01.04.2009 · Der gesperrte Radprofi Kohl und sein ehemaliger Manager Matschiner belasten sich gegenseitig: „Ich habe von ihm Epo, Wachstumshormone und Testosteron bekommen“, sagte Kohl. Matschiner will aber nur geholfen haben, Eigenblut-Transfusionen durchzuführen.
Es war ein Empfang so gar nicht nach dem Geschmack von Stefan Matschiner. In der Nacht zum Dienstag wurde der österreichische Sportmanager, der in der vergangenen Woche von der ehemaligen Triathletin Lisa Hütthaler schwer belastet worden war, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Florida von Mitgliedern der „Sonderkommission Doping“ wegen „Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr“ und des „dringenden Verdachts der Weitergabe von Doping-Mitteln“ festgenommen.
Nach mehreren Stunden Befragung hatte der Sportmanager den ehemaligen Radprofi Bernhard Kohl schwer belastet. Matschiner habe eingestanden, dem ehemaligen Gerolsteiner-Profi geholfen zu haben, Eigenblut-Transfusionen durchzuführen. Bisher hatte Kohl, der bei der Tour-de-France 2008 das Trikot des besten Bergfahrers gewonnen hatte, nur zugegeben, mit dem Epo-Nachfolgepräparat Cera gedopt zu haben.
Epo, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron
Nach den Anschuldigungen durch seinen ehemaligen Manager hat Kohl wiederum ein umfassendes Dopinggeständnis abgelegt und Matschiner schwer belastet. „Ich habe von ihm Epo, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron bekommen. Außerdem hat er mir bei Blut-Transfusionen geholfen“, sagte Kohl am Dienstagabend. Zusätzlich gab der ehemalige Gerolsteiner-Profi an, Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen zu sein. Er sei mit Matschiner dreimal dort gewesen und habe dort Blutdoping gemacht. Erstmals habe er seit 2005, dem ersten Kontakt mit Matschiner, Doping betrieben und dafür an den Manager 50.000 Euro bezahlt.
Kohl erklärte, die letzte Bluttransfusion habe im September 2008 stattgefunden. Damit fallen die Vorwürfe gegen Matschiner in die Zeit, für die das im vergangenen Jahr verabschiedete österreichische Anti-Doping-Gesetz gilt. Danach kann Handel und der Besitz von verbotenen Substanzen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.
Kontakte zum Skandaltrainer Walter Mayer
Der 34 Jahre alte frühere Mittelstreckenläufer Matschiner hat einen illustren Bekanntenkreis. Ins öffentliche Bewusstsein geriet er 2008 als Manager von Kohl. Matschiner war auch Berater des dänischen Radprofis Rasmussen, der bei der Tour 2007 in Führung liegend aus dem Rennen genommen und später wegen Verstoßes gegen die Doping-Kontrollrichtlinien zwei Jahre gesperrt wurde.
Zu seinen Klienten gehörte auch der niederländische 3000-Meter-Hindernisläufer Simon Vroemen, der im Juli 2008 positiv auf das anabole Steroid Metandienon getestet wurde. Vroemen zählte zum Kundenkreis der Marketingagentur „International Sports Agency, die Matschiner mit Manfred Kiesl gegründet und bis 2004 gemeinsam betrieben hatte. Kiesl hat eine Vorgeschichte - der Ehemann der österreichischen Spitzenläuferin Theresia Kiesl war 2001 wegen Handels mit Anabolika zu einer Geldstrafe verurteilt worden.
Im Visier hatte man Matschiner auch wegen seiner Kontakte zum Skandaltrainer Walter Mayer. Der ehemalige Langlaufcoach war in Gewahrsam genommen worden wegen des Verdachts, gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen zu haben. Matschiner war bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin - auf Einladung von Mayer, dessen Anwesenheit eine Doping-Razzia im österreichischen Quartier in Pragelato auslöste und den größten Doping-Skandal bei Winterspielen heraufbeschwor.