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Doping Hamburger Arzt schwer belastet

08.10.2006 ·  Der deutsche Radsport gerät durch eine neue Doping-Affäre weiter in Verruf. Der deutscher Radcross-Meister Johannes Sickmüller wurde von seinem Team suspendiert, gegen einen Hamburger Arzt will der BDR Strafanzeige stellen.

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Ein Zufall war das gewiß nicht: Am Samstag mußte sich der Querfeldeinfahrer Johannes Sickmüller in Hamburg einer Kontrolle durch die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) unterziehen. Sickmüller, der deutsche Meister, war zu diesem Zeitpunkt zu Hause, er darf ja vorerst auch keine Rennen mehr fahren.

Der Rennfahrer ist von seiner Mannschaft, dem Hamburger Stevens-Cross-Team, suspendiert worden: Sickmüller ist unter Dopingverdacht geraten: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sollen er und sein früherer Teamkollege Fabian Brzezinski von dem Hamburger Art Til Steinmeier mit Dopingsubstanzen versorgt worden sein. Es soll sich dabei um Epo, Anabolika und Synacthen gehandelt haben. Offenbar aufgrund dieser Anschuldigungen machte sich die Wada am Wochenende auf den Weg zu Sickmüller - eine zielgerichtete Operation also.

Deutscher Radsport weiter in Verruf

Eine positive Dopingprobe von Sickmüller existiert freilich nicht. Gleichwohl bringt diese Affäre den deutschen Radsport, bereits schwer erschüttert durch den Fall Jan Ullrich, weiter in Verruf. Gegen Steinmeier wurde inzwischen auch Anzeige erstattet - von dem Heidelberger Molekularbiologen und Dopingexperten Werner Franke, der in den aktuellen Dopingdiskussionen stets präsent ist. In Sachen Steinmeier glaubte Franke nun aktiv werden zu müssen wegen "Beihilfe zur Körperverletzung und zum Betrug an Krankenkassen sowie Verstoßes gegen Arzneimittelgesetz".

Die betroffenen Herren dementierten derweil, den branchenüblichen Reflexen folgend, heftigst: Sickmüller und Brzezinski behaupteten, mit Doping nichts zu tun zu haben, Steinmeier verwies auf seine Schweigepflicht. Dabei gibt es angeblich detaillierte Unterlagen über den vermeintlichen Mißbrauch. Ein ehemaliger Mitarbeiter Steinmeiers, ein junger Arzt, hatte unter Verletzung der Schweigepflicht Fotos von einem Computermonitor aufgenommen, auf dem Behandlungsdaten zu sehen sind, aus denen hervorgeht, daß die genannten Rennfahrer Dopingmittel bekamen.

„Der ist bis unters Dach voll“

Überdies ließ der Mann wissen, er sei von Steinmeier im vorigen Jahr gebeten worden, bei einem von Stevens organisierten Crossrennen die Dopingtests durchzuführen. Steinmeier habe dann zu ihm gesagt: Wenn Jens Schwedler pinkeln müsse, "dann machst du das, denn der ist bis unters Dach voll". Schwedler war einer der besten deutschen Cross-Spezialisten, inzwischen fungiert er als Teamchef von Stevens. Auch Schwedler weist jedwede Verstrickungen in mögliche Manipulationen zurück. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er am Sonntag, es sei "Schwachsinn, absoluter Humbug", von systematischem Doping bei Stevens zu sprechen. Auch sei Steinmeier nie offiziell "Teamdoktor" gewesen. Das hätte sich Stevens bei einem Jahresbudget von weniger als 200.000 Euro gar nicht leisten können.

Zu Steinmeier, den Schwedler für einen "sehr guten Arzt" hält, gab es dennoch einen direkten Bezug: Sein Name wurde im Jahr 2003 in einer Pressemappe des Cross-Teams erwähnt. Mittlerweile hat Schwedler die Athleten von Stevens allerdings angewiesen, sich von Steinmeier "fernzuhalten". Auch der Hamburger SV, für den Steinmeier ebenfalls tätig war, will die Zusammenarbeit mit dem Internisten vorerst einstellen.

Strafanzeige gegen Steinmeier

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) will an diesem Montag gegen Steinmeier über Sportdirektor Burkhard Bremer Strafanzeige unter anderem wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz stellen. In diesem Fall, sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping am Sonntag, könnte ein Arzt seine Rolle wohl fundamental falsch verstanden haben. Man müsse, sagte er, vor allem gegen die Hintermänner vorgehen. Der Verband, der unlängst schärfere Maßnahmen im Kampf gegen Doping beschlossen hat, kündigte außerdem an, daß gegen die beschuldigten Fahrer ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet werde.

Stevens ist derzeit in Belgien im Einsatz - nicht nur ohne Sickmüller, sondern auch ohne Brzezinski, der von der Equipe bereits im Sommer die Kündigung erhalten hatte. Dabei soll es jedoch nicht um Doping gegangen sein. Stevens trennte sich von Brzezinski, weil er nicht in die Gemeinschaft gepaßt haben soll. "Er ist schon immer ein Einzelgänger gewesen", sagt Schwedler. Über die Zukunft des Teams macht er sich angeblich keine Sorgen. Der Geldgeber, der auch Sponsor des BDR ist, will, so heißt es, trotz der Dopingdebatte seine Verpflichtungen weiterhin erfüllen. Schließlich, sagt Schwedler, gehe es ja auch nur um einen einzigen Sportler, der dazu noch kein einziges Mal positiv gewesen sei. Und überhaupt: "Wir sind definitiv nicht für Doping". Und während seiner Karriere, das beteuert Schwedler auch noch, habe er immer darauf geachtet, "daß alles vernünftig läuft". Danach sieht es auf alle Fälle in der jüngsten Angelegenheit nicht aus.

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