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Doping-Affäre Der Nachwuchs bekam Testosteron vom Verbandsarzt

26.05.2007 ·  Radsport-Verbandsarzt Georg Huber hat gestanden, von 1980 bis 1990 Sportlern Dopingmittel verabreicht zu haben. Der Bund Deutscher Radfahrer und die Freiburger Uniklinik suspendierten den Arzt mit sofortiger Wirkung. Auch gegen U-23-Bundestrainer Peter Weibel werden Vorwürfe erhoben.

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Der langjährige Rad-Verbandsarzt Georg Huber hat die Verabreichung von Dopingmitteln zwischen 1980 und 1990 gestanden. Wie das Universitätsklinikum Freiburg mitteilte, habe Huber einzelnen Nachwuchsfahrern das leistungssteigernde Hormon Testosteron verabreicht. Der 64-Jährige wurde daraufhin mit sofortiger Wirkung suspendiert.

Huber habe nach eigenen Angaben so gehandelt, „um Schlimmeres zu verhüten“. Rektor und Klinikumsvorstand sehen sich durch dieses Geständnis in ihrer Politik der rigorosen Aufklärung bestätigt. Bis zu einer Aufklärung der Angelegenheit hatte der Klinikumsvorstand beschlossen, die weitere Betreuung von Leistungssportlern auch über den Radsportbereich hinaus auszusetzen.

Der Mediziner war seit 1980 unter anderem für die Ausstattung der deutschen Olympia-Apotheken zuständig. Seit 1986 engagierte er sich aktiv als Anti-Doping-Beauftragter des Behindertensportverbandes und seit vier Jahren in der Nationalen Anti-Dopingagentur (NADA). Huber war zudem Leitender Mannschaftsarzt der deutschen Olympiamannschaft bei den Winterspielen 2006 in Turin. Er betreute deutsche Athleten bei insgesamt sechs Olympischen Sommerspielen. Seit 1972 war er für Fahrer des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) zuständig, der ihn genau wie die NADA am Samstag ebenfalls suspendierte. Huber ist nach Andreas Schmid und Lothar Heinrich der dritte Freiburger Uni-Mediziner, der im Dopingskandal geständig ist.

Schwere Vorwürfe gegen Bundestrainer

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte Huber am Samstag nach einer Präsidiumssitzung in Frankfurt von seinen Aufgaben als Verbandsarzt entbunden. Das gab BDR-Präsident Rudolf Scharping im Anschluss an eine außerordentliche Präsidiumssitzung in Frankfurt bekannt.

Gegen Huber und den Rad-Bundestrainer der U 23-Junioren, Peter Weibel, waren nach den Doping-Geständnissen früherer Radprofis des Teams Telekom am Wochenende neue Doping-Vorwürfe erhoben worden. Sie beziehen sich auf Vorgänge aus den späten achtziger Jahren, als Weibel noch Cheftrainer der deutschen Radamateure war. Der 57 Jahre alte Mannheimer ist für Dienstag zu einem Gespräch ins Frankfurter Domizil des BDR „einbestellt“ worden.

Der ehemalige Radamateur Jörg Müller hat Weibel vorgeworfen, ihn 1987 bei der französischen Etappenfahrt Tour de l‘Avenir mehrmals mit Andriol versorgt zu haben – einem anabolen Steroid, das auf der Dopingliste steht. Auch der spätere Radprofi Christian Henn, der zu den geständigen Dopingsündern der vergangenen Tage gehört, behauptete gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, zu seiner Zeit als Amateur von Weibel Andriol und das ebenfalls verbotene Kortison verabreicht bekommen zu haben. Müller sagte dazu: „Uns war klar, dass die im Osten gedopt haben – also mussten wir auch was nehmen. Das Ganze lief damals in enger Abstimmung mit Professor Huber von der Uni Freiburg.“

BDR muss über Zabel-Start entscheiden

Dem Mediziner gegenüber hat der BDR nun, wie es in einer Pressemitteilung vom Samstag heißt, „auch im Interesse der Glaubwürdigkeit des Radsports und seines Anti-Dopingkampfs“ Konsequenzen gezogen. Mit Weibel wolle man „die Situation erörtern und im Lichte dieser Erörterung dann auch weitere Konsequenzen entscheiden“. Für die nächsten Tagen plant der BDR Anhörungen und Gespräche auch mit den Veranstaltern und Teams, mit denen der Verband 2006 gemeinsame Maßnahmen besprochen hatte.

Ob der geständige Dopingsünder Erik Zabel an der Rad-Weltmeisterschaft in Stuttgart im September dieses Jahres teilnehmen darf oder nicht, ist noch unklar. Um eine Entscheidung aber wird der BDR unter der Leitung des früheren SPD-Bundesvorsitzenden Scharping nicht herumkommen. Fällt sie politisch korrekt, also gegen eine Startgenehmigung für den jahrelang schnellsten Sprinter unter Deutschlands Radstars aus, oder bekommt der reuige Epo-Kurzzeitkonsument – Zabel gestand am Donnerstag eine Blutdoping-Versuchswoche während der Tour de France 1996 – seine sportliche WM-Chance?

BDR richtet einen Anti-Dopingfonds ein

Der BDR stellte nach seiner Präsidiumssitzung fest, dass er seine Trainer, Betreuer und Sportler schon vor den Doping-Geständnissen von Rolf Aldag und Erik Zabel angeschrieben und zur Stellungnahme „in der Dopingfrage“ aufgefordert habe. So viel sagte Scharping voraus: „Es wird keine pauschale Verurteilung geben, aber auch keinen pauschalen Freispruch.“

Dazu hat der BDR eine „unabhängige Kommission“ eingerichtet – mit „anerkannten Fachleuten“, die die „Vergangenheit aufarbeiten sollen, unser Anti-Dopingprogramm überprüfen und – falls erforderlich – Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses Programms machen“. Schließlich richtete der BDR einen Anti-Dopingfonds ein, in den „erhebliche Mittel“ der Wirtschaftspartner des Verbandes fließen sollen.

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