf entsprachen den Gebräuchen der Branche: Sie waren bestimmt von Betroffenheit und Überraschung, von der Ankündigung, die Angelegenheit „lückenlos“ aufklären zu wollen. „Es ist nicht klar, was vorgefallen ist“, sagte Hans-Michael Holczer, Chef des Teams Gerolsteiner, das sich stets einer familiären, offenen Atmosphäre rühmte - und nun erstmals vehement mit dem Thema Doping konfrontiert wird.

Auch wenn sich der Italiener Davide Rebellin, Klassikerspezialist des deutschen Rennstalls, seit längerem schon mit Dopingvorwürfen auseinandersetzen muß. Sie haben mit dem Giro 2001 zu tun; gegen Rebellin gibt es deswegen ein schwebendes Verfahren.

Extrovertierter Typ

Der extrovertierte Hondo, der auch schon für Modeaufnahmen posierte und von sich sagt, ein Typ mit „gewissen charismatischen Eigenschaften“ zu sein, hatte große Pläne für dieses Jahr. Er behauptete, aus Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben und nun bewußter auf seine Stärken zu achten. Er wollte sie nicht zuletzt im Sommer bei der Tour de France ausspielen und auch im Herbst bei der Straßen-Weltmeisterschaft in Madrid.

Hondo redete bereits davon, in Spanien - sollte er in entsprechender Form sein - auch die Unterstützung Zabels zu erwarten, als Gegenleistung gewissermaßen für die Hilfe, die er seinem Kollegen bei der WM im vergangenen Jahr in Verona in nationalem Interesse gewährt hatte; Zabel wurde damals Zweiter hinter dem Spanier Oscar Freire.

„Unheimlich belastet“

In einem Interview mit dem „Tour“-Magazin beschrieb Hondo seine Empfindungen in diesem speziellen Fall so: „Es hat mich unheimlich belastet. Welche Chance ich weggeschmissen habe, Weltmeister zu werden.“ Es sei wichtig für ihn, sagte Hondo auch, daß die Öffentlichkeit und T-Mobile zur Kenntnis nähmen, was er für Zabel geopfert habe. „Ich glaube, auch Erik ist sich dessen bewußt.“

Wie es aussieht, wird sich Zabel vermutlich nicht revanchieren können. Bei dem Versuch, aus dem langen Schatten des Mannes aus Unna zu treten, könnte sich Hondo schließlich in eine Sackgasse manövriert haben. Man ist geneigt zu sagen: im Spurttempo.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.04.2005, Nr. 13 / Seite 23
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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