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Doping-Affäre Ahlmann Nichts gehört, nichts bemerkt, nichts gefragt?

14.08.2009 ·  Bei den Reitern fliegen weiter die Fetzen, die Landesverbände greifen die Spitzenfunktionäre an. Das Internationale Olympische Komitee aber hat in der Doping-Affäre Christian Ahlmann einen Schlussstrich gezogen.

Von Evi Simeoni, Berlin
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Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist fertig mit dem Springreiter Christian Ahlmann. Er wird mit sofortiger Wirkung aus den Ergebnislisten der Spiele von Peking gestrichen - die deutsche Nationenpreis-Mannschaft fällt damit vom fünften auf den neunten und letzten Rang zurück. Das beschloss die IOC-Exekutive auf ihrer Sitzung in Berlin. Wieder rutschte also eine Olympia-Equipe der deutschen Springreiter nachträglich die Rangliste hinunter.

Nach der Gold-Einbuße von Athen wegen der verbotenen Medikation von Ludger Beerbaums Hengst Goldfever muss diesmal wenigstens keine Medaille zurückgeschickt werden. Dafür ist der Prestigeverlust umso größer, denn es ging nicht nur um eine als eher lässlich empfundene Medikation, sondern um Doping, in diesem Fall sogar das Behandeln der Beine von Ahlmanns Pferd Cöster mit scharfer Salbe: Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) erhöhte die Doping-Sperre des Reiters in der Berufung deswegen auf acht Monate.

Zwar ist Ahlmanns Sperre bereits am 20. April abgelaufen. Doch die Wirkung seines Doping-Falls auf die deutsche Reiterei hält immer noch an. Am Mittwoch flogen bei einem Krisentreffen am Frankfurter Flughafen zwischen der Führungsspitze der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und den Präsidenten der neunzehn Landesverbände die Fetzen. „Kontroverse Diskussion“, nennen die Beteiligten das im Nachhinein. Die reiterlichen Landesfürsten warfen den Leistungssport-Funktionären der FN verantwortungsloses Verhalten in Doping-Fragen vor.

„Die Verantwortlichen sagen, sie hätten nichts bemerkt“

Richtig explosiv wurde die Mischung aus offengelegtem Doping und heimlichem Treiben durch die Vorkommnisse um Marco Kutschers Schimmelhengst Cornet Obolensky, der im Stall von Hongkong in der Pause zwischen den beiden Nationenpreis-Umläufen nach einer Stärkungsspritze zusammenklappte. Auf der Stallgasse befanden sich nach Aussagen von Augenzeugen Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau, der damalige Generalsekretär Hanfried Haring und Sportchef Reinhard Wendt, der nach eigenen Angaben einen „Rums“ hörte, die Geschehnisse allerdings für harmlos hielt.

„Wenn ich in der Stallgasse bin und einen Rums höre, bin ich als Verantwortlicher sofort dabei“, sagt Peter Danckert, der als SPD-Politiker dem Sportausschuss im Deutschen Bundestag vorsteht und zudem im Ehrenamt Präsident des Landesverbandes Pferdesport Berlin-Brandenburg ist. „Aber die Verantwortlichen sagen, sie hätten nichts bemerkt, nichts gehört und später auch nicht nach den Ursachen gefragt.“ Danckert beklagt, monatelang seien weder die Landesverbände noch das gesamte Präsidium über die Vorkommnisse informiert worden. „Woran liegt das?“ Klaus Martin Rath, der Vorsitzende des hessischen Verbandes, umreißt die Forderungen vorsichtig so: „Wir wollen Empfehlungen geben, wie der Charakter und die Struktur des Leistungssports geändert werden sollten.“

Im Klartext ist dies ein Angriff auf den Alleinvertretungsanspruch des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR), der Leistungssport-Abteilung des Verbandes. „Wir wollen, dass sich die Landespräsidenten stärker in aktuelle Situationen einschalten können“, erklärt Danckert. Doch davon will die Zentrale in Warendorf nichts wissen. Sönke Lauterbach, der neue Generalsekretär, winkt ab: „Die Dressur-Equipe kann nicht direkt von den Verbänden aufgestellt werden, gerade dazu sind die Gremien geschaffen und von diesen gewählt.“ Tatsächlich sind die Leistungssport-Ausschüsse durch die DOKR-Mitgliederversammlung genehmigt, der wiederum auch die Landespräsidenten angehören.

„Wer im Kader ist, muss auch wieder nominierungsfähig sein“

Trotzdem wurde die Forderung laut, Peter Hofmann, der als Vertreter der Veranstalter im FN-Präsidium sitzt und gleichzeitig Vorsitzender des Springausschusses ist, müsse zurücktreten. Ihm wird angelastet, dass in der erweiterten Meldeliste für die Europameisterschaften, die in anderthalb Wochen in Windsor beginnen, der Name Marco Kutscher auftaucht. Gegen ihn ermittelt der Weltverband wegen der Medikation von Cornet Obolensky in Hongkong. Allerdings hatte die vom Deutschen Olympischen Sportbund eingesetzte Kommission, die sämtliche Spitzenreiter auf ihre Kaderfähigkeit überprüft, keine Einwände gegen Kutschers Rückkehr in den sportlichen Elitekreis geäußert. „Wer im Kader ist, muss auch wieder nominierungsfähig sein“, sagt Lauterbach.

Die Auseinandersetzungen zeigen, dass die Kluft zwischen Basis und Verbandsspitze der deutschen Reiterei immer tiefer wird. Die Landespräsidenten beklagen - gemeinsam mit den Veranstaltern - den gesellschaftlichen Prestigeverlust ihres Sports. Die ausgesetzten Verhandlungen über einen Fernsehvertrag mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten machen die Branche nervös. Eine sechsköpfige Arbeitsgruppe, der auch Rath und Danckert angehören, will dem FN-Präsidium noch vor dem Jahresende einen Katalog von Empfehlungen vorlegen. „Unser Sport lebt von der Sympathie für die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd“, sagt Rath. Die hat nach Ansicht der Landespräsidenten durch laxen Umgang der Spitzensportler mit den Doping-Regeln und das Wegsehen der Spitzenfunktionäre schwer gelitten.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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