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Dirk Nowitzki Wie ein professioneller Glücksspieler

13.05.2009 ·  Dirk Nowitzki hält trotz aller privaten Probleme die Dallas Mavericks im Rennen. An diesem Mittwoch steht das fünfte Spiel gegen die Denver Nuggets auf dem Programm. Zuletzt glänzte der deutsche NBA-Profi mit 44 Punkten - und hofft wieder.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Amerikanische Basketballspieler erleben in Play-off-Spielen häufig das Gefühl, dass sie auf den Platz gehen, wenn es eigentlich nur noch um eins geht: einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wenn man nach drei Spielen in einer Best-of-Seven-Serie 0:3 zurückliegt, ist es schwer, an etwas anderes zu denken als an das baldige Aus und an die Tage danach.

Diese Vorstellung wird auf Dirk Nowitzki in diesen Tagen nicht besonders attraktiv wirken. Denn sollte die Mannschaft in dieser Woche gegen die Denver Nuggets ausscheiden, wird ihm etwas fehlen: der Schutzkordon aus gutem Willen und Zurückhaltung, den man in Dallas zurzeit pflegt, weil niemand im Umfeld der Mannschaft und unter den Anhängern als Spielverderber auftreten will. Die Dallas Mavericks haben schließlich auf dem Papier noch eine Chance. Und so klammern sich alle - Nowitzki, die Mitspieler, die Medien - an den hauchdünnen Rest von Hoffnung. Und niemand traut sich, den 30-Jährigen mit bohrenden Fragen nach der Freundin mit den vielen Namen, ihrer kriminellen Vergangenheit und einer behaupteten Schwangerschaft zu behelligen.

„Wir sind noch nicht erledigt“

Tatsächlich hat sich der deutsche Nationalspieler am Montag mit 44 Punkten und einem knappen Sieg in einem anstrengenden Spiel fürs Erste wieder Luft verschafft. Bis Mittwoch zumindest, wenn es - im fünften Match in Denver - schon wieder um alles geht. Eine Niederlage, und die Serie ist zu Ende. Ein Sieg, und die Auseinandersetzung läuft weiter. „Wir sind noch nicht erledigt“, sagte Nowitzki nach dem 119:117 im vierten Spiel, in dem er wieder einmal die Schwächen seiner Nebenleute kompensieren musste. Er klang dabei wie ein professioneller Glücksspieler, der mit den letzten paar Chips auf dem Tisch die Bank sprengen will. „Wir haben für eine weitere Chance gespielt. Wir werden noch einmal richtig Gas geben und sehen, was geschieht“, sagte er.

Die positive Einstellung nach dem ersten Sieg gegen die Nuggets in dieser Saison wirkt keineswegs vermessen. Zumindest nicht nach der Leistung des Teams im dritten Match am vergangenen Samstag. Das hätten die Mavericks vermutlich auch gewonnen, wenn wenigstens einer der drei Schiedsrichter das Foul gepfiffen hätte, mit dem der Mavericks-Spieler Antoine Wright den besten Mann der Nuggets Sekunden vor dem Schluss zu bremsen versuchte.

Noch dreimal nacheinander gewinnen, um weiterzukommen

Ein Fehler, den sogar die Liga öffentlich eingestand, nachdem Zeitlupenwiederholungen im Fernsehen gezeigt hatten, dass Dallas um die Früchte harter Arbeit gebracht worden war, als Carmelo Anthony kurz vor der Sirene mit einem Dreier noch das Spiel drehte - auf 106:105. Doch da in der nordamerikanischen Profiliga NBA derartige Irrtümer nicht korrigiert werden, steht es in der Zwischenwertung der Serie nun nicht 2:2, sondern 1:3 - und die Mavericks müssten noch dreimal nacheinander gewinnen, um eine Runde weiterzukommen.

Um das zu erreichen, wird der beste Basketballspieler Europas gezwungen sein, wieder einmal alles aus sich herauszuholen und eine ähnlich formidable Trefferquote wie am Montag zu schaffen, als 14 von 25 Wurfversuchen im Korb landeten. Schließlich bieten die defensivstarken Nuggets mehr als nur die Zauberstücke von Carmelo Anthony, der nicht nur aus allen Lagen trifft, sondern auch jede Menge Abpraller vom Brett abfängt.

Mavericks-Trainer Rick Carlisle hat noch kein Mittel gefunden, um die Kreise des 25 Jahre alten Goldmedaillengewinners der Olympischen Spiele in Peking zu stören. „Wir haben alles noch immer unter Kontrolle“, sagte Anthony nach der ersten Niederlage der Nuggets. „Wir werden bereit sein.“ Das Ziel ist nah. Und zwar eins, das Denver seit den achtziger Jahren nicht mehr vor Augen hatte: das Halbfinale, entweder gegen die Los Angeles Lakers oder die Houston Rockets.

Einige Bälle einfach mit mentaler Kraft und mit seinem Willen versenkt

Bereit sein - das wird sicher auch Dirk Nowitzki, dessen Freundin weiterhin in Untersuchungshaft sitzt und deren Kaution vom Richter am Montag von 20 000 auf 50.000 Dollar erhöht wurde. „Ich bin ein paar Jungs begegnet, die einen so starken Willen haben wie er“, lobte Rick Carlisle sein Team nach dem Erfolg am Montag und verglich den Deutschen mit Larry Bird, dem bisher letzten überragenden weißen Spieler, der 1992 im Dream Team bei den Spielen in Barcelona stand. Die Streicheleinheiten werden gutgetan haben. Denn sie galten einem Spieler, der schon öfter in wichtigen Begegnungen am Ende einknickte, weil die Last zu groß geworden war. „Er hat einige dieser Bälle einfach mit mentaler Kraft und mit seinem Willen versenkt“, sagte Carlisle. „Das ist etwas, was die ganz Großen tun.“

Auf diese besondere Kraft setzt nicht nur Carlisle. Auch Bundestrainer Dirk Bauermann glaubt, dass Nowitzkis private Probleme die Chancen auf seine Teilnahme an der EM in Polen im September nicht geschmälert haben. „Auf ihn war in der Vergangenheit immer Verlass. In allen Spielen, in denen es um viel ging, war er immer da und hat seine besten Leistungen geboten“, sagte Bauermann am Dienstag. Und schloss daraus: „Ich bin eher vorsichtig optimistisch als pessimistisch. Das ist mein Bauchgefühl.“

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