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Falsche Signale : Gefährliche Zeiten im Schwimmbecken

Wer meint, beim Schwimmen nur noch auf potentielle Medaillenkandidaten setzen zu können, sendet das falsche Signal. Bild: dpa

In den Zeiten, in denen die Umsetzung der Spitzensportreform die Verhältnisse im deutschen Sport neu definiert, kämpft die olympische Kernsportart Schwimmen um Wahrnehmung. Und um Förderung.

          Sie sind unter sich geblieben, die besten deutschen Schwimmer, in den vergangenen Tagen in Berlin. In der Schwimmhalle an der Landsberger Allee feuerten Verwandte, Bekannte, Teamkameraden und Trainer die Athleten an, ansonsten nahm die deutsche Hauptstadt kaum Notiz von der Veranstaltung am S-Bahn-Ring. Wie auch? Werbung gab es so gut wie gar nicht. Es kam kaum ein unbeteiligter, aber interessierter Zuschauer. Das ist nicht nur schade, sondern auch bezeichnend für die Lage im deutschen Schwimmsport.

          In den Zeiten, in denen die Umsetzung der Spitzensportreform die Verhältnisse im deutschen Sport neu definiert, kämpft die olympische Kernsportart um Wahrnehmung. Und um Förderung. „Wir wissen jetzt schon“, sagt Chefbundestrainer Henning Lambertz, „dass wir 2019 25 Prozent weniger Geld von der Summe bekommen, die heute schon nicht reicht.“ Die Konsequenz: Die Projektförderung für Synchronschwimmen wird komplett gestrichen, es gehört nicht viel Wagemut zur Prophezeiung, dass es diese Disziplin bald nicht mehr geben wird in Deutschland.

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          Nicht so tragisch? Entscheidend ist das Prinzip im Hintergrund. Gefördert wird, was Olympia-Medaillen bringt. Da stehen auch die Beckenschwimmer blank da, seit Britta Steffen in Peking 2008 aus dem Wasser stieg. Wird also bald nur noch die Strecke, die Lage, das Geschlecht gefördert, das eine Medaillenchance bietet? Es gehe um den optimalen Einsatz der Steuergelder, heißt es stets beim Deutschen Olympischen Sportbund. Aber wie weit soll die Schraube angezogen werden? Ist ein sechster Platz bei Olympia, wie der Paul Biedermann, der am Wochenende vom DSV offiziell verabschiedet wurde, weniger wert als eine Medaille im Rodeln? Oder mehr? Wollen wir uns Brustschwimmerinnen noch leisten, obwohl sich der Rückstand zur Weltspitze in Sekunden messen lässt?

          Es sind gefährlich ungemütliche Zeiten im Schwimmbecken. Die Spitzensportreformer legen eine ganz andere Definition von Leistungssport an als die Trainer in den Schwimmvereinen an der Basis. Demnach mag es ein richtiges Signal sein, wenn das 83-Millionen-Land Deutschland, ein Schwimmverband von mehr als einer halben Million Mitglieder nur ein Dutzend Schwimmer zu einer WM schickt. Aber das Schwimmen lebt in der Provinz, in Minden und Plauen, in Kleve und Steinhagen-Amshausen, um einige Staffelteilnehmer vom Sonntag zu nennen.

          Diese Vereine – und viele mehr – sorgen dafür, dass Kinder schwimmen lernen. Das unterscheidet das Schwimmen von so vielen anderen Sportarten, die sich an den Definitionen der Reformer im deutschen Sport messen lassen müssen. Es gibt Sportarten, die ihre gesellschaftliche Relevanz nicht verlieren werden, ganz gleich, was der Medaillenspiegel bei Olympia sagt. Denn eines wird sich nie ändern: Wer nicht schwimmen kann, dem entgeht nicht nur die wunderbare Wasserwelt, er lebt auch gefährlich. Deshalb sind Signale wichtig. Wer meint, beim Schwimmen nur noch auf potentielle Medaillenkandidaten setzen zu können, sendet das falsche.

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