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Diskussion um E-Sport : Fußball ist kein Ballerspiel

Tim Schwartmann vom FC Schalke 04 beim Computerspielen im Fußballtrikot: Ist es Sport? Bild: dpa

Die Ablehnung „fußballbezogener“ Varianten im digitalen Bereich nimmt ab. Viele Fußballklubs betreiben selbst eine E-Sport-Abteilung. Doch gegen bestimmte Spielformen bezieht der DFB weiter Stellung.

          Hans Jagnow hat sein Ziel erreicht, jedenfalls eines von vielen. Erst vor einem halben Jahr hatte sich der Berliner zum Präsidenten des im vergangenen November neugegründeten deutschen E-Sport-Bundes (ESBD) wählen lassen und in seiner damaligen Antrittsrede angekündigt, die Debatte um den Stellenwert der digitalen Ertüchtigung in der Gesellschaft sowie der deutschen Sportlandschaft auf ein neues Level zu hieven. Das ist dem Juristen mehr als gelungen: Im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD wurde die Förderung des E-Sports explizit erwähnt. Und mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) haben sich mittlerweile selbst die beiden größten Sportverbände des Landes zumindest auf die Diskussion eingelassen – nachdem sich ranghohe Vertreter beider Seiten zunächst sehr skeptisch und zum Teil sogar polemisch gegenüber E-Sport und seiner Verbindung zum „echten“ Sport geäußert hatten.

          Zahlreiche Profiklubs der Fußball- und Basketball-Bundesliga betreiben mittlerweile eine E-Sport-Abteilung – zuletzt erklärten Hertha BSC Berlin und die Basketball-Sparte des FC Bayern, E-Sportler bei sich aufzunehmen. Während sie die digitalen Sportler vor allem aus Vermarktungsgründen in ihren Vereinstrikots vor die Konsole setzen, ließ es den DFB bis zuletzt unbeeindruckt, dass sich allein in Deutschland schon ein Viertel der 14- bis 49-Jährigen für E-Sport interessieren und die Branche pro Jahr ähnlich viel Geld umsetzt wie die Basketball-Bundesliga oder die Deutsche Eishockey Liga.

          Noch im März hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärt, E-Sport sei für ihn kein Sport und Fußball werde auf dem grünen Rasen statt an der Konsole gespielt. Insgesamt stünde die digitale Revolution des Alltags der meisten Menschen für eine „absolute Verarmung“. Nun vollziehen der Verband und sein Chef die 180-Grad-Wende und wollen es ihren Mitgliedern künftig ermöglichen, sich für „fußballbezogene“ Spiele und Formate im digitalen Bereich zu engagieren – und diese unter dem Begriff „E-Soccer“ zu vermarkten. Da für den DFB unter E-Sport auch gewaltverherrlichende Spiele fielen, die der Verband ablehne, habe man sich auf eine Wortneuschöpfung verständigt. „Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird“, erklärte Grindel.

          Hans Jagnow, Präsident des E-Sportsverbands: „Eine Spaltung von E-Sport zu betreiben ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg.“

          ESBD-Präsident Jagnow begrüßte den Schritt des DFB, stellt jedoch auch klar: „Eine Spaltung von E-Sport zu betreiben ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg.“ Dass ein Verband wie der DFB in seiner Pressemitteilung den Begriff der „Killerspiele“ verwende, werde „dem Stand der gesellschaftlichen Debatte um E-Sport nicht gerecht“ und zeige fehlendes Fachwissen, erklärte Jagnow. Unter seiner Leitung veranstaltete der ESBD Ende April in Berlin den ersten deutschen E-Sport-Gipfel. 150 Vertreter aus Politik, Sportverbänden, Medien und Wirtschaft diskutierten über die Entwicklungen, Möglichkeiten und Ziele sowie die Vorbehalte, die E-Sportlern und ihren Förderern noch regelmäßig begegnen.

          Denn während DOSB-Vorstandschefin Veronika Rücker ankündigte, die Anfang des Jahres eingesetzte E-Sport-Arbeitsgruppe werde „definitiv im Herbst“ eine Empfehlung für den Umgang mit den digitalen Athleten abgeben, hat Heiner Brandi seine vernichtende Meinung über E-Sport schon vor längerer Zeit gefällt: Der Direktor des Berliner Landessportbundes ist überzeugt davon, dass sportliche Aktivität nicht nur aus dem Tippen und Klicken auf Tastatur und Maus besteht. Im ZDF legte der LSB-Chef kürzlich nach und behauptete, E-Sport würde zu neunzig Prozent aus „Kriegsspielen“ bestehen. Eine These, die ESBD-Präsident Jagnow nicht auf sich sitzen lassen wollte: „Wir sehen an solchen Behauptungen, dass es oft noch nicht einmal ein Grundverständnis von E-Sport gibt und es den Dialog deswegen dringend braucht. Wir wünschen uns eine Diskussion, die sich an Fakten und nicht an Mutmaßungen orientiert.“ Ein Ziel, auf das Hans Jagnow noch länger hinarbeiten muss.

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