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Doping im Baseball Stoff aus Miami

Kurz vor Beginn der Baseball-Saison müssen sich die Amerikaner mit einem Doping-Skandal auseinandersetzen. Die Aufzeichnungen eines Mediziners belasten mehrere Profis der MLB.

© AP Vergrößern Vom Doktor notiert: Alex Rodriguez taucht als Doping-Konsument in den Aufzeichnungen eines Arztes auf

Der Februar ist ein guter Monat für Baseball, den amerikanischen Nationalsport. Im Februar erwacht die nordamerikanische Liga, die Major League Baseball (MLB), aus dem Winterschlaf. Die Klubs bereiten sich in Florida auf die Saison vor, die Fans picknicken unter Palmen neben den Spielfeldern. Doch in diesen Tagen scheint es so, als schrecke die MLB schweißgebadet aus einem Albtraum auf.

Drei Wochen vor den ersten Vorbereitungsspielen kämpft die MLB mit einem veritablen Skandal. Ein mutmaßlicher Doping-Arzt aus Miami soll prominenten Baseball-Spielern wie Alex Rodriguez (New York Yankees), Nelson Cruz (Texas Rangers) und Ryan Braun (Milwaukee Brewers) verbotene Substanzen verkauft haben. Die Liga wird nicht zum ersten Mal auffällig. In den neunziger Jahren, der sogenannten „Steroid Era“, hatten sich MLB-Größen Steroide gespritzt, was 2003 bei der Enttarnung des kalifornischen Labors Balco aufgeflogen war. Leiter Victor Conte hatte neben den Baseball-Stars auch Leichtathleten wie Marion Jones mit illegalen Präparaten versorgt. 2007 deckte eine Untersuchung des Senators George Mitchell weitreichende Doping-Praktiken in der Liga auf. Nun also der Fall in Miami. Die Ermittlungen laufen, doch ob und wie hart die Spieler bestraft werden, ist offen. Denn die Untersuchungen unterstehen nicht der nationalen Anti-Doping-Agentur Usada, die gerade den Rad-Betrüger Lance Armstrong gestürzt hat. Zuständig für den Anti-Doping-Kampf der MLB ist die MLB selbst. Solche Konstellationen haben bislang nirgendwo zu einem harten Vorgehen gegen Doping geführt.

Die Baseball-Familie hält zusammen

Der jüngste Fall in Miami ist brisant. Ein Mitarbeiter der mittlerweile geschlossenen Anti-Aging-Klinik „Biogenesis“ hatte der örtlichen Zeitung Notizbücher seines ehemaligen Chefs zugeschickt. In diesen Aufzeichnungen beschreibt Anthony Bosch, ehemaliger Leiter der Klinik, wie er Spieler, Trainer und Betreuer zwischen 2009 und 2012 mit Doping-Präparaten versorgte. Viele Baseball-Spieler und Trainer in Boschs Notizen haben eine gemeinsame Vergangenheit: die Baseball-Mannschaft der Universität Miami. Bosch hat alles aufgelistet: die Trainer, die Spieler, was er ihnen verschrieb (vor allem Testosteron-Cremes und Wachstumshormon), wie viel sie ihm dafür zahlten.

Viele Baseball-Größen nennt Bosch mit vollem Namen, wie Rodriguez (der Doping gestanden hat, aber nur bis 2003), Nelson Cruz und Ryan Braun. Die Verdächtigen stritten umgehend alles ab. Allein Braun behauptete vergangenen Mittwoch, er habe Bosch angeheuert, als Berater. Braun war 2011 positiv auf Testosteron getestet worden, er zweifelte den Test wegen eines Verfahrensfehlers (erfolgreich) an, und Bosch, so Braun, habe ihn dabei beraten. Dass Bosch damals mit Doping-Gerüchten in Verbindung gebracht wurde, wie der Fernsehsender „ESPN“ 2009 vermeldet hatte, störte Braun anscheinend wenig. Bosch vermerkte seine „Beratung“ mit Braun brav in seinem Notizbuch - mit dem Hinweis, Braun schulde ihm für die Konsultation „20 - 30K“, 20.000 bis 30.000 Dollar.

Die MLB hat nun ihre Ermittler nach Florida geschickt. Drastische Strafen oder Erkenntnisse über Hintermänner sind nicht zu erwarten. Seit 2007 unterhält die Liga das „Department of Investigations“, eine Art Privatdetektei, die auch Doping-Verstöße innerhalb der Liga untersuchen soll. Die Ermittler befragen Spieler, die positiv getestet wurden, über das Vergehen. Sie könnten Spieler auch anhand von Indizien sperren, zum Beispiel dank der Notizbücher im Fall Miami. Allerdings ist noch unklar, ob die Notizen als einziges Beweismittel ausreichen. Die Journalisten aus Miami zieren sich, die Unterlagen herauszurücken. Die MLB-Ermittler benötigen vermutlich Aussagen der vermeintlichen Doper, um diese zu sperren. Doch die Baseball-Familie hält zusammen, und die MLB hat kaum Mittel, das Schweigen zu brechen. Eine Kronzeugenregelung, die mildere Strafen vorsieht, wenn die Spieler auspacken, fehlt im Anti-Doping-Code der MLB. Wobei die Ermittler den Doping-Tätern ohnehin kaum entgegenkommen können: Die Sperre für Ersttäter beträgt 50 Spiele, ein Drittel der Saison.

Amerikanische Medien loben die MLB

Der Liga droht weiterer Ärger. Bis zur vergangenen Saison hatte die MLB lasch nach Doping-Substanzen gefahndet. Im Januar führte die Liga strengere Tests ein, unter anderem die Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie (IRMS), mit der sich synthetisches Testosteron seit vielen Jahren nachweisen lässt. „Wir haben das beste Testsystem im professionellen Sport“, behauptete MLB-Commissioner Bud Selig Anfang Januar. „Propaganda“, entgegnete Victor Conte. Conte, einst Drahtzieher der Balco-Affäre, gibt mittlerweile den Anti-Doping-Kämpfer, zumindest ist seine Expertise in Doping-Fragen relativ unumstritten. Conte kritisiert, dass die MLB ihr neues IRMS-Verfahren nur dann einsetze, wenn bei den üblichen Tests ein überhöhter Anteil des männlichen Geschlechtshormons Testosteron auftaucht. Das können die meisten Spieler laut Conte umgehen, indem sie kleine Dosen Testosteron nehmen, mit Hilfe von Salben oder Pflastern - und so ihren Testosteronspiegel im Gleichgewicht halten. Anthony Bosch, der Doping-Doktor, war spezialisiert auf dieses Mikro-Doping. „Die Spieler“, sagt Conte der Zeitung „USA Today“, „dopen noch immer, jeden Tag.“

Eine Liga, die ihren Anti-Doping-Kampf selbst bestreitet, ein lückenhaftes Testsystem - trotzdem loben amerikanische Medien die MLB: Immerhin gebe es Tests, anders als in der National Football League (NFL). Die hatte 2011 angekündigt, bald ein Verfahren einzuführen, das die Einnahme von Wachstumshormon erkennt. Passiert ist bisher nichts.

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Quelle: F.A.Z.

 
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