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Dirk Nowitzki „Ich war wohl ein bisschen naiv“

23.06.2009 ·  Obwohl er 2,13 Meter groß ist, wirkt er mit seinen 31 Jahren immer noch wie ein kleiner Bruder, der nur spielen will. Basketball-Superstar Dirk Nowitzki sprach über sein Jahr. Sportlich und privat.

Von Achim Dreis, Frankfurt
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„Da sind wir dann beim Thema“, sagt Moderator Frank Buschmann um 11 Uhr 30 in Frankfurt, genau 24 Minuten, nachdem der „beste deutsche Basketballspieler aller Zeiten“ das Foyer seines Hauptsponsors zur halböffentlichen Pressekonferenz in Frankfurt betreten hatte. Dirk Nowitzki, 31 Jahre alt, 2 Meter 13 groß, die Nummer 41 der Dallas Mavericks und die Nummer 14 der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, hatte bereits ausgiebig Rede und Antwort über sein sportliches Jahr gestanden.

Er sprach über seine Tränen nach der endlich geglückten Olympiaqualifikation („der kann jetzt nicht reden“ ließ sein Vater damals ausrichten), seine Gänsehaut als Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft in Peking („das i-Tüpfelchen obenauf“) und die Partys mit den anderen Sportlern nach dem Ausscheiden im deutschen Haus („trinkfest“). Er gab seine Einschätzung ab, warum die Dallas Mavericks in den Play-Offs der NBA wieder früh scheiterten („Denver war eine Klasse besser“) und stellte in Aussicht, dass er bei der Europameisterschaft im September in Polen für Deutschland spielen möchte („Ich bin dann sowieso fit, warum soll ich dann nicht auch ein bisschen bei der EM spielen“).

Der unprätentiöse Sportstar will nur spielen

Das Publikum lauschte ihm gebannt. Neben 30, 40 Journalisten, einem halben Dutzend Kamerateams und zehn, zwölf Fotografen sind weitere knapp hundert Zuschauer gekommen, als VIPs gekennzeichnete besonders wertvolle Mitarbeiter der Internet-Bank, die sich seit 2003 als Hauptsponsor des Deutschen Basketball-Verbandes hervortut und dieses Investment mindestens noch bis 2012 weiter betreiben will, wie Vorstand Klaus Oskar Schmidt am Dienstag bekannt gibt.

Auch in den nach innen liegenden Büros des Bankgebäudes an der Frankfurter Theodor-Heuss-Allee ruht zu dieser Zeit der bargeldlose Zahlungsverkehr, wie man anhand der gut besetzten Fensterplätze zum Foyer vermuten darf. Selten, dass man einen der wenigen deutschen Supersportstars zu Gesicht bekommt, und dann auch noch so ein netter Kerl, der mit seinen wieder langen blonden Locken trotz seiner riesenhaften Ausmaße wie ein kleiner Bruder wirkt, der doch nur spielen will.

„Nicht unbedingt ein Schauspielertyp“

Als alle sportlichen Pflichtpunkte abgehakt sind, windet sich Moderator Buschmann ein bisschen, so als sei er ein Bruder von Johannes B. Kerner, und fragt dann doch, was unvermeidlich ist: über Nowitzkis private Situation, seine verhaftete Verlobte, den Vaterschaftstest und ob er wirklich innerlich so gelöst sei, wie es scheint? Nowitzki, völlig unprätentiös gekleidet in Jeans, Turnschuhe und ein rotes Alltags-T-Shirt mit dem Slogan seines vor allem auch aufgrund lukrativer Verträge bevorzugten Sportausrüsters, lächelt ein bisschen schüchtern und sagt, dass er ja nun „nicht unbedingt ein Schauspielertyp“ sei. Will meinen: Es geht ihm schon wieder so gut, wie es aussieht.

Aber das war nicht immer so. Und dann holt der betrogene Superstar ein bisschen aus, und erklärt, wie er sich fühlte, als er merkte, dass Christian „Crissy“ Trevino, die er schon drei Jahre kannte, in die er sich dann verliebte, mit der er ein Jahr zusammen lebte und mit der er sich am Silvester-Abend 2008 verlobte, dass diese Frau in Wirklichkeit Chrystal Ann Taylor heißt - und eine Betrügerin ist.

„Ich war wohl ein bisschen naiv“

„Es war ein Riesenschock“ erklärt Nowitzki im gleichen tiefen, leicht vernuschelten Tonfall, mit dem er auch ein verlorenes Spiel kommentieren würde, vielleicht noch ein bisschen gleichgültiger. Doch er betont: „Ich habe die ganze Gefühlsleiter durchgemacht.“ Der Sport habe ihn gerettet, hinter dem er sich verstecken konnte - bis zum Aus in den Play-Offs. Dann war es die Familie, mit der er die Pfingstferien verbrachte, bei der er Rückhalt genoss. Und in die er nun sein mögliches Kind einbringen möchte: „Ich will auf jeden Fall Verantwortung übernehmen.“ Sofern seine Ex tatsächlich schwanger ist, und tatsächlich von ihm: Der Vaterschaftstest und das Sorgerecht sind beantragt.

Er könne sich nur vorwerfen, dass „ich wohl ein bisschen naiv war“. Dass etwas nicht stimmte, hatte der auf ungewöhnliche Art Gehörnte nämlich erst gemerkt, als er einen Ehevertrag aufsetzen wollte, und die Rechtsanwälte die Identität seiner Geliebten etwas genauer checkten. „Und dann kam alles raus.“ Und dann wollte er sie aus dem Haus haben. Und für weitere Fragen steht nun Robert Hart, sein Anwalt aus Texas zur Verfügung. Der steht im Maßanzug an der Seite - direkt neben Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner - und lächelt verbindlich.

„Gewonnen habe ich nie viel

Um 11 Uhr 39 ist die Beichte beendet, jetzt haben die Sponsoren das Wort, später sollte es ein „meet & greet“ mit den Bankmitarbeitern geben und ein Showtraining mit einigen Basketballkids im Frankfurter Gallusviertel. Für Einzelinterviews sei leider keine Zeit, doch immerhin für eine Frageviertelstunde, wenn auch nicht zu „dem Thema.“

Dabei schafft es der neunjährige Jan Ole Rundshagen, Basketballkid von der TSG Sulzbach, Nowitzki tatsächlich aus der Reserve zu locken: Ob er denn gerne mal in der Bundesliga spielen würde und wie viele Pokale er in seinem Leben gewonnen habe? „Gute Frage“ retourniert der Würzburger und spricht von seinem persönlichen „american dream“: „Mein Traum war immer die NBA.“ In der Bundesliga werde er frühestens mit 36 spielen. Und dann meint er noch: „Gewonnen habe ich eigentlich nie viel.“

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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