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Verbandspräsident Weigert : „Karate ist auf dem Weg zur sozialen Nummer eins“

Nachwuchsprobleme gibt es nicht: Früh übt sich, wer eine Meisterin im Karate werden will. Bild: AP

Karate bewirbt sich um die Aufnahme für Olympia 2020. Wolfgang Weigert, der Präsident des deutschen Verbandes, spricht im F.A.Z.-Interview über die Chancen, besondere Werte und den Nachwuchs.

          Sie sind Präsident des Deutschen Karateverbandes und in der Exekutive des Weltverbandes. Sagen Sie uns: Werden wir bei Olympia 2020 in Tokio auch Karatekämpfe sehen?

          Das liegt nicht in unserer Macht. Die Ausrichterstadt hat fünf neue Sportarten vorgeschlagen, dabei würden von 18 Medaillenentscheidungen acht an Karate gehen. Die endgültige Entscheidung darüber fällt aber erst die IOC-Session im August 2016 in Rio de Janeiro.

          Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, dass es Karate in den Wettkampfkalender schafft?

          Ich bin sehr optimistisch. Wir sind dreimal ganz knapp gescheitert und erfüllen eigentlich alle Voraussetzungen, die das IOC wünscht: einen großen Frauen-, Kinder- und Jugendanteil, Medaillenchancen im Hinblick auf den afrikanischen Kontinent. Und wir haben 190 Mitgliedsnationen und an die 50 Millionen Sportler weltweit. Das sind stolze Zahlen, da wäre es eigentlich jetzt an der Zeit, dass man uns eine Chance gibt.

          Oft ist von olympischen Werten die Rede. Was kann Karate da abseits des rein Sportlichen ins Feld führen?

          Ich bin mit Karate auf dem Weg zur sozialen Nummer eins. Aus fünf Gründen: erstens, der evaluierte Gesundheitssport. Dieser Bereich nimmt bei uns eine immer dominantere Stellung ein. Es gibt Studien mit signifikanten Ergebnissen, die zum Beispiel beweisen, dass Karate zum Rückgang von Depressionen führt. Punkt zwei: Alle sind gleich, nur der Trainingsfleiß entscheidet, nicht die Herkunft oder das Geld. Drittens: Karate ist ein sozialer Sport und für jeden erschwinglich. Ich kann sogar auf Wüstensand trainieren. Der vierte Punkt ist der gegenseitige Respekt. Jeder muss sich vor dem anderen verbeugen, um seinen Respekt zu bekunden, sonst wird man disqualifiziert. Auch ein Iraner vor dem Israeli und umgekehrt. Der fünfte und entscheidende Punkt: In jedem Alter, auch noch mit 70, 80 Jahren und mit jedem Handicap, ist Karate erlernbar. Ich sage daher: Wir sind auf dem Weg zur sozialen Nummer eins.

          Was meinen Sie damit?

          Im Endeffekt ist Karate für jeden auf dieser Welt erlernbar, mit jedem Handicap und jeder sozialen Herkunft. Karate ist in vielen Ländern ein Volkssport. In diesem Sinne ist Karate eine unterschätzte Sportart.

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          Karate ist im Ausrichterland Japan sehr beliebt. Glauben Sie, dass der Sport auch über eine mögliche Teilnahme 2020 hinaus Perspektiven auf Olympia hat?

          Die Entscheidung über die Aufnahme ins olympische Programm 2024 fällt schon 2017, also ein Jahr später bei der IOC-Session in Lima, gemeinsam mit der Entscheidung über den Austragungsort. Hier rechne ich mir auch sehr große Chancen aus. Wir haben bewiesen, dass wir es können. Zum einen mit der erfolgreichen Weltmeisterschaft in Bremen 2014. Zum anderen auch bei den Kontinentalspielen in Baku. Dort haben wir unter olympischen Bedingungen unsere Wettkämpfe zur vollsten Zufriedenheit der Veranstalter und des Europäischen Olympischen Komitees durchgeführt.

          Wie wichtig wäre vor diesem Hintergrund eine Olympia-Teilnahme für den Karatesport in Deutschland?

          Für die Leistungssportler wäre es absolut wichtig, gerade im Hinblick auf einen Sponsor, denn wir haben keinen. Für die Breitensportler weniger: Taekwondo ist seit 2000 olympisch und hat zwei Drittel weniger Mitglieder als wir mit 168.000. Olympia hat Taekwondo, was den Breitensport betrifft, eigentlich nichts gebracht.

          … und für die Nachwuchsgewinnung?

          Karate hat in der Regel keine Probleme, Nachwuchs zu werben. Der Name Karate zieht, wir haben einen sehr guten Nachwuchs. Wir müssen uns jetzt unabhängig von der Olympia-Entscheidung vorbereiten auf 2020 und hoffentlich auch auf 2024. Wir investieren deshalb als Verband entsprechende Mittel, weil wir natürlich weiterhin als nichtolympische Sportart eingestuft werden. Der französische Karateverband zum Beispiel bekommt vom Staat über vier Millionen Euro. Davon können wir nur träumen, wir bekommen nicht einmal einen Bruchteil dessen. Daher ist Frankreich auch eine der führenden Karatenationen in Europa.

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