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Veröffentlicht: 11.11.2012, 19:09 Uhr

Djokovic im Finale Mit dem letzten Tropfen Sprit

Der Weltjahresbeste steht im Endspiel der Tennis-WM: Novak Djokovic bezwingt im Halbfinale den Argentinier Juan Martin del Potro in drei Sätzen. Dort trifft er auf Roger Federer.

von Doris Henkel, London
© dpa Lieblingspose von Djokovic: Spiel, Satz und Sieg - Finale erreicht

In diesem Stadium des Jahres, beim letzten großen Tennisturnier, bestehe die Herausforderung vor allem darin, irgendwie auch den letzten Tropfen Sprit zu nutzen, sagte Novak Djokovic vor ein paar Tagen in London, und er sah ziemlich müde dabei aus. Nun, während des Halbfinales Sonntagnachmittag in der Londoner O2 Arena beim Turnier der Besten sah es eine Weile lang so aus, als habe sein Gegner Juan Martin Del Potro die Hand am Reservehahn und müsse nur noch zudrehen, um das Spiel zu gewinnen.

Doch im entscheidenden Moment lockerte der Argentinier den Griff, ein entscheidender Rest von Energie floss in Djokovics Spiel, und das reichte zum Sieg. Er gewann 4:6, 6:3, 6:2, erreichte damit zum zweiten Mal in seiner Karriere das Endspiel des ATP -Tour-Finales uns wahrte damit seine Chance, das Jahr so zu beenden, wie er es in Australien begonnen hatte - mit einem großen Titel. Im Endspiel steht ihm allerdings Roger Federer im Weg. Der Schweizer Superstar bezwang am Sonntagabend im Halbfinale in London den britischen
Olympiasieger Andy Murray mit 7:6 (7:5), 6:2. Damit kommt es am
Montag zum Endspiel zwischen dem Schweizer und dem serbischen
Weltranglistenersten Novak Djokovic. Gegen Murray nahm Federer
Revanche für die zwei Niederlagen zuletzt im Olympia-Finale und dem Semifinale von Schanghai und verbesserte seine Bilanz auf 9:10  gegen den US-Open-Champion. In der O2-Arena könnte Federer beim Turnier der acht Saisonbesten einen Titel-Hattrick perfekt machen.

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Del Potro gilt seit Jahren als aussichtsreichster Kandidat, die vier an der Spitze der Tennis-Weltrangliste zu erschrecken, und wäre er nicht zwischendurch lange verletzt gewesen, dann hätte er das sicher auch noch öfter getan. Gerade erst dieser Tage hatte man wieder gesehen, was möglich ist. Vor zwei Wochen besiegte er Roger Federer im Finale des Turniers von Basel, und das gleiche gelang ihm am Wochenende in London im letzten Vorrundenspiel. Die Statistiker notierten zum ersten Mal seit zehn Jahren zwei Niederlagen des Schweizers in der Halle nacheinander gegen denselben Gegner.

Die zweite Niederlage machte Federer nicht allzu sehr zu schaffen, denn der war zu diesem Zeitpunkt schon fürs Halbfinale qualifiziert. Einem anderen dagegen umso mehr. Für Federer und Del Potro standen nach den Gruppenspielen ebenso zwei Siege zu Buche wie für David Ferrer, der hatte von den dreien allerdings das schlechteste Satzverhältnis und schied damit aus. Das Pech des Spaniers mache ihm mehr aus als die eigene Niederlage, sagte Federer hinterher. Ferrer fand´s auch nicht lustig; enttäuscht packte er die Sachen und machte sich auf den Weg nach Prag, wo er am kommenden Wochenende mit seinen Spaniern den Davis Cup gegen Tschechien verteidigen will, bekanntlich ohne Rafael Nadal.

ATP World Tour Finals 2012 © dpa Vergrößern Selbstironischer Del Potro: Drei große Namen und ein großer Kerl

So trafen sich am Sonntag dieselben Kandidaten im Halbfinale wie vor drei Monaten diverse Kilometer südwestlich, in Wimbledon beim olympischen Tennisturniers: Djokovic und Del Potro, Federer und Murray. Was der sonst nicht unbedingt zu plakativen Sprüchen neigende Argentinier sehr treffend und hübsch so beschrieb: „Drei große Namen und ein großer Kerl.“

Del Potro hatte die Chance - und wich zurück

Während draußen die Sonne vom wolkenlosen Himmel schien, erlebte der blaue Planet des Tennis in der bis unters Dach gefüllten Arena, wie Djokovic stark begann, dann sichtlich schwächer wurde und offenbar nicht mehr die Kraft hatte und nicht mehr schnell genug auf den Beinen war, um sich gegen Del Potros „Laserstrahlentennis“ zu wehren.

Der Argentinier gewann den ersten Satz, ging auch im zweiten schnell mit einem Break 2:1 in Führung, und in dieser Phase sah es nicht mehr gut für Djokovic aus. Doch er wich zumindest nicht zurück. „Bei dem Niveau, das wir im Moment haben, ist es normal, nicht immer zu gewinnen“, hatte er kürzlich in einem Interview mit dem Magazin der französischen Sportzeitung „L´Équipe“ gesagt. „Es bleibt dir nichts anderes übrig, als konstant weiterzuspielen und zu versuchen, an deine Möglichkeiten zu glauben.“

22108993 © AFP Vergrößern Zur Stelle, als der andere schwächelt: Djokovic

Genau das tat er, und so war er sofort wieder zur Stelle, als der andere unverständlicherweise den Griff am Reserveschalter lockerte. In dem Moment, als es darauf angekommen wäre, weiter Druck zu machen, wich Del Potro zurück. Djokovic glich aus, gewann gut eine Viertelstunde später den zweiten Satz, ging im dritten gleich in Führung, und in einer Mischung aus Effizienz und Entschlossenheit brachte er das Werk zu Ende.

Zum zweiten Mal wird Djokovic nun an diesem Montag im Finale des Turniers der Besten spielen, und er hätte sicher nichts dagegen, wenn sich der Kreis dann ebenso schön schlösse wie vor vier Jahren.

Quelle: FAZ.NET

 

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