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Doping in der DDR Verharmlosendes Bekenntnis?

14.09.2010 ·  In seinem Buch „Zwei Seiten der Medaille“ gibt ein hoher Sportfunktionär aus DDR-Zeiten Doping-Praktiken in seinem Verband zu. Der Sprecher des Dopingopfer-Hilfe-Vereins, Uwe Trömer, spricht von Verharmlosung. Bei einer Lesung kam es zum Eklat.

Von Anno Hecker
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Der Sprecher des Dopingopfer-Hilfe-Vereins, Uwe Trömer, hat Aussagen des früheren Sportfunktionärs Thomas Köhler über das Dopingsystem der DDR als „unverschämte Lüge“ bezeichnet. „Herr Köhler schreibt, es habe Minderjährigendoping erst ab 16 Jahren, es habe keine schweren Nebenwirkungen gegeben und die DDR habe das Doping unter Kontrolle gehabt“, sagte Trömer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das Gegenteil war der Fall.“

Trömer ist ein staatlich anerkanntes Dopingopfer der DDR. Der Berliner reagierte mit seiner Aussage auf Köhlers Buch mit dem Titel: „Zwei Seiten der Medaille“, das am Donnerstag erscheint. Darin bestätigt der frühere Vizepräsident des Deutschen Turn-und Sportbundes der DDR zwar das (längst per Dokument bewiesene) flächendeckende Doping in der DDR. Unter anderem behauptet der siebzigjährige Rodel-Olympiasieger aber auch, dass „die Vergabe von Medikamenten unter strengster Beachtung der ärztlichen Sorgfaltspflicht“ erfolgt sei.

Nach Angaben der Deutschen Presseagentur schreibt Köhler: „Schwere gesundheitliche Zwischenfälle oder sogar Todesfälle passierten in der DDR nicht.“ Trömer verwies in diesem Zusammenhang auf die während der Dopingprozesse in Berlin vor gut zehn Jahren gerichtlich festgestellten Schäden bei gedopten Sportlern.

Köhlers Behauptung, Doping bei Minderjährigen sei grundsätzlich nicht gestattet gewesen und geschah „unter Beachtung des biologischen Reifegrades“, wertet Trömer als „Blödsinn. Ich kann beweisen, dass es anders war. Die Akten sind vorhanden und bekannt.“

Bei einer Lesung Köhlers war es am Freitag in Berlin zu einem Eklat gekommen, als Trömer seine Beweise vorlegen wollte. Köhler begründet das DDR-Doping mit dem Versuch, Chancengleichheit herzustellen. „Flächendeckend“ waren demnach auch die Dopingmaßnahmen in Westdeutschland. Köhler musste wegen seiner Beteiligung am Dopingsystem der DDR eine Geldbuße von 26.400 Mark zahlen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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