http://www.faz.net/-gtl-7qq08

Team-Europameisterschaft : Die deutsche Leichtathletik hat einen Lauf

Der Team-Kapitän und die Armschleuder: Olympiasieger Robert Harting schwört das deutsche Team ein und geht mit gutem Beispiel voran. Bild: dpa

Von wegen nur Werfer und Springer: Beim Sieg bei der deutschen Leichtathleten bei der Team-Europameisterschaft in Braunschweig gehören auch die Läufer zu den zweistelligen Punktesammlern.

          Als Weitspringer Christian Reif bei den Team-Europameisterschaften der Leichtathleten zu seinem dritten Versuch ansetzte, kamen ihm die 5000-Meter-Läufer mit Arne Gabius an der Spitze auf ihrer vorletzten Runde entgegen. Sie grüßten sich zwar nicht, aber Gabius konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie sein Teamkollege nach dem Sprung jubelte. Und fühlte sich inspiriert. „Das wollte ich auch“, sagte der Langstreckenläufer später – als er aufgekratzt von seiner Ehrenrunde zurückgekehrt war.

          Der Heimvorteil

          Der Sieg von Gabius in einem packenden Finish vor dem favorisierten Spanier Jesus Espana im Doppelpack mit Reifs Siegessprung war einer der emotionalen Höhepunkte des Mannschafts-Wettbewerbs in Braunschweig. Er wurde mit tosendem Applaus der 15000 Zuschauer und „Germany: twelve Points“ belohnt. Auch beim Mannschafts-Wettbewerb kämpft zwar jeder Athlet für sich, aber das Resultat geht nur in eine Gesamtwertung ein.

          Einer für alle, alle für einen – Teamgeist wird groß geschrieben bei diesem Wettbewerb, bei dem in der „Superliga“ zwölf Nationen in 40 Disziplinen jeweils einen Teilnehmer stellen. Der Sieger bekommt zwölf Punkte, der zweite elf und der zwölfte noch einen. Beflügelt vom aufgeweckten Heimpublikum gelangen den deutschen Leichtathleten zehn Siege und weitere 14 Top-Drei-Plazierungen. Am Ende des Wochenendes gewann das deutsche Team mit 371 Punkten vor Titelverteidiger Russland (359,5) und die Stadionregie spielte „Oh wie ist das schön“. Dritter wurde Frankreich (295) vor Polen (293).

          Wer ist das denn? Timo Benitz  hatten nicht viele auf der Rechnung. Aber am Ende der 800 Meter hatte der 22-Jährige die Nase vorn.
          Wer ist das denn? Timo Benitz hatten nicht viele auf der Rechnung. Aber am Ende der 800 Meter hatte der 22-Jährige die Nase vorn. : Bild: dpa

          Mannschaftskapitän Robert Harting, der sein Diskuswerfen wie erwartet gewann, hatte die deutsche Mannschaft vorher auf das Miteinander eingeschworen. Jeder Zentimeter zählt, jede Hundertstel, jedes Pünktchen. Und die Ansprache des Olympiasiegers zeigte Wirkung: denn neben Etablierten wie den Kugelstoßern Christina Schwanitz und David Storl, Hammerwerferin Betty Heidler, Reif, Gabius und ihm selbst sammelten auch vermeintliche No-Names zweistellige Punktzahlen. So befand sich der 22 Jahre alte Timo Benitz im 800-Meter-Lauf eingangs der Zielgeraden „plötzlich auf der Position, auf der ich sein wollte“ – und hielt seine Führung bis ins Ziel. „Twelve Points“ für die selbst ernannte „Kampfsau“ und hinterher „hundert Selfies“ mit jubelnden Teenagern. Benitz wurde zum beliebten Fotomotiv der Zuschauer. Richard Ringer, 25 Jahre alt, dominierte über 3000 Meter. Und Martin Grau, erst 22, holte über 3000 Meter Hindernis elf Punkte. Routinier Gabius sah mit seinen 33 Jahren die Vorstellung der neuen Generation mit großer Freude, hatte aber schon vorher gewusst, dass sich „was tut im Laufbereich“.

          Alte Domäne, neue Gesichter

          Eine Einschätzung, die auch Präsident Clemens Prokop teilt, der hocherfreut auf die Tradition des „Deutschen Läufer-Verbandes“ verwies. In den vergangenen Jahrzehnten waren es freilich eher Werfer und Springer, die für Erfolge sorgten. Und auch in diesem Sektor trumpften neue Gesichter auf: Im Weitsprung setzte sich die 20-jährige Malaika Mihambo mit persönlicher Bestleistung an die Spitze des Feldes. Auch der 22 Jahre junge Speerwerfer Andreas Hofmann war so gut wie nie, auch er holte die volle Punktzahl – und sieht sich plötzlich in der Rolle eines Medaillenaspiranten für die Europameisterschaft in Zürich im August. Denn bei aller Begeisterung für den Teamwettbewerb – der eigentliche Saisonhöhepunkt ist die Einzel-EM. Wobei eine gute Leistung in Braunschweig durchaus beflügeln kann, wie Gabius ankündigte: „Dass ich hier den Endspurt gewinnen konnte, das wird in der Szene beobachtet und mit Respekt betrachtet.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Handball brutal Video-Seite öffnen

          Europameisterschaft : Handball brutal

          In Kroatien geht es beileibe nicht zimperlich zu bei den europäischen Titelkämpfen. FAZ.NET hat die bislang spektakulärsten Momente gesammelt.

          Streikrecht von Beamten auf dem Prüfstand Video-Seite öffnen

          Bundesverfassungsgericht : Streikrecht von Beamten auf dem Prüfstand

          Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob Beamte streiken dürfen. Vor dem höchsten deutschen Gericht in Karlsruhe wird konkret darüber verhandelt, ob beamtete Lehrer die Arbeit niederlegen dürfen. Dem Verfahren wird Bedeutung für das gesamte Berufsbeamtentum zugesprochen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Sandra Maischberger“ : Vom Karrieristen zum Politiker

          Sebastian Kurz gilt als Wunderknabe der europäischen Politik. Sandra Maischberger will die Gründe für den Erfolg des österreichischen Bundeskanzlers offenlegen. Vergeblich. Denn allein an seinem Alter liegt es nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.